Ayurvedische Medizin : Hexenküche für alle

Der indische Pharmakonzern Himalaya will die alte Naturheilkunde Ayurveda zur billigen Medizin für die Menschheit machen – und stößt auf Widerstände.
Besucherin einer Ayurveda Messe im indischen Hyderabad © Noah Seelam/AFP/Getty Images

Ayurveda heißt auf Hindi "Weisheit des Lebens". Bislang war Ayurveda eines dieser Zauberwörter der Tourismusindustrie, das Blumenbäder unter indischen Palmen verhieß. Heute kommt rund um den Globus kaum ein Fünf-Sterne-Hotel mehr ohne Ayurveda-Angebot aus. Exotische Düfte, Öle, Massagen – Ayurveda verspricht Luxus, Entspannung, ganzheitlichen Genuss. Doch das ist nur die eine Seite des Trends. Kaum jemand ahnt, dass hinter Ayurveda eine professionelle Marketingmaschinerie steckt und dass ein Kampf um die Vorherrschaft in der Medizin tobt, gegen die traditionelle aus China und die schulmedizinische aus dem Westen. Zugleich erklärt der Erfolg von Ayurveda viel über die Bedürfnisse der Menschen in einem postindustriell geprägten Markt.

Ramana Rao, ein bekannter indischer Arzt und eigentlich Herzspezialist, behandelt jeden Sonntag in seinem Bauernhaus in der Nähe von Bangalore kostenlos die arme Landbevölkerung: mit Ayurveda, der alten indischen Naturheilkunde. 36 Jahre lang macht er das schon, irgendwann hat er aufgehört, seine Patienten zu zählen. Meist versorgt er Angehörige der niedrigsten Kasten. Sie kommen aus bis zu 100 Kilometer Entfernung zu ihm, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus. Meistens haben sie Schnupfen, Husten oder Fieber, manchmal auch schlimmere Beschwerden. Rao, der mit seinem Schnauzbart, dem Anzug und der rosa Krawatte aussieht wie ein Doktor alter Schule, verabreicht dann oft das entzündungshemmende Mittel Bresol der Firma Himalaya. Wie alle ayurvedischen Medikamente enthält Bresol ausschließlich Wirkstoffe aus Kräutern. "Wenn ich Ihnen Antibiotika verschreibe, kommen sie am nächsten Sonntag mit mehr Schmerzen zurück. Die Nebenwirkungen der üblichen Medikamente sind für diese Leute aufgrund ihrer Mangelernährung einfach zu stark", sagt Rao. Außerdem kostete die Behandlung mit Antibiotika 500 Rupien, das seien umgerechnet 8 Euro, ergänzt er. "Das ist für die Leute ein halbes Monatsgehalt."

Das Geld werde den Kampf zugunsten der Ayurveda-Medizin entscheiden, glaubt Ravi Prasad. Der Vorsitzende und CEO von Himalaya baut derzeit das erste globale Ayurveda-Unternehmen auf – nicht mit Hautölen oder Duftbädern, sondern mit Kräutermedikamenten für die Masse der Weltbevölkerung. Seine Firma liefert in 80 Länder, die meisten davon in der Dritten Welt. "Wir sind keine Luxusmarke", sagt Prasad. Der schlanke, drahtige Manager im beigen Seidenanzug trägt einen fein geschnittenen grauen Vollbart. Er führt Himalaya seit 20 Jahren und hat in dieser Zeit den Umsatz des Unternehmens aus Bangalore um das Zwanzigfache steigen lassen. Er beträgt heute rund 300 Millionen Euro, das Wachstum im letzten Jahr lag bei 34 Prozent. Gewinne gibt das Unternehmen nicht bekannt. Die Firma zählt jetzt 6000 Angestellte und beschäftigt weitere 15.000 Landwirte als Lieferanten. Himalaya ist das größte Ayurveda-Unternehmen der Welt.

Prasad war der Erste in der Firma, der ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium mitbrachte. Mitte der neunziger Jahre übertrugen ihm die Eigentümer die Verantwortung für die Unternehmensführung. Prasad biss sich fest an seiner neuen, unerwarteten Aufgabe: Wie schaffe ich auf Basis einer 5000 Jahre alten Naturheilkunde ein global erfolgreiches Pharmaunternehmen?

Er quälte sich mit der schwierigen Massenproduktion von haltbaren Kräuterpillen – denn Kräuter wirken am besten, wenn sie frisch sind. Er trieb seine Forscher an, alle Himalaya-Medikamente auf den Stand der westlichen Wissenschaften zu bringen. Was der Prüfung nicht standhielt, schmiss er aus dem Sortiment. Mit Ayurveda-Mystik hatte Prasad nichts im Sinn. Er war Manager und wollte Geld auf solider Basis verdienen.

Die größte Kräuterpillenfabrik Indiens

Prasad dachte anfangs, Ayurveda habe viel mit Öl, Massage und Yoga zu tun und sei ein Trip für Reiche, ungeeignet für die Massenvermarktung. Doch schließlich begriff er, dass Ayurveda auch anders geht. Heute steht in Bangalore die größte Kräuterpillenfabrik Indiens. Sie spuckt jeden Tag zehn Millionen Pillen aus, 600 verschiedene Kräuter werden hier verarbeitet: eine industrielle Hexenküche. Im obersten Stock der Fabrik liegen zentnerweise Kräutersäcke aus dem ganzen Land, Pfeffer aus Südindien zum Beispiel, oder Bergblumen aus dem Himalajagebirge, die herrlichen Duft verströmen.

Riesige Edelstahlzylinder verschlucken die Kräutermassen, Maschinen pressen sie zu Pillen. "Kräuterpillen ohne Bindemittel, das ist unsere größte Errungenschaft", sagt Fabrikleiter Sathya Murthy. Im Erdgeschoss verpacken Arbeiterinnen in Schutzkleidung gerade ein Gelenkschmerzmittel für Kunden in Costa Rica. Murthy rühmt sich, die erste ayurvedische Fabrik der Welt zu führen, die höchsten internationalen Standards entspricht. Prasad weiß es nun besser als früher: "Die ayurvedischen Medikamente funktionieren genauso wie die westliche Medizin. Aus Sicht des Produzenten liegt der Unterschied nur bei den Inhaltsstoffen. Ich brauche nur Kräuter."

Kein ayurvedischer Arzt würde so reden, sondern immer erst den Unterschied zur westlichen Medizin betonen. Etwa die Ganzkörperdiagnose – jede ayurvedische Behandlung beginnt damit, dass der Arzt versucht, die Krankheit des Patienten aus dessen Ernährung und Alltagsverhalten abzuleiten. Doch was interessiert das Prasad? Am Ende verschreibt ja auch der ayurvedische Arzt nur Pillen.

Für Himalaya gelten viele Regeln, die auch westliche Pharmakonzerne betreffen: Vom Kräutersamen bis zum fertigen Medikament muss Himalaya Verfahrensschritte und Produkte ständig wissenschaftlich überwachen lassen. Neue Medikamente müssen über viele Jahre getestet werden. Ihr Wert muss bewiesen und in den gängigen Fachzeitschriften publiziert werden. Und doch ist bei Himalaya vieles anders. Von der nagelneuen Forschungsabteilung in Bangalore führt Ravinder Ragesh, Chef der Medikamentenentwicklung, in eine Bibliothek. Zu sehen sind zerfressene braune Bücherrücken. Mit routiniertem Handgriff holt Ragesh einen dicken Band auf Hindi heraus und liest. "Das Original ist ganz wichtig", sagt er und übersetzt, was für ihn das Buch aller Bücher ist: "Ich bete zur Göttin des Wissens, ich verbeuge mich vor der Wissenschaft und will nun die Ursprünge des Wissens erkunden." Es sind die ersten Zeilen der Enzyklopädie der Chirurgie, die der indische Arzt Sushruta vor etwa 2300 Jahren in Palmenblätter einritzen ließ. "Es ist die älteste medizinische Literatur der Welt", sagt Ragesh.

Diese zweibändige Enzyklopädie enthält das bis heute gültige Grundwissen der ayurvedischen Medizin. Zum Beispiel auf Seite 260 des zweiten Bandes das Rezept für Triphala, eine Drei-Kräuter-Mischung. Eine andere Mischung aus Ingwer und zwei Pfeffersorten nennt sich im Buch Trikata. Gemischt mit Kardamom und Zimt, ergeben Triphala und Trikata das alte Medikament Haridra Khand. Es ist der antike Vorläufer des Himalaya-Medikaments Bresol, das Doktor Rao seinen unterernährten Patienten gibt, wenn sie erkältet sind. "Äußerst erfolgreich", sagt Forschungschef Ragesh, der sich bei der Entwicklung von Bresol jedoch nicht nur auf die alten Bücher verließ: "60 Prozent des Rezepts sind von früher, 40 Prozent haben wir neu entwickelt."

Kommentare

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Interessant

Diese "neuartigen" Arzneimittel" klingen wie eine ernstahfte Alternative zu den Chemiecocktails unserer Schulmedizin.
Auch ich bin inzwischen an einem Punkt wo ich mir zweimal überlege, ob ich wegen einer Erkältung zum Arzt gehe, weil ich dann doch schließlich nur Antibiotika verschrieben bekomme. Einerseits möchte ich nicht wegen zu häufiger Einnahme immun dagegen werden auf der anderen Seite erreicht man bereits durch simple Dinge wie Inhalieren von mit Kräutern gesetzten Wasserdampf auch ein gutes Ergebnis.
Auch der Ansatz das ganze vorbeugend einzunehmen finde ich gut. Lieber erst gar nicht krank werden. :)

Auf jedenfall sollte man das mal im Auge behalten. :)

grüße Arturio

löblich

nicht bei jedem Zimperlein Antibiotika einzuwerfen ist sicher löblich, aber von "Cocktails" zu sprechen, ist im Zusammenhang mit in Europa zugelassenen Monopräparaten weniger treffend als bei vielen pflanzlichen Medikamenten oder ayurvedischen Präparaten. Letztere sind in der Zusammensetzung bei weitem nicht so klar definiert und enthalten ein vielfaches an Inhaltsstoffen.

Was das Thema des Artikels angeht würde mich sehr interessieren, wie Himalayas Produkte in Indien zugelassen werden und was für Studien die Firma hat durchführen lassen. Insgesamt wirkt das wie eine sehr ausführliche Pressemitteilung eines aufstrebenden indischen Pharmaunternehmens.

Und ein bisschen weiter unten steht dann als Empfehlung zum weiterlesen:
"Produkte der indischen Heillehre enthalten oft große Mengen Blei, Quecksilber und Arsen."
Schwermetalle sind übrigens ein Problem, das westliche Pharmaunternehmen regelmäßig mit pflanzlichen Ausgangsstoffen aus Indien und China haben.

Na ist doch klar, die Pharmaindustrie!

Und dabei ist sie nicht allein, denn ganz sicher wird ihr eine eilfertige Phalanx aus der etablierten Politik unterstützend zu Hilfe eilen und alles daran setzen, dass der Pharmaindustrie ja kein "finanzielles" Härchen gekrümmt wird.

Flankiert werden die politischen Interventionen von einer negativ polarisierenden Kampagne in den einschlägigen Medienlandschaft, die zwar aufklärend über vermeintliche Gefahren der östlichen Medizin daherkommt, jedoch nur dem profanen Zweck dienen soll, diese "neue" und kostengünstige, seit Jahrtausenden bewährte, Medizin tunlichst zu verunglimpfen und den Verbraucher zu verunsichern!

Ich jedenfalls würde es sehr begrüßen, wenn sich diese uralte Erfahrungsmedizin auch bei uns in den westlichen Industriestaaten etablieren würde, allein schon als günstiges Kontrastprogramm zur hiesige Apparate- und Chmeicoktail-Medizin, die in erster Linie doch dazu angelegt ist, die Gesundheitsindustrie rundum gesund und satt zu machen und deren geldgeilen Shareholdern die Schatullen zu voll zu stopfen!

Verunsicherung? Wirklich?

Ich wüßte nicht, wo das Problem liegt. Ayurveda-Praxen in Deutschland sind voll. Und wenn ein Schönheitssalon seinen Umsatz erhöhen will, wird halt "Ayurveda-" vor die Massage geklatscht. Ich jedenfalls kann keine Verteufelung oder Verunsicherung wahrnehmen, eher unkritisches Hinnehmen von "Erfahrungen" oder "uralten Heilkundetraditionen". Es glauben schließlich trotz zig wissenschaftlicher Arbeiten zur Homöopathie zwei Drittel der Deutschen daran.

Was denken Sie, was wohl mehr zählt,

wenn es einem Patienten dreckig geht und er sich menschlich behandeln lässt, um möglichst rasch und vollständig genesen zu können, die von Ihnen hoch gehaltenen, wissenschaftlichen Arbeiten (gar nicht mal selten von der Pharmaindustrie lanciert und finanziert!), oder eine als hilfreich und lindernd, idealerweise gar heilend empfundene homöopathische Behandlung, jenseits von lukrativen Pfründen der Gesundheitsindustrie?!

300 Mio Umsatz ist "Big Pharma"

MIt dieser Masse ist ein Konzern (denn um das handelt es sich auch wenn Kräuterprodukte hersgestellt und vertrieben werden) massiv in der Lage die öffentliche Meinung, aber auch die Legislative zu beeinflussen. Zumal es ja einen auf Werbung -und nicht auf einem neutralen Vergelich beruhenden!- Wettbewerb bereits gibt.

Angaben zum Gewinn werden nicht gemacht. Man weiß, dass es bei "Big Pharma" Margen von 20% plus X erzielt. Ich gehe fest davon aus, dass die Margen bei den Kräuterprodukten deutlich höher sind, da die Hauptkostenfaktoren der Pharmafirmen (teure Studien, Rechtsstreitigkeiten, teure Hesrtellungsprozesse mit extremem Qualitätsmanagement) hier nahezu keine Rolle spielen dürften.

Wir reden von einem internationalen Multi, genaus so sollte jede Aussage auch in der Wahrnehmung gefiltert werden. Sinn ist hier nicht die Menschen von der "bösen Chemie" zu befreien oder "ganzheitliche alternative Medizin" zur Verfügung zu stellen sondern natürlich der Profit.

Grüße

T.

Kommentar II

Manchmal frage ich mich wie geistig degeneriert man sein muss, um nicht zu begreifen, dass vor allem die Homöopathie selbst ein höchst lukratives Geschäftsfeld darstellt. Hersteller homöopathischer Mittelchen wie zum Beispiel 'Weleda' haben mittlerweile hunderte Millionen Euro Umsatz und schrecken wie die großen Pharmahersteller auch nicht vor Rufmord- und Drohkampagnen gegen kritische Journalisten zurück.

Siehe z.B.: http://www.sueddeutsche.d...

All dies sind Nebenwirkungen des Kapitalismus; wo sich schnelles Geld machen lässt, tritt die Ethik immer in den Hintergrund - ganz gleich ob es sich um die Hersteller alternativer Mittelchen oder Big Pharma handelt.
Es gibt jedoch die wissenschaftliche Methode, mit der man objektiv evaluieren kann, ob das Zeug, das von o.g. Herstellern auf den Markt geworfen wird, wirklich etwas taugt. Und diese Methode wird von den Anhängern alternativer Heilmethoden kategorisch abgelehnt - ein Paradies für jeden schmierigen Geschäftsmann.

Dazu kommt,

dass die Zulassungsvoraussetzungen für Homöopathika um ein Vielfaches lascher sind als bei normalen Pharmazeutika.

Im Vergleich zu den umfangreichen klinischen Studien und Tests, die ein herkömmliches Medikament bestehen muss, sind die Prüfungen bei homöopathischen Mitteln geradezu lachhaft, weil der Gesetzgeber - abgesehen von ein paar Grünen, die den Schuss nicht gehört haben - natürlich auch weiß, dass bei Weleda und Co. nichts weiter als Kügelchen aus Milchzucker verkitscht werden. Was dazu führt, dass die Gewinnmargen bei Homöopathika gigantisch sind.

Ja, genau so

sehe ich das auch! Das Akupunktur-Wissen der TCM z.B. und dessen Anwendung ist nachweislich über 8000 Jahre alt und das Ayur-Veda ist noch älter! Unsere sog. "Schulmedizin", die nicht aus einem grundsätzlichen Heilsystem besteht, sondern aus einzelnen Methoden, die zum größten Teil zudem bis heute noch fragwürdig und nicht eindeutig als heilend nachgewiesen sind, erst seit 200 Jahren! Und das,will man uns von der Pharma immer weismachen, sei die einzig richtige,grundsätzlich als heilend nachgewisene Medizin, währen alles andere die "Aber-Wissenschaften" sein sollen, wie sich hier einer der Foristen auch wieder ausdrückt!
Ich habe nun langsam keine Lust mehr auf diese müßigen Pseudo-Diskussionen, die unsere heutige "Wissenschaft" immer noch als das Non-Plus-Ultra darstehen lassen wollen, obwohl hinlänglich bewisen ist, daß wir uns mit dem materialistisch- mechanistischen Blick auf die Wirklichkeit in einer Sackgasse befinden, an deren Ende ein Abrund unauslotbaren Ausmsaßes gähnt!

Sehr weise

Präparate aus der ayurvedischen Medizin enthalten oft sehr hohe Konzentrationen an Schadstoffen wie Blei, Quecksilber und Arsen, die sogar zu Fällen akuter Vergiftungen führten.[2][3] Über Beimengungen von toxischen Substanzen in "Heilmitteln der traditionellen indischen Medizin berichtet ein Fachartikel aus dem Jahr 2002.[4] In aktuelleren Artikeln wird von Schwermetallbeimengungen vor allem in online gehandelten Produkte berichtet. Dies wird in Artikeln der JAMA in den Jahren 2004[5] und 2008 berichtet.[6][7] Auch 2005 hatten Forscher unter der Leitung von Robert Saper von der Universität Boston über gefährliche Mengen an Blei, Quecksilber und Arsen in Ayurveda-Produkten wie etwa Tabletten berichtet.[8][9] Viele traditionelle Tabletten werden absichtlich mit Schwermetallen verarbeitet, da dies eine besondere Wirkung ergeben soll."

Sehr weise.

Aber...

"Das Akupunktur-Wissen der TCM z.B. und dessen Anwendung ist nachweislich über 8000 Jahre alt und das Ayur-Veda ist noch älter!"

Weitere Dinge aus der Heilkunde, die ziemlich alt sind: Aderlass, Schamanentum, Astrologische Heilungen, Exorzismen... Seit wann ist denn Alter ein Qualitätskriterium für die wissenschaftliche Beurteilung? Oder ist das geozentrische dem heliozentrischen Weltbild auch überlegen, weil es so viele tausend Jahre älter ist?

"obwohl hinlänglich bewisen ist, daß wir uns mit dem materialistisch- mechanistischen Blick auf die Wirklichkeit in einer Sackgasse befinden"

Genau, die böse Schulmedizin: Erhöhte Lebenserwartung, Vorsorge gegenüber zahllosen (lebensgefährlichen) Krankheiten durch Impfung, effektive Ausrottung früherer Seuchen, verbesserte Hygiene (die es ihnen auch ermöglicht, bis ins hohe Alter ihre Zähne zu behalten), eine sich stetig weiterentwickelnde Psychiatrie, effektive Wundversorgung (sie müssen nicht mehr sterben, nur weil sie sich zufällig einen Nagel in den Fuß gerammt haben), etc. pp.
Die totale Sackgasse, in die wir uns da hinein manövriert haben.

PS.: BINGO!

Diese Art der Medizin...

...ist im grunde ein positives und ein negatives Signal.

Positv ist, das es uns wohl immer noch so gut geht, das wir es uns leisten können wirkungslose "Medikamente" zu kaufen.

Negativ ist, das die berechtigte Kritik an der Pharma Industrie so völlig verpufft. Anstatt sich also für wirksame Medikamente zu einem fairen Preis einzusetzen und divers. Probleme wie schein Innovationen zu bekämpfen, wird das Geld lieber zur Eso Lobby getragen.

Eher enttäuscht bin ich von ZO. Der Artikel liest sich so, als ob ein Pressesprecher vom Pharmakonzern Himalaya ihn verfasst hätte.

Mfg

Impfstoff vom wunderheiler?

Welcher impfstoff enthält denn bitte quecksilber als adjuvans? Das gehört wohl eher zu den methoden der nicht-schulmediziner. Mal abgesehen davon, dass nur impfstoffe mit kleineren antigenen adjuvanzien benötigen (lebendimpfstoffe und ganzzellkeime nicht) steht der geringen menge an Al(OH)3 u.a. Keine relevante anreicherung im gehirn entgegen. Das ist eine haltlose und unlogische behauptung. Auch säuglinge und kleinkinder können die geringste menge Al3+ mithilfe ihrer niere ausscheiden. Mir missfallen diese schädlichen nicht-wahrheiten von impfgegnern sehr, da sie naiven eltern den kopf mit solchem guru-blödsinn von mitunter lebensrettenden präventiv-impfungen abhalten. Unverantwortlich!

Pharrmaindustrie will Konkurrenz verhindern

um ihre überteuerten Produkte weiterhin Monopolschutz zu sichern und eine unliebsame Billigkonkurrenz zu verbieten.

Der ganz große Vorteil von Naturmedizin ist das sie vorbeugend genommen werden kann und auch weil sie kaum Nebenwirkungen hat. Und das ist ein immenser Trumpf, den viele chemiegeschädigte Menschen des Westens sehr hoch zu schätzen wissen.

Vor diesem hat die Pharmaindustrie Angst, sehr viel Angst. Und da greifen sie zu Lobbyisten um die Politiker zu beeinflussen.

Die Mär von der sanften Natur...

...sorgt stets dafür, dass sich verwöhnte Wohlstandseuropäer, und hier vor allen Dingen die Deutschen, unkritisch "Natursubstanzen" einverleiben, die beispielsweise bei Pflanzenauszügen aus einem Mix mehrerer hundert chemischer Einzelsubstanzen bestehen, deren Zusammensetzung sich nicht nur je nach Ernte ändert, sondern bei denen viele Komponenten in ihrer Wirkung auch völlig ungeklärt sind. Nur alleine die Tatsache, dass sie natürlicher Herkunft sind, ändert an Wirkung oder Nebenwirkung erst einmal gar nichts. So sind dann aufgetretene Schädigungen durch "Natursubstanzen" (zum Beispiel an der Leber wie bei Umckaloabo geschehen) durch diesen Mix an Substanzen nur sehr schwer nachzuvollziehen. In diesem Sinne manchmal bitte etwas mehr Wissen, Objektivität und gesunde Kritik in allen Richtungen walten lassen...

Kräuterromantik

Völlig richtig. Die romantische Kräuterverklärung ist oft auf mangelndes Wissen. Auch einheimische Pflanzen, etwa Beinwell oder Borretsch, enthalten Stoffe, die krebserregend sein können. Mal davon abgesehen, daß einige der stärksten Gifte, die wir kennen, rein natürliche Pflanzenstoffe sind. Abgesehen davon, daß auch nach tausenden Jahren Phytomedizin eben keine wirklich heilenden Medikamente gegen z.B. Hepatitis, Syphilis oder dergleichen gefunden wurden. Bei so etwas helfen schlicht nur Antibiotika und andere Medikamente der "westlichen Schulmedizin".

Umckaloabo

Finde Ihren Beitrag sehr gut und kann ihre kritischen Anmerkungen nur unterstützen. Die alte Mär von wegen "es ist pflanzlich also gut verträglich" regt mich jedesmal wieder auf. Wenn man nur bedenkt, dass man dann völlig unkritisch Engelstrompete, Schlafmohn, Johanniskraut (sehr viele Wechselwirkungen !!!) usw. einnehmen könnte, wird einigen vielleicht klar, dass gerade Pflanzen viele hochpotente Wirkstoffe liefern und sich aus Pflanzenextraktionen isolierte und in der Medizin eingesetzte "chemische" Wirkstoffe entwickelt hatten und haben. Alleine die "böse Chemie" ist auch so eine Mär, da im Prinzip alles an uns und unserer Umwelt Chemie ist.
Will aber auch darauf hinweisen, dass das Stufenplanverfahren für Umckaloabo ergeben hat, dass die gemeldeten Leberschadensmeldungen von Patienten in keinem Fall in direktem Zusammenhang mit der Einnahme von Umckaloabo stand. Nebenbei ist Umckaloabo nach evidenzbasierten Kriterien scheinbar gg. akuter Rhinosinusitis bzw. Bronchitis wirksam. Dazu gibt es inzwischen eine gute Studienlage, die sich jeder auch in Cochrane Review anschauen kann: http://onlinelibrary.wile....
Es wäre schön, wenn sich immer mehr Phytopharmaka und auch Ayurveda den Kriterien der evidenzbasierten Medizin unterziehen würden/könnten, damit die Empfehlungen nicht nur nach Tradition oder Eminenzmeinung geschieht.

Frommer Wunsch

Endlich mal jemand, der sich auskennt ;-) Niemand behauptet, dass pflanzliche Wirkstoffe nicht wirksam seien können, das erfolgreiche Beispiel Aspirin (Weidenrindenextrakt) macht das mehr als deutlich. Ich weiß ja nicht, wie viele Endprodukte Himalaya aus seinen 600 Kräutern zaubert, aber das alles wissenschaftlich zu erforschen würde Jahrzehnte dauern und Milliarden verschlingen, abgesehen davon, dass es sich dann nicht patentieren lässt, man also von seiner Investition nichts mehr hat...

Auf jeden Fall spannend

Man muss sicherlich nicht alle Inhaltsstoffe einzeln isolieren und untersuchen, gar nicht so selten wirken bei den gebräuchlichen Phytopharmaka mehrere Inhaltstoffe aus dem Extrakt erst im Verbund (siehe Umckaloabo, Baldrian...). Aber wenn man sich beispielsweise die Kräuter der Traditionellen chinesischen Medizin anschaut, dann ist ein großer Fundus in den schon seit Jahrtausenden von Jahren eingesetzten Mitteln verborgen. Zum Beispiel wurden die für Malariatherapie enorm wichtigen Artemisinine aus dem Beifußgewächs Artemisia annua isoliert und synthetisch entwickelt. Artemisia annua Kräuter werden in der Trad. Chines. Medizin schon seit Jahrtausenden aufgrund von Erfahrungen der Medizinern gegen Malaria oder Fiebererkrankungen eingesetzt ohne dass man wissen konnte, was genau wie wirkt. Dafür sollte die westliche wissenschaft offen sein und auch ayurvedische Kräuter mithilfe Ihrer Analysemethoden (wie Klinische Studien) untersuchen. Das Problem ist am Ende wie auch bei den Phytos: wer bezahlt das Ganze? Universitäten sind deshalb besonders gefordert! So wurden auch die Weihrauch-Boswelliasäuren auf Initiative eines Hochschulprofessors als Antirheumatika erforscht und sind noch Gegenstand von Untersuchungen. Ethnopharmakologie kann vieles zum Vorschein bringen, dass uns in ferner Zukunft als synthetisches Medikament helfen könnte.

Als großer Skeptiker was "Alternative Medizin" betrifft...

...muss ich gestehen, dass an Ayurveda was dran ist.
Ich habe mehrere Jahre in Indien gelebt und am eigenen Leib und das meiner (damals) sehr kleinen Kinder erfahren das zumindest die Produkte des Neembaums wirklich funktionieren.

Es ist übrigens auch ein ausgezeichneter Insektenschutz und Düngermittel.