AutoindustrieFürs kleine Budget

Der VW-Konzern bastelt an einer neuen Billigauto-Marke, um die Kunden in Schwellenländern zu bedienen. von 

Über ein Billigauto aus dem Volkswagen-Konzern wird schon lange spekuliert. Den »echten Volkswagen«, der vom größten europäischen Automobilhersteller kommen soll, zeigt jetzt Auto Bild in Farbe: Im dritten Quartal 2015, so meldete das Motormagazin aus Hamburg , werde der VW-Konzern seine eigene Billigmarke starten. Drei Varianten halten die Fachredakteure für beschlossene Sache – eine 4-türige Limousine, einen Kombi und einen familienfreundlichen Van. Ab 6.000 Euro soll es angeblich losgehen.

Während sich der von der europäischen Absatzflaute besonders geplagte Rivale Opel Gedanken machen muss, ob er bald unter französischer Regie kommt (siehe Artikel links), kann sich VW offenbar den Luxus leisten, seinem Dutzend Pkw, Lkw- und Motorradmarken noch eine dreizehnte Marke hinzuzufügen.

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Leider handelt es sich bei dem abgebildeten »Budget Car« in Auto Bild lediglich um eine Computersimulation, und auch den vorausgesagten Starttermin möchte man in Wolfsburg nicht bestätigen. Wohl aber ist aus der VW-Konzernzentrale zu hören, dass an solchen »Low-Budget-Autos« gearbeitet wird und dass diese am Ende keinen der eingeführten Markennamen wie VW, Skoda oder Seat tragen werden.

Eine Sensation ist das freilich nicht. Renault startete bereits im Jahr 2005 seine Offensive mit der Billigmarke Dacia. Mit der Technik ausgelaufener Renault-Modelle und neuen Karosserien wurden die simpel gebauten Autos aus Rumänien in Europa und etlichen Schwellenländern mit Einstiegspreisen für rund 7000 Euro lanciert. Damals konnte man bei VW nichts entgegensetzen.

Konzernchef Martin Winterkorn und seine Truppe hatten für die wenig betuchte Kundschaft allenfalls den Rat bereit, sich »einen gebrauchten Golf« zuzulegen. Als der indische Tata-Konzern dann 2008 mit seinem Winzling Nano für knapp 2.000 Euro noch einmal eine deutliche Stufe drunterging, mussten sich die stolzen Wolfsburger Autokonstrukteure mit dem Bonmot »VW kann alles, nur nicht billig« verspotten lassen.

In der Kategorie der Ultra-Billigautos wie dem Tata Nano werde VW nie antreten, stellte Martin Winterkorn damals klar. Zu hoch seien bei dieser Preiskategorie die Kompromisse, die man bei der Sicherheit eingehen müsse. Man denke aber sehr wohl an ein preisgünstiges Einstiegsauto, speziell für Schwellenländer, betonte er schon damals.

Seither hat der Konzern mit seinem kleinen Up und dessen Brüdern Skoda Citygo und Seat Mii nachgelegt. Deren Basisversionen liegen zwar unter 10.000 Euro, sind aber für die Einstiegskunden in Ländern wie Indien, China oder Brasilien immer noch zu teuer und mit 3,70 Metern Länge wohl auch etwas zu klein für den dort nach VW-Erkenntnissen besonders gefragten Familientransport.

Zügige Abhilfe versprach die 2009 eingefädelte Partnerschaft mit dem japanischen Kleinwagenspezialisten Suzuki, der mit seinem Ableger Maruti Indiens Markt dominiert. Man wundere sich, zu welch niedrigen Kosten diese selbst Teile wie Lenkräder konstruieren könnten, freute sich der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh seinerzeit auf der IAA in Frankfurt. VW stieg im Jahr darauf mit knapp 20 Prozent bei Suzuki ein, doch schon im vergangenen Jahr mochten die Japaner plötzlich nicht mehr mit VW kooperieren. Alle gemeinsamen Projekte liegen seither auf Eis.

Das Scheitern der Suzuki-Option hat die Wolfsburger bei ihrem Projekt Budget Car sicher ein, zwei Jahre gekostet. Doch wenn sich bei VW Vorstand und Betriebsräte weiterhin einig sind, darf man damit rechnen, dass solche Modelle kommen. Weniger für Europa konzipiert, wo gerade mal drei Prozent der Autos in diese Kategorie fallen, als primär für Märkte wie Indien oder China, wo bis zu 40 Prozent der Pkw zur Kategorie jener Billigautos zählen. In China dürften diese auch montiert werden. Dabei haben die Wolfsburger keine Scheu, das erfolgreiche Rezept von Renault/Dacia zu kopieren: Man nehme die abgeschriebene Technik und die Komponenten ausgelaufener Modelle, lasse jedweden vermeintlichen Luxus weg und setze eine gefällige Karosserie drauf. Schließlich wollen die Wolfsburger erklärtermaßen spätestens 2018 die Nummer eins in der Autobranche werden.

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Leserkommentare
  1. ...leider erst in 2014: Vierrädrig, viertürig, mit einem Motor und Lenkrad. Da kauf ich mir lieber keinen up - stattdessen einen Citadine für mich und einen für meine Freundin für den gleichen Preis: Damit wir uns öfter gegenseitig besuchen können.

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