ZEITmagazin: Herr Barski, Sie ziehen als Millionär mit Strohhut durch Fernseh-Talkshows – und sind gleichzeitig ein Schriftsteller, der mit seinen Romanen über Spekulanten und das schöne Leben an der Côte d’Azur in Literaturhäuser eingeladen wird. Wie passt das zusammen?

Klaus Barski: Ich wollte immer Millionär werden, aber nicht Geld-Millionär, sondern Zeit-Millionär, damit ich Zeit zum Schreiben habe. Das Schreiben war mein Traum.

ZEITmagazin: Woher kommt diese Leidenschaft?

Barski: In der Schule habe ich die besten Aufsätze geschrieben. Ich war der Erste in meiner Volksschule, der die direkte Rede in einen Aufsatz einbaute. Ein Text von mir über die Römer im Taunus fing so an: »Adalbert, Adalbert, lass uns zu den Thermen gehen!« Da sagte der Lehrer: »Nehmt euch ein Beispiel an Klaus, in seinem Aufsatz sprechen die Figuren.«

ZEITmagazin: Wie ein Ausweis für eine große Schriftstellerkarriere klingt mir das noch nicht.

Barski: Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater war Friseurgehilfe. Wir haben sehr erbärmlich gelebt in Bremen-Nord. Ich war ein Träumer und galt immer als der versponnene Idiot. Zu klein, nicht kräftig genug für diese Welt. Mit 13 hatte ich die Volksschule rum, und bei den Bremer Nachrichten suchten sie einen kaufmännischen Lehrling. Weil sie niemanden mit mittlerer Reife gefunden hatten, nahmen sie mich. Meine Mutter sagte voller Stolz: »Du wirst was Besseres, du kommst ins Büro.« Aber die Buchhaltung langweilte mich tödlich. Ein Stockwerk höher saß die Redaktion. Da habe ich mich immer reingeschlichen. Das war in den späten fünfziger Jahren. Die Redakteure erschienen mir wie richtig geile Typen, sie haben Pfeife geraucht und Lederjacken getragen. Da sagte ich mir: So ein Typ willst du auch mal werden. Also ging ich nach der Lehre zum Chef und sagte: Ich möchte Volontär in der Redaktion werden. Doch der sagte nur: »Junge, du hast nichts im Kopf.« Das war’s.