Missmanagement : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Arthur Schopenhauer sagt: Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.

Wieder einmal hatte sich der Konzern von einem Vorstandsvorsitzenden getrennt. Wieder einmal wurde ein neuer Oberchef angekündigt. Zum dritten Mal in fünf Jahren. Der Kandidat kam aus einer anderen Firma, betrat Neuland, und die Mitarbeiter wetteten, wie lange er durchhalten würde. Bleibt er ein Jahr? Oder schafft er zwei?

Die Halbwertszeit der Topmanager nimmt ab, sie wechseln ihre Arbeitgeber immer schneller. Als Fremde kommen sie an, und als Fremde reisen sie wieder ab. Jeder Pförtner kennt die Firma besser als sie.

Aber wer einen Firmendampfer lenken will, muss vorher wissen, wie das Schiff fährt: Welche Räder greifen im Maschinenraum ineinander? Was haben die Mitarbeiter oben im Ausguck zu melden? In welchem Gewässer, sprich Markt, bewegt sich das Schiff? Und vor allem: Wo kommt es her? Jede Firma hat ihre eigene Kultur, ihre eigene Geschichte. Wer sie erfolgreich leiten will, muss diese Geschichte kennen, verstehen, verinnerlichen.

Doch Kurzstrecken-Manager wollen nichts über ihre Firma lernen, sondern diese belehren. Sie erfinden das Rad neu, statt das, was schon läuft, zu beschleunigen. Sie fällen Entscheidungen, die nicht zur Firmenkultur passen. Gut sind sie nur im Staubaufwirbeln. Mit großem Lärm kündigen sie unrentable Projekte und unrealistische Termine an. Die Börse jubelt, die Mitarbeiter verzweifeln, und die Kurzstrecken-Manager ahnen schon: Wenn das Schiff, das sie gegen den Eisberg steuern, zu sinken anfängt, sind sie längst wieder von Bord. Natürlich mit goldenem Handschlag.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Die Firmen-Wracks, die sie hinterlassen, sind – mit Schopenhauer gesprochen – so irreparabel wie ein zertretener Käfer. Was können Firmen tun, um für ein nachhaltigeres Management zu sorgen? Sie könnten, anstatt »Erlöser von außen« zu holen, auch langjährige Mitarbeiter an die Spitze berufen. Mitarbeiter, die sich bewährt haben, die dem Unternehmen verbunden sind und genau wissen, wie es tickt; Mitarbeiter, die bei ihren Entscheidungen nicht nur die nächsten Quartalszahlen, sondern auch die nächste Generation im Auge haben.

Aber könnte es dann nicht zur Inzucht kommen? Unarten könnten vererbt und Fehler endlos wiederholt werden. Bestes Gegenmittel: nicht nur Angepasste, sondern auch Querdenker in die Geschäftsführung holen. Sie stellen die richtigen Fragen und sorgen dafür, dass die Tradition von Innovation flankiert wird.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Dieses Szenario findet...

meistens in alten Familienunternehmen statt, wo die Gesellschafterversammlung bestimmt, wer das sagen hat. Das sind zwar alle mehr oder weniger noch Familienmitglieder, nur haben sie meist nur noch Interesse am Gewinn, den sie reichlich erwarten. Selber ins operative Geschäft einsteigen, nein, das kommt nicht in Frage. Ist ja mit Arbeit und Verantwortung verbunden und was das schlimmste ist, die eigenen Verwandten, sind der Meinung, der kann es eh nicht. Also lässt man das sein und holt Fremde, die ja laut Unternehmesberater oder Headhunter sowieso die Besseren sind. Ich kenne reichlich Unternehmen die daran zu knabbern haben. Vor allem die Belegschaft, wovon die Meistens schon seit jahrzenten im Unternehmen sind. Die in Erwägung zu ziehen, kommt den Herrschaften überhaupt nicht in den Sinn!!! Man kann sich vorstellen wie motiviert diese Mitarbeiter sind. Wenn sie dann auch noch wagen aufzumucken ( Querdenker ), man glaubt gar nicht, wie schnell die dann rausgeschmissen werden, egal wie teuer das dann wird!!! Aber dann ist in unserem Regionalblatt zu lesen, wie schwer es doch am Markt ist und gute Führungskräfte zu finden. Das die Herrschaften am meisten selber kaputtmachen, das wagt ihnen keiner zu sagen, denn als Berater bekommt man doch gutes Geld, solange davon reichlich vorhanden ist. Wenn nichts mehr vorhanden ist, dann waren es mal wieder die Anderen und ist selber längst vom Acker!!! So einfach ist das heute!!!

Warum?

"Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen."
Naja, ganz so sicher wäre ich da nicht. Sicherlich sind schon genügend DNA von verschiedenen Käferarten sequenziert worden. Diese künstlich nachzubilden sollte doch möglich sein (wenn auch etwas aufwendig). Auch andere Bestandteile einer Zelle, die für die weitere Teilung und "Wachsen" bis zum vollständigen Käfer nötig sind, lassen sich sicherlich isolieren bzw. nachbilden. Natürlich wäre es ziemlich aufwendig, aber unmöglich wäre es sicherlich nicht. Es wird sicherlich auch relativ lange dauern. Dafür braucht man nicht mal alle Professoren der Welt. Gut möglich, dass Philosophieprofs im Labor nur stören würden, weil sie anfangen würden zu diskutieren, ob es ethisch verantwortbar sei, "Gott zu spielen" (Der Seitenhieb musste sein). Sicherlich wäre einige Doktoranten/Postdocs und Techniker wäre auch sehr hilfreich und würden das ganze Beschleunigen.

Soweit zum Zitat; Zum restlichen Artikel gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Alles hier ist so schön klischehaft geschrieben. Die bösen, kurzfristig denkenden Manager, doch lieber Querdenker. Toller Ratschlag, richtig unkonventionell, damit helfen sie sicher viele. In Ernst: Wo ist der Gewinn? Ich frage mich immer noch, warum Zeit Online diese Serie immer noch veröffentlicht. Die Tipps sind bestenfalls trivial, vielfach werden diese in den Kommentarspalten zerlegt.

Frischer Blick von außen

Der Autor macht es sich etwas einfach, wenn hier suggeriert wird, Manager von außen wären meist schlecht und Mitarbeiter von innen meist gut.

Nur intern Führungskräfte zu rekrutieren, ist tatsächlich mit der Gefahr verbunden, dass sich ein Tunnelblick einstellt und man Entwicklungen außerhalb der eigenen Komfortzone verpasst. Dieser Einwand ist berechtigt und wird vom Autor dann doch etwas zu lapidar mit der Bemühung des "Querdenkers" vom Tisch gewischt.

Der Querdenker, der auch als jahrelanger Mitarbeiter ungeprägt von eigenen Unternehmensumfeld bleibt und dabei auch noch die Entwicklungen außerhalb des eigenen Unternehmensumfeld antizipieren kann, ist eher als mythische Sagengestalt zu betrachten. Die Realität ist, jedem Unternehmen tun Blutauffrischungen mit Führungskräften von außerhalb zu einem gewissen Grad gut, zumal nicht immer und zu jeder Zeit passender interner Führungskräftenachwuchs bereit steht.

Diese Führungskräfte sind natürlich sorgfältig auszuwählen. Dabei sind dann auch die hier genannten Kritikpunkte zu beachten, ob diese Führungskraft bei vergangenen Stationen verbrannte Erde hinterlassen und sich als unfähig erwiesen hat, sich auf Firmenkultur und -umfeld des Unternehmens einzulassen.