Haarpracht ist Machtpracht, das wissen wir aus der Bibel. Erst als die Philister mithilfe der tückischen Delila dem Samson das Haupthaar raubten, war der Superheld erledigt. Jesus, ja den lieben Gott können wir uns ohne die wallenden Locken gar nicht vorstellen; die Beatles hätten ohne den Pilzkopf den Durchbruch nie geschafft. Wo die eigenen Wurzeln nicht reichten, musste die Perücke her – siehe den Sonnenkönig Ludwig XIV., die drei Musketiere und das gesamte 17. Jahrhundert. Dagegen haben wir der übel beleumdeten NPD-Jungschar das Epitheton »Glatzen« verpasst. Glatze ist hässlich und gemein.

Vorbei, meldet Albert Mannes von der Wharton Business School in seiner neuen Studie Shorn Scalps and Perceptions of Male Dominance. In einem schlichten Experiment hat er herausgefunden, dass die Glatze Größe, Respekt und Macht verleiht. Er hat seinen 344 Probanden zwei verschiedene Bilder von jeweils denselben Männern vorgelegt: einmal mit Haar, einmal (wegdigitalisiert) ohne. Das Resultat: Die Unbehaarten wirkten dominanter. Und mehr: Sie wurden als kräftiger und größer (um 2,5 Zentimeter) eingeschätzt.

Am schlimmsten, so Mannes, fahren die Jungs, die verzweifelt versuchen, ihre beginnende Glatze mit kunstvoll gelegten Strähnen zu kaschieren. Oder hinten und an den Seiten mit Dschungelgestrüpp zu kompensieren. Dem Wall Street Journal erzählte er, dass er vor der hochwissenschaftlichen Phase das Experiment am eigenen Leibe (und mit schütterem Haar) vollzogen habe. Nach der Ganzrasur hätten ihn die Leute viel »respektvoller« behandelt. So manches andere Beispiel gibt ihm recht: In Stirb langsam erledigt der glatt rasierte Bruce Willis eine Terror-Gang nach der anderen. Helden der Digitalwelt tragen gern den Billardkugel-Look: Jeff Bezos von Amazon, Jeff Katzenberg von DreamWorks.

Daran darf man Kulturtheoretisches knüpfen. Warum gilt gerade jetzt »Kahl ist cool«? In Wahrheit steckt dahinter der uralte Geschlechterkampf. Die Frauen schicken sich an, die Weltherrschaft zu erobern, aber sie werden nie und nimmer die Locken dafür opfern. Sie tragen zwar Anzug und Aktentasche, aber die Coiffure bleibt. Sogar Hillary Clinton zeigt neuerdings Langhaar. Den blank polierten Schädel, die geschlechtsspezifische Waffe, können die Frauen den Männern nicht nehmen.

Ein anderer Glatzenforscher, Michael Cunningham von der Universität Louisville, erklärt, warum Männer gerade jetzt die Klinge wetzen: So können sie Aggressivität, Wettbewerbsstärke und die Bereitschaft zeigen, »sozialen Normen zu widerstehen«. Also typisch männlich zu sein in einer Zeit, die reine Muskelkraft entwertet hat. Es zählt der Kopf – nackt, glänzend und gewaltig.

Die Wissenschaft hat’s bewiesen; die Glatze macht den Mann, derweil das Toupet oder die verschämt überkämmte Haarlücke ihn bloß lächerlich aussehen lässt. Anderseits höhnte ein Leserkommentar zur Story im Wall Street Journal: »Wie viele Punkte wird Mitt Romney in den Umfragen holen, wenn er in der ersten Debatte gegen Obama mit rasiertem Kopf auftaucht?« Die hat Romney mit vollem Haupthaar gewonnen. Der bibelfeste Mitt kannte Samsons Schicksal.