Der Nachtclub On in Vinohrady

DIE ZEIT : Frau Jandová, Sie sind vor ein paar Jahren aus Deutschland in Ihre Heimatstadt Prag gezogen. Was gefällt Ihnen am Prager Nachtleben am besten?

Marta Jandová: Dass es so vielseitig ist. Es gab eine Zeit, da hatte ich den Eindruck, nachts sei Prag Dorfdisco für Blondinen und Taxifahrer – oder Schickimicki für Reiche. Mittlerweile gibt es für alle was: die coolen Rocker, die Technofans, die Punks.

ZEIT: Sagen wir, es ist Freitagabend und Sie haben Besuch aus Deutschland. Wo gehen Sie hin?

Jandová: Zuerst mal was essen. Ich mag am liebsten Steaks, aber mit Besuch würde ich in eine klassische Pivnice, eine Bierkneipe namens Sokolovna, gehen. Die liegt in Vinohrady, gleich um die Ecke meiner Wohnung, ein paar Gehminuten hinter dem Nationalmuseum. Es gibt typisch tschechisches Essen – Knödel mit Soße, Braten mit Sauerkraut und Pilsner Bier. Touristen verirren sich hier selten hin, und was das Beste ist: In fünf Minuten ist man in einem guten Club, dem Techtle Mechtle. Ein Kellergewölbe mit hohen Decken. Discomusik, winzige Tanzfläche, irgendwann sind alle auf den Beinen.

ZEIT: Das heißt, Sie schleppen sich mit vollem Magen durch die Nacht?

Jandová: Wie denn sonst? Tschechen essen gern. Es heißt, wir könnten Fett besser verbrennen, weil wir seit unserer Kindheit daran gewöhnt sind. Andere sagen, es liege daran, dass wir so viel trinken. Es ist jedenfalls keine gute Idee, die Nacht in Prag hungrig zu beginnen. Man geht viel zu Fuß. Von einer Bar in die nächste nimmt man in Prag kein Taxi.

ZEIT: Noch sind wir nicht viel gelaufen.

Jandová: Keine Angst, das kommt noch. Meine Lieblingsstraße ist die Dlouhá, auf Deutsch Lange Straße, eine Gasse mit Kopfsteinpflaster, in der Nähe des Altstädter Rings. Hier liegt ein Club neben dem anderen. Im Moment mag ich das James Dean, einen ganz neuen Laden, ein bisschen schickimicki. Darauf stehe ich eigentlich nicht. Aber mir gefällt, wie er eingerichtet ist – wie eine Lounge mit vielen Ledersesseln und einer breiten Fensterfront auf zwei Straßenecken hinaus. Die Musik ist ruhig, keine billigen Großraum-Disconummern. Hier nehmen wir noch einen Cocktail.

ZEIT: Zuerst Bier, dann Cocktail. Geht das gut?

Jandová: Nicht immer. Im Roxy, das auch auf der Dlouhá liegt, bin ich kürzlich mit einer Freundin total abgestürzt. Ich glaube, wir waren am Ende fertiger als die Musiker auf der Bühne. Der Club ist ein Klassiker. Internationale DJs legen auf, viele Konzerte finden statt. Mit meiner Band Die Happy habe ich schon in diesem großen ehemaligen Kellerkino gespielt. Links und rechts vom Eingang führen Treppen in einen wunderschönen Saal für knapp 1000 Leute hinunter. Hier treffen Sie keine gestylten Tussies, hier erleben Sie das ehrliche Prag, dunkel, verraucht, für mich als Rockerin super.

ZEIT: Viele Prager Clubs scheinen unter der Erde zu liegen. Warum?

Jandová: Ich denke, weil die Stadt so alt ist und man die Keller nicht mehr braucht. Außerdem stört die Lautstärke niemanden – und es gibt keinen Handyempfang. Sie glauben gar nicht, wie viele tschechische Männer das schätzen, dass ihre Frauen sie dort nicht erreichen können.