Stimmt's / Stimmt's? : Sind Einzelkinder egoistischer?

…fragt Mareen Warmer aus Heidelberg.

Vor hundert Jahren waren Einzelkinder etwas Exotisches. Und die Pioniere der Psychologie hielten sie – freilich ohne jede Empirie – für potenziell gestörte Sonderlinge. Der mangelnde Umgang mit Geschwistern konnte in ihrer Vorstellung nur zu einer verbogenen Psyche führen.

Einzelkind zu sein sei »eine Krankheit an sich«, sagte der amerikanische Psychologe Stanley Hall, und der Begründer der Individualpsychologie, Alfred Adler, stellte resignierend fest: »Unsere Aufgabe beschränkt sich darauf, die Schwierigkeiten des Einzelkindes bestmöglich zu bekämpfen.«

Heute ist bei uns jedes dritte Kind ein Einzelkind, und hundert Jahre und Hunderte von Studien später kann man bilanzieren: Die Vorstellung vom verzogenen und selbstsüchtigen Einzelkind hat einer Überprüfung in der Wirklichkeit nicht standgehalten.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Die Ein-Kind-Politik in China mag problematisch sein, aber zu einer Generation von herrischen »kleinen Kaisern« hat sie nicht geführt, das hat die amerikanische Psychologin Toni Falbo 1993 mit einer Untersuchung von 1.000 Schulkindern bestätigt.

Die tatsächlichen Unterschiede zwischen Einzel- und Geschwisterkindern sind andere: Weil sie mehr Aufmerksamkeit genießen, beginnen Einzelkinder früher zu sprechen. In amerikanischen Untersuchungen wurde ihnen ein höherer IQ attestiert, und zumindest in den USA bekommen Einzelkinder später die besseren Jobs.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

toll..ein Bekenntnis zum Einzelkind?

die Zeit versucht ja in jedem Artikel eine Lehre zu äußern.
Ich suche den Lehrspruch hier noch.
In Kombination mit den modernen helicopter parents, die Kordelia und Augustus a mano in den Hörsaal führen, ergeben sich schon hocheitle Subjekte, die die Erwartungen der Eltern nur enttäuschen können. Es gibt eben in Lebzeiten nur 5 mal amerikanischee Präsidenten oder Deutsche Bank Vostände.
Denn alles drunter ist ja "unter unserem Niveau"

Und was soll ihr Kommentar?

Wenn es nach ihren Vorstellungen geht, dann sind also alle Einzelkinder Psychophaten?
Fühlen sie sich persönlich angegriffen?
Der Artikel sagt letztlich, nur aus, dass auch Einzelkinder durchaus soziale und erfolgreiche Menschen werden können.
Genauso wie Geschwisterkinder.
Einigen wir uns doch darauf:
Es gibt keine schlechten oder guten Kinder, es gibt nur bekloppte Erwachsenen!

Schwacher Artikel

Dieser Artikel ist in allen Belangen gescheitert, wahrlich einer der Schwächsten Artikel die ich auf Zeit Online gelesen habe.

Frau Mareen Warmer, ich bin mir sicher Sie sind sich bewusst dass Korrelation keine Kausalität impliziert? Außerdem, Studienergebnisse ohne Hintergrundinformationen als "Fakten" darstellen ist höchst irreführend. Dies kommt in keinster Weise dem Niveau von Zeit Online gerecht.

Zum Thema: Der Fakt dass Einzelkinder erfolgreicher sind, und die Gründe die dafür gelistet werden sind ein eindeutiger Fall von "narrative fallacy", siehe Thaleb. Solche Statistiken sind aussagelos, da viele Familien von sozioökonomisch schwachen Schichten stammen im Schnitt mehr Kinder haben (in den US spezifisch auch die Schwarze Bevölkerung).

Das Aufwachsen als Nicht-Einzelkind ist fördernd für die soziale Entwicklung von Kindern. Jedoch gibt es in der heutigen Zeit viele balancierende Effekte, wie z.B. Kindergarten, Schule, Vereine, etc. Diese tragen signifikant zur Bildung des Sozialverhaltens bei.

Es ist jedoch außer Frage, dass kein Effekt außer der Genetik so stark den Lebensverlauf eines Kindes beeinflusst wie das familiäre Umfeld. 'Nature & Nurture'

Hochmut kommt...

in dieser "stimmt's"-Folge (von Herrn Drösser, vermute ich. Mareen Warmer hat lediglich die Frage gestellt) kann ich keine inhaltlichen Mängel entdecken. In keiner Silbe werden etwaige Gründe für die Korrelation "Einzelkind - bessere Jobs" diskutiert, die einen kausalen Zusammenhang implizieren. Davon abgesehen: Ohne die Originalstudie zu kennen - für Faktoren wie soziale Herkunft, Bildungsstand, usw. wird in der Studie mit Garantie kontrolliert worden sein, solche Fehler kann man in peer-reviewed Artikeln mit etwas Gewissheit ausschließen.

Ihr süffisantes Resumee "wahrlich einer der Schwächsten Artikel", naja. Da kann sich jeder Forist seinen Teil dazu denken.

Lustig finde ich aber, dass Sie genau den Fehler machen, den Sie dem Artikel unterstellen: "Das Aufwachsen als Nicht-Einzelkind ist fördernd für die soziale Entwicklung von Kindern." Haben Sie denn dafür eine wasserdichte Studie?

Schwacher Kommentar

Du liebe Zeit, wo fängt man bei so einem Kommentar an...?

Mal zum ersten: Mareen Warmer ist nicht die Autorin, sondern hat die Eingangsfrage gestellt. Autor ist Herr Drösser (Wie immer in dieser Serie).

Zum zweiten: Den ausführlichen Artikel zum Thema hat Herr Drösser verlinkt und zwar im ersten Satz. Nochmal für den eiligen "nur-über-den-Text-Flieger": http://www.zeit.de/zeit-w...

und zum Dritten: Mit dem Satz "Das Aufwachsen als Nicht-Einzelkind ist fördernd für die soziale Entwicklung von Kindern" führen sie den Anspruch den sie an die Kolumne stellen ja sogar noch selbst ad absurdum, denn dies ist eine ebenso willkürliche These wie die Gegenbehauptung.

Also kommen Sie ruhig mal runter von Ihrem hohen Roß.