Peter AltmaierProbleme für Feinschmecker

Strompreissteigerung, zu viel Windkraft, Angst vor dem Blackout – je schwieriger die Energiewende wird, desto mehr Spaß macht sie Peter Altmaier. von 

Drohen ist nicht seine Art. Doch nun hat er sich zu einer Drohung hinreißen lassen: »Wer die Energiewende torpediert, bekommt es mit mir zu tun!« Erschreckt hat Peter Altmaier damit niemanden. Zu sehr hat der Umweltminister sich in den ersten Monaten seiner Amtszeit als »der nette Herr Altmaier« präsentiert. Demonstrativ freundlich hat er mit allen geredet und gescherzt, die bei der Energiewende eine Rolle spielen. Darüber hinaus hat er in Interviews und diversen Talkshows zu allen möglichen Themen Auskunft gegeben: Politik, Essen, Körperfülle, Physiognomie. Auf die Drohung vom Beginn dieser Woche war die Republik einfach nicht vorbereitet.

Die Drohung kommt auch deshalb nicht an, weil der Minister, der sie formuliert, so erkennbar guter Laune ist. Fast scheint es in diesen Tagen, in denen sich die Republik über die »explodierenden Strompreise« erregt, als habe er sich die Debatte geradezu herbeigewünscht. Jedenfalls steht Altmaier am Montag dieser Woche, an dem die lange erwartete Preiserhöhung offiziell verkündet wird, im Foyer der Nordischen Botschaften in Berlin und freut sich, »dass die Energiewende endlich im Zentrum der politischen Diskussion angekommen ist!«.

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Der neue Umweltminister ist für das wichtigste politische Projekt dieser Regierung – neben der Euro-Rettung – zuständig, die Umstrukturierung des deutschen Energiesystems: weg von der Atomenergie und den veralteten fossilen Kraftwerken, hin zu einer Stromversorgung, die auf erneuerbaren Energien basiert. Er hat das natürlich nicht erfunden. Das Projekt läuft – je nach politischer Lesart – seit einem Jahrzehnt, als Rot-Grün mit der Förderung erneuerbarer Energien begann, oder seit eineinhalb Jahren, als die schwarz-gelbe Bundesregierung ihre energiepolitische Kehrtwende vollzog.

Wie auch immer, für Altmaier ist die Energiewende jetzt das »bedeutendste wirtschaftspolitische Projekt seit dem Wiederaufbau«. Um Ressortgrenzen und formale Zuständigkeiten schert er sich dabei nicht: Einer muss die Verantwortung ja übernehmen! Was ängstlichere Typen abschrecken könnte, die technische, ökonomische und politische Komplexität des Unternehmens, seine nationale wie internationale Dimension, die unzähligen Interessenkonflikte und der erbitterte Streit, den sie über Jahre hinweg befeuern werden, erzeugt bei Altmaier offenbar nur eins: Motivationsschübe.

Doch unter einem Mangel an Motivation hat er ohnehin nie gelitten, egal, in welcher Funktion. Er war Vorsitzender der Jungen Union im Saarland, Kommissionsbeamter der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel, einfacher Bundestagsabgeordneter, Parlamentarischer Staatssekretär und Erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Nie hat er sich beklagt, dass seine intellektuellen oder kommunikativen Fähigkeiten nicht angemessen zum Einsatz kamen. Stattdessen erfüllte er selbst zweifelhafte Missionen mit Hingabe und Akribie. Als Vorsitzender im sogenannten »Lügenausschuss« versuchte Altmaier den Nachweis zu führen, die rot-grüne Bundesregierung habe das Wahlvolk 2002 über die dramatische Haushaltslage belogen. Es war der erste Altmaier-Einsatz im Auftrag Angela Merkels.

Nun hat sie ihm eine passendere Herausforderung verschafft. In den ersten vier Monaten als Umweltminister hat er sich mit ungebremster Energie in den neuen Stoff gegraben. Bis ins Detail will er die Materie durchdringen, so berichten es Mitarbeiter bewundernd und ein wenig entnervt. Er hingegen wirkt glücklich und erfüllt. Altmaier ist Genusspolitiker.

»Ich verfüge über die hilfreiche Fähigkeit, mich auf meine jeweilige Aufgabe zu konzentrieren und daran Freude zu empfinden«, bestätigt der Minister und blinzelt dabei in die Berliner Herbstsonne. Am vergangenen Wochenende sitzt er in einem Café am Berliner Ludwigkirchplatz. Eben ist ein zweitägiger Konferenzbesuch aus seinem Kalender verschwunden. Er hat Zeit. Mit Emphase spricht er über die Energiewende. Das war nicht immer so. Zu Beginn seiner Amtszeit klang es eher, als wolle er sich stärker an den Interessen der Wirtschaft orientieren. Ob das ein kalkuliertes Signal war, lässt sich nicht mehr ergründen. Jetzt darauf angesprochen, gibt Altmaier eine ökologisch korrekt klingende Antwort: Wenn das ungeheure globale Wachstum auch in Zukunft mit fossiler Energie gefüttert werde, sei der Ruin des ökosystems programmiert. Deshalb sei es so wichtig, dass ein ökonomisch starkes Industrieland den Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem einschlage. Das sei allerdings nur dann durchsetzbar, wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nicht darunter leide. Dann, und nur dann, könne Deutschland zum Musterland für den globalen Systemwechsel bei der Energieversorgung werden.

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