City Guide Prag : Coole Kellerkinder
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 Die alten Clubs sind auch noch da

Marta Jandová, 38, Sängerin der Band Die Happy

ZEIT: Wohin gehen Sie, wenn es nicht ganz so rustikal sein soll?

Jandová: Ins On, das ist Prags berühmtester Schwulenclub. Der Name spielt mit der Idee des englischen on and off, aber im tschechischen heißt das eben auch »er«. Ich mag die Bar in der oberen Etage. Hier treffe ich mich mit Freunden, wenn ich in Ruhe gelassen werden will. Die Schwulen labern mich nicht blöd an, sie lächeln mir zu. Angenehm. Tanzen kann ich eine Etage tiefer, da läuft Wummsmusik, Village People und Madonna. Sehr gut.

ZEIT: In anderen ost- und mitteleuropäischen Ländern läuft das homosexuelle Nachtleben versteckter ab.

Jandová: Nicht in Prag. Die Vinohradská, meine Straße, ist der Schwulentreffpunkt, da laufen auch Männer Hand in Hand über die Straße. Ich glaube, wir sind das schwulste Land der Erde, vielleicht weil die Religion bei uns keine Rolle mehr spielt, anders als in Polen oder Russland.

ZEIT: Ihre deutschen Freunde werden vielleicht nach einem Elektroclub fragen.

Jandová: Gibt’s auch, klar. Gar nicht so weit weg, das Radost. Ganz schöner Laden, hat die Form eines L. Die eine Ecke ist laut, das typische Gewummer, Go-go-Tänzerinnen auf Podesten. In der anderen Ecke stehen Sofas zum Quatschen. Auf Dauer geht die Musik mir allerdings auf die Nerven.

ZEIT: Die Prager sollen langsam die Außenbezirke entdecken. Gilt das auch fürs Nachtleben?

Jandová: Drüben in Holeševice, wo die Züge aus Deutschland ankommen, gibt es einen riesigen Laden in einer ehemaligen Industriehalle – das Sasazu, Club und schickes Restaurant, sehr angesagt. Die haben gutes, nicht ganz billiges asiatisches Essen. Ich gehe mit meiner Schwester oder meiner besten Freundin hin. Anschließend schauen wir noch in diese gigantische Großraumdisco für 2000 Menschen in derselben Halle. Zum Gucken toll, aber zum Feiern ist es mir dort meistens zu kalt, die Klimaanlage ist immer voll aufgedreht.

ZEIT: Vermissen Sie in solchen kühlen Momenten das Prag Ihrer Jugend?

Jandová: Nein, die alten Clubs, die ich vor fast 20 Jahren mit meiner Klasse besucht habe, sind ja immer noch da. Zum Beispiel nahe dem Wenzelsplatz das Lucerna, da feiern sie nach wie vor Achtziger-Jahre-Partys. Der Lucerna-Palast wurde von Václav Havels Großvater erbaut, es gibt einen großen und einen kleinen Saal. In dem kleinen finden diese Partys wie zu meiner Schulzeit statt – mit einer Mega-Leinwand, auf der die alten Clips von Madonna und Europe laufen. Läden wie das Lucerna halten sich über Generationen hinweg. Das finde ich toll.

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