Mit CorruptTour erbringt der Künstler und Philosoph Petr Šourek den endgültigen Beweis: Die Prager haben Humor. Šourek und seine Mitarbeiter zeigen bei ihren Führungen gigantische Lobbyistenvillen, eine überteuerte Seilbahn und als besonderes Highlight eine Tunnelbaustelle, an der wegen der astronomischen Kosten einfach nicht mehr weitergebaut werden kann. Das Motto: »Enjoy the Best of the Worst!« (Tel. 00420-739/990080)

Den verwunschenen Park im Stadtteil Vinohrady nennen Locals Grébovka, nach der Villa Gröbe, die hier inmitten eines uralten, noch immer bestellten Weinbergs thront. In dem kleinen Gartenpavillon hat ein Weinlokal eröffnet. Von September an gibt es Burčák, den Prager Heurigen. (Mit den Trams 4 oder 22 bis Ruská, dann drei Blocks weiter in Richtung Westen laufen.)

Auch das ist Prag: poppige Farben, Tütenlampen und anderer Fünfzigerkitsch. Wer sich in der Gegend hinter dem Friedensplatz herumtreibt, muss in der Kaaba Kavárna einen Kaffee trinken, dazu Medovník, altslavischen Honigkuchen, essen – und der Tag wird bunt!

Licht, Luft und Sonne wünschte der Bauunternehmer František Müller für sich und seine Frau Milada, als sie Ende der zwanziger Jahre von Pilsen nach Prag zogen. Adolf Loos wurde mit dem Bau eines riesigen weißen Würfelhauses, der Müllerova Vila, beauftragt, in dem Milada bis 1951 lebte. Nach der Samtenen Revolution hat der Staat das Anwesen gekauft und nach Originalplänen wieder herrichten lassen. Besuch nur nach Voranmeldung. (Tel. 00420-224/312012)

Nicht erschrecken: Das Museum für Moderne Kunst in Holeševice wirkt nur von außen heruntergekommen – der Funktionalismus altert auch in Prag nicht schön. Drinnen verbirgt sich eine riesige Sammlung der tschechischen Moderne und Gegenwartskunst. Engagiertes Kinderprogramm. (Tel. 00420-224/301122)

Man kommt wegen Kafka, der hier, auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Žižkov, begraben wurde – und landet in einem wild überwucherten Park. Efeu umarmt Grabsteine und haushohe Bäume. Und auch wenn man diesen Ort, der einen immer wieder vor Augen führt, wie viel Prager Leben in den vierziger Jahren in Theresienstadt endete, nicht schön finden will: Man kann gar nicht anders. (Mit der U-Bahn A bis Želivského.)

Kisch, Kafka und Werfel sind nur die bekanntesten Vertreter der untergegangenen deutschsprachigen Kultur in Prag, an die das Prager Literaturhaus seit ein paar Jahren erinnert. Den Grundstock für diese Sammlung bildeten Nachlass und Bibliothek Lenka Reinerovás. Auch den Schreibtisch der letzten, 2008 verstorbenen deutschsprachigen Autorin Prags kann man dort bewundern – und sogar benutzen. (Tel. 00420-222/540536)

U Černé Matky Boží, Zur Schwarzen Mutter Gottes: Seinen merkwürdigen Namen verdankt das erste und schönste kubistische Haus Prags einer kleinen Madonnenfigur in der Fassade. Es hat den Grundriss eines Kristalls, prismatisch nach außen gewölbte Fenster. Im ersten Stock liegt das Grand Café Orient, die lichtdurchflutete Quadratur eines Kaffeehauses.

Für ihre Prag-Hinweise bedanken wir uns bei Helena Bössmann (Grébovka), Ulrich Ernst (Museum für Moderne Kunst), Karin Norzel (Prager Literaturhaus) und Irina Wutsdorff (Kaaba Kavárna)

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