Geld und LebenUnterdrückung?

Sicher, Sparer leiden, aber für viele Kreditnehmer sind die Zeiten rosig. von 

Es ist ein starkes Wort, das die amerikanischen Ökonomen Edward Shaw und Ronald McKinnon 1973 wählten, als sie beschrieben, mit welchen Methoden sich Staaten von ihren Schulden befreien können: financial repression nannten sie das, finanzielle Unterdrückung.

Ganz so brutal ist die Sache in Wahrheit nicht, aber unschön ist sie schon. Grob gesagt, geht es darum, die Bürger indirekt dazu zu zwingen, ihre Ersparnisse einzusetzen, um die Staatsschuld zu senken. Besonders effektiv ist es, wenn diese Politik von einer Inflation begleitet wird. Sind die Zinsen für Staatsanleihen niedriger als die allgemeine Preissteigerungsrate, bedeutet das, dass sich der Staat real entschuldet, ohne tilgen zu müssen.

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In Deutschland passiert das gerade, allerdings als unbeabsichtigte Folge der Euro-Krise. Weil viele deutsche und internationale Investoren derzeit Bundesanleihen bevorzugen, muss der Finanzminister nur noch Minizinsen zahlen. Langlaufende Papiere werfen eineinhalb Prozent ab, die Inflation dagegen beträgt gegenwärtig mehr als zwei Prozent. Wer so spart, verliert. Für Geld auf Sparbüchern gibt es selten mehr als ein halbes Prozent. Man muss schon jünger als 14 sein und nicht mehr als 500 Euro haben, um mithilfe des »Mäusekontos« der Hamburger Sparkasse auf vier Prozent zu kommen.

Andererseits gibt es Baugeld in Deutschland derzeit fast geschenkt. Günstige Anbieter vergeben Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit und einem Festzins von 2,5 Prozent. Rechnet man die Inflation heraus, bezahlen die Kunden gerade mal ein halbes Prozent Zins für ihre Immobilienfinanzierung. Als ich 1994 einen Hypothekenkredit aufnahm, musste ich acht Prozent Zinsen zahlen. Die Inflation war damals höher als heute, sie lag bei einer Rate von 2,7 Prozent, fiel dann aber bis 1998 auf unter ein Prozent. Ich habe fast jedes Jahr real sechs Prozent Zinsen zahlen müssen. Von Unterdrückung will ich trotzdem nicht sprechen.

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