FDPTreffen sich zwei

Ein Abend auf Mallorca: Wolfgang Kubicki und Guido Westerwelle sitzen nett beim Essen zusammen. Muss sich FDP-Chef Philipp Rösler jetzt Sorgen machen? von 

Wer in Berlin beim Pläneschmieden gesehen werden will, der geht ins Café Einstein, Unter den Linden. Wer nicht gesehen werden will, der sucht ein Plätzchen weit weg, zum Beispiel das Restaurant Campino in Camp de Mar auf Mallorca, genießt den Blick über den Golfplatz, lässt sich vom Wirt Giuseppe »Pino« Persico etwas Feines zaubern und setzt sich in ein stilles Eckchen. Manchmal dringt dann aber doch etwas nach draußen, bis nach Deutschland. Wenn da zwei Leute sitzen, die man eigentlich so gar nicht bei einem trauten Abendessen vermuten würde. Weil sie so gar keine Freunde sind. So wie Guido Westerwelle und Wolfgang Kubicki.

Kubicki war es, der Westerwelle im Jahr 2000 drängte, Wolfgang Gerhardt als Parteivorsitzenden zu stürzen, er war es, der Westerwelle selbst 2011 den Rücktritt nahelegte. Wenn sich in der Führungsspitze der FDP etwas tut, ist Kubicki nicht weit, meistens ist er beteiligt. Im Januar dieses Jahres begann Kubicki plötzlich, Westerwelle zu vermissen. Dessen Abstinenz müsse ein Ende haben, verlangte er. Die Sehnsuchtsattacke hatte allerdings weniger mit Liebe zu Westerwelle zu tun als mit Enttäuschung über dessen Nachfolger Philipp Rösler. Der gilt in der FDP weithin als gescheitert, die Partei bangt um ihre Existenz, eine Trendwende wird ihm nicht mehr zugetraut.

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Gerüchte über eine Ablösung des Parteichefs machen in Berlin schon länger die Runde. Kubicki scheint der Meinung zu sein, dass genug gewartet worden ist, dass die FDP wieder einen neuen Parteichef braucht und dass der alte dabei helfen muss.

Man aß also vor ein paar Wochen im Campino, Frau Kubicki war dabei und Herr Mronz, man sprach über die FDP und das liberale Elend, und bald soll es nicht mehr um Gerüchte gegangen sein, sondern um Pläne, nicht mehr um die Frage, ob Parteichef Rösler abgelöst werden wird, sondern wie. Falls die FDP bei der Landtagswahl in Niedersachsen, Röslers Heimatland, unter fünf Prozent bleibt und den Einzug in den Landtag verfehlt. Und wer sein Nachfolger würde: der derzeitige Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle. In die Pläne eingeweiht und mit ihnen einverstanden, so heißt es, sei auch der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Christian Lindner, der wie Kubicki die Vorstellung einer Ampelkoalition nicht für abwegig hält.

Bisher haben sowohl Westerwelle als auch Lindner keine öffentliche Kritik am Parteivorsitzenden geäußert, Westerwelle hatte sich ganz auf seine Rolle als Außenminister beschränkt und sich auch intern zurückgehalten. Doch beide gelten als Gegner Röslers; Westerwelle wurde von dem Niedersachsen abgesägt, Lindner entzweite sich in seiner Zeit als Generalsekretär von seinem einstigen Freund.

Leserkommentare
    • scho.mo
    • 19. Oktober 2012 17:31 Uhr

    Nachdem ich vor einigen Jahren Herrn Kubicki als überzeugenden Vertreter der FDP ansehen konnte, muss ich jetzt sagen, dass mir seine überhebliche Art und seinen Hang zu öffentlicher Kritik nahezu unerteräglich finde.Soll das der FDP helfen oder will er nach dem Ende der Partei Gründer einer eigenen Partei werden???

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