Zwischen dem sogenannten realen Leben und dem inneren, geistigen Leben unterscheide ich nicht so sehr. Für mich webt eines ins andere. Das, was wir Traum nennen, bezeichnet meiner Meinung nach eine immaterielle Welt, aus der wir alle kommen. Aus ihr schöpfe ich, vor allem in meiner Arbeit als Schauspielerin. Wir Menschen vergessen mitunter, wie sehr wir eingebettet sind in das Gewebe, aus dem die Träume sind.

In Träumen weiß ich nie, was als Nächstes geschieht. Dadurch werden wir uns auch gewahr, dass es ein Leben gibt, auf das wir keinen Einfluss haben. Wir bewegen uns darin, sind aber nicht die Herren dieses Lebens. Ein wunderbarer Zustand.

Jeder von uns hat eine eigene Art, zu empfinden und zu träumen. Meine Träume sind wohlmeinende Begleiter, die mir das Leben schickt. Immer wieder tauchen verstorbene Freunde und Familienmitglieder darin auf, ich genieße es, mit ihnen auf diese Weise in Kontakt treten zu können.

Ich schlafe viel und schütze die Zeit vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen. Es ist mir wichtig, diejenige, die ich im Traum bin, mitzunehmen in den Tag, ich möchte beides verbunden wissen. Wenn ich träume, wächst etwas in mir, das sich am Tag entfaltet. Eine Zeit lang habe ich ein Traumtagebuch geführt. Nicht, um die Erinnerung an die Träume dauerhaft festzuhalten. Alles, was ich träume und erlebe, ist sowieso in mir bewahrt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich auf diese Weise intensiver, facettenreicher, detaillierter träume.

Albträume habe ich nur sehr selten, aber es kommt hin und wieder vor, dass ich mich im Traum auf unbekanntem Terrain bewege und vor Aufgaben gestellt werde, die ich kaum zu bewältigen vermag. Dann stehe ich zum Beispiel auf einer Opernbühne und muss eine Arie singen. In diesen Träumen spiegelt sich ein grundsätzliches Element des Theaters: ausgestellt sein, sich selbst preisgeben, mit allen Schwächen und Unzulänglichkeiten.

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Meine Wunschträume und Sehnsüchte haben mich dahin geführt, wo ich sein soll. Unsere Träume verwandeln uns, wollen uns hinführen zur Erfüllung unseres Potenzials. Doch sie sind nicht immer deckungsgleich mit unseren Vorstellungen. Manchmal bringt uns unsere Vorstellung auf eine falsche Fährte, ersetzt den eigentlichen Wunsch durch ein Trugbild. Im Gegensatz zu den Träumen ist unser Vorstellungshorizont sehr begrenzt. Ich habe zum Beispiel als Kind davon geträumt, so zu sein wie die anderen, in eine Gruppe aufgenommen zu werden. Als junge Frau habe ich dann vom Theater geträumt und mir vorgestellt, in einem Ensemble in einer Art Künstlerfamilie zu leben und zu arbeiten. Mein Leben, auch als Schauspielerin, hat sich dann völlig anders entwickelt, in keinem Moment bin ich dieser Vorstellung auch nur nahegekommen. Dennoch hat sich der eigentliche, dahinter liegende Traum erfüllt: in einer Gemeinschaft etwas von Belang zu tun, das die Menschen interessiert und das in der Gesellschaft auf Resonanz trifft, der Traum davon, meine Wahrnehmung zu erweitern und als das Wesen wahrgenommen zu werden, das ich bin.

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