City Guide PragCoole Kellerkinder
Seite 2/2:

 Die alten Clubs sind auch noch da

Marta Jandová, 38, Sängerin der Band Die Happy

Marta Jandová, 38, Sängerin der Band Die Happy  |  © Stephan Floss für DIE ZEIT

ZEIT: Wohin gehen Sie, wenn es nicht ganz so rustikal sein soll?

Jandová: Ins On, das ist Prags berühmtester Schwulenclub. Der Name spielt mit der Idee des englischen on and off, aber im tschechischen heißt das eben auch »er«. Ich mag die Bar in der oberen Etage. Hier treffe ich mich mit Freunden, wenn ich in Ruhe gelassen werden will. Die Schwulen labern mich nicht blöd an, sie lächeln mir zu. Angenehm. Tanzen kann ich eine Etage tiefer, da läuft Wummsmusik, Village People und Madonna. Sehr gut.

ZEIT: In anderen ost- und mitteleuropäischen Ländern läuft das homosexuelle Nachtleben versteckter ab.

Jandová: Nicht in Prag. Die Vinohradská, meine Straße, ist der Schwulentreffpunkt, da laufen auch Männer Hand in Hand über die Straße. Ich glaube, wir sind das schwulste Land der Erde, vielleicht weil die Religion bei uns keine Rolle mehr spielt, anders als in Polen oder Russland.

ZEIT: Ihre deutschen Freunde werden vielleicht nach einem Elektroclub fragen.

Jandová: Gibt’s auch, klar. Gar nicht so weit weg, das Radost. Ganz schöner Laden, hat die Form eines L. Die eine Ecke ist laut, das typische Gewummer, Go-go-Tänzerinnen auf Podesten. In der anderen Ecke stehen Sofas zum Quatschen. Auf Dauer geht die Musik mir allerdings auf die Nerven.

ZEIT: Die Prager sollen langsam die Außenbezirke entdecken. Gilt das auch fürs Nachtleben?

City Guide Prag

Hier finden Sie alle Artikel aus dem City Guide Prag:

In Prag wartet der Zauber hinter jeder Ecke – eine Tramfahrt

Tomáš Sedláček über die Halbinsel Kampa

Stammgericht: Smaženka im La Degustation

So schmeckt Prag: Restaurant-Tipps von Michael Allmaier

Nachtleben: Marta Jandová über Pils, Pop und Fettverbrennung

Anbetung: Die Karlsbrücke

Hotel: Im Grand Hotel Paris

Hoteltipps aus der Redaktion

Honigkuchen und Kubismus: Tipps aus der Redaktion und von unseren Lesern

Außerdem: Die besten Netzfunde für Prag – Die ZEIT-ONLINE-Empfehlungen

CITY GUIDE ALS E-BOOK KAUFEN

DIE ZEIT City Guides stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall auf Ihrem digitalen Lesegerät zur Verfügung.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Jandová: Drüben in Holeševice, wo die Züge aus Deutschland ankommen, gibt es einen riesigen Laden in einer ehemaligen Industriehalle – das Sasazu, Club und schickes Restaurant, sehr angesagt. Die haben gutes, nicht ganz billiges asiatisches Essen. Ich gehe mit meiner Schwester oder meiner besten Freundin hin. Anschließend schauen wir noch in diese gigantische Großraumdisco für 2000 Menschen in derselben Halle. Zum Gucken toll, aber zum Feiern ist es mir dort meistens zu kalt, die Klimaanlage ist immer voll aufgedreht.

ZEIT: Vermissen Sie in solchen kühlen Momenten das Prag Ihrer Jugend?

Jandová: Nein, die alten Clubs, die ich vor fast 20 Jahren mit meiner Klasse besucht habe, sind ja immer noch da. Zum Beispiel nahe dem Wenzelsplatz das Lucerna, da feiern sie nach wie vor Achtziger-Jahre-Partys. Der Lucerna-Palast wurde von Václav Havels Großvater erbaut, es gibt einen großen und einen kleinen Saal. In dem kleinen finden diese Partys wie zu meiner Schulzeit statt – mit einer Mega-Leinwand, auf der die alten Clips von Madonna und Europe laufen. Läden wie das Lucerna halten sich über Generationen hinweg. Das finde ich toll.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Es gibt auch eine hervorragende Bunkertour durch Prag's "Unterwelt"
    Ist auf jeden Fall auch einen Abstecher wert!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie City Guide
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Prag | Nachtleben | Reise | Osteuropa
Service