Umwelttoxikologie Wir Versuchstiere
Nach der jüngsten Rattenstudie: Wie gefährlich ist Genmais?
Ob Sprossen oder Erdbeeren, Nahrung darf nicht krank machen. Deshalb stehen neben anderem auch Genfood und Pestizide unter Beobachtung. Als im September eine französische Langzeitstudie herbizidtoleranten Genmais der Sorte NK603 und den zugehörigen Unkrautvernichter Roundup angeblich als Krebserreger entlarvte, galt das als Sensation. In den Medien erschienen Schreckensbilder von Ratten mit großen Krebsbeulen.
Ein Fehlalarm, ausgelöst von Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bescheinigen der Sensationsstudie inzwischen unisono eklatante Mängel, die keine fundierten Aussagen über die Krebsursache zulassen. So waren die Versuchsgruppen mit je zehn Tieren zu klein für eine aussagekräftige Statistik. Séralini ignorierte internationale Standards. Vor allem aber sind seine Laborratten von Natur aus sehr krebsanfällig. Etwa drei von vier entwickeln spontan Tumoren. Séralini ermittelte ähnlich hohe Krebsraten. Waren nun erbliche Effekte die Ursache? Oder Genmais und Herbizid?
Diese zentrale Frage wird in der Studie gar nicht diskutiert. Das ist hanebüchen. Ebenso wie die halbseidenen Erklärungen dafür, dass hohe Dosen Genmais/Herbizid teils weniger Tiere erkranken ließen als niedrige Dosen. Séralini bekämpft die Pflanzengentechnik seit Jahren als sogenannter Gegengutachter. Journalisten, die frühzeitig Zugang zu seiner Studie haben wollten, mussten sich verpflichten, keine anderen Experten zu befragen – kritische Berichterstattung unerwünscht.
Kurz nach der Studie erschienen ein Buch von Séralini sowie ein Film über seine Erkenntnisse, Titel: Tous cobayes?, »Sind wir alle Versuchskanichen?« – Ja, und Opfer eines Kreuzzüglers, der mit schlechter Wissenschaft Ängste zu schüren versucht.
- Datum 11.10.2012 - 08:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.10.2012 Nr. 42
- Kommentare 2
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was sie da schreiben, herr schuh.
es gehört zum symptomatischen repertoire unredlicher argumentation im wissenschaftsbetrieb, gegenüber ungenehmen studien standards zu beanspruchen, die für die kritiker selber nicht zu gelten scheinen.
selbst der eherzur wissenschaftsgläubigkeit neigende konsens der wikipedia geht objektiver mit dem thema um:
Im Nouvel Observateur nahm Joel Spiroux, Co-Autor der Studie, zu Kritikpunkten Stellung. Bezüglich der Kritik, dass die Menge der untersuchten Tiere zu gering gewesen sei, gab Spiroux an, dass die Gesamtzahl sowie die Anzahl von 20 pro Versuchsgruppe analog zu derjenigen sei, die Monsanto bei dreimonatigen Fütterungsstudien verwende....Die im Versuch verwendete Rattenlinie würde aufgrund ihrer stabilen Merkmalsausprägung, zB. bezüglich Gewicht u.ä. seit langem weltweit in der Forschung zu Toxizitätsprüfungen und Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen eingesetzt werden, auch von Firmen, die diese herstellen. Zur Kritik, dass die Zusammensetzung des Futters nicht detailliert bekannt gegeben worden sei, berief sich Spiroux auf gängige Standards bei diesen Studien....
In einem Kommentar der Wirtschaftswoche stellt Susanne Kutter dar, dass im Bereich Grüne Gentechnik eine sachliche Grundhaltung seitens der Wissenschaft selten ist."
http://de.wikipedia.org/w...
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Hervé Kempf von Le Monde wirft die Frage auf, warum ein renommierter Universitätsprofessor wie Séralini zu einem Forschungsprojekt von öffentlichem Interesse Geld privater Stiftungen eruieren muss, anstatt dass staatliche Stellen von sich aus staatlich verortete Forscher mit neutralen und vertiefenden Forschungen zum Thema beauftragt hätten. So hätten sich Institutionen wie das Centre national de la recherche scientifique oder das Institut national de la recherche agronomique wiederholt auf Studien- gesteuert durch Agrarkonzerne- gestützt, deren vollständiger Datensatz wegen des Geschäftsgeheimnisses oft nicht offengelegt worden sei. Séralini habe durch sein Agieren in den Medien dieses Problem öffentlich gemacht. Kempf sieht hinter den wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zur Schädlichkeit des Produkts oder der Technologie auch ein Drama, das frei nach Shakespeare die Beziehung zwischen Geld und Wahrheit widerspiegelt.[135]<
http://www.lemonde.fr/ide...
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