Daybed : Hier liegen Sie richtig

Das "Daybed" verlegt den Schlaf in den Tag – endlich ist es wieder da.

Unter Designern herrscht das wenig bescheidene Verlangen, jedes Mal aufs Neue etwas noch nie Dagewesenes zu entwerfen. Stühle, Tische und Regale sind altbekannte Erfindungen, dennoch versuchen Designer ihnen immer wieder ein frisches Aussehen zu verpassen. Manchmal passiert es aber auch, dass ein Möbelstück in Vergessenheit gerät und nach Jahren des Nichtbeachtens wieder ausgegraben wird. Dieses Schicksal widerfährt gerade dem Daybed, das auf den ersten Blick fast etwas überflüssig wirkt.

Für gewöhnlich versteht man darunter eine schmale Liege für eine Person, die Form beschränkt sich auf das Wesentliche: eine Horizontale auf vier Beinen, ohne Rücken- und Armlehne. Gerne wird das Daybed mit der Récamiere verwechselt, einer Tagesliege, die aus der Chaiselongue hervorging. Der französische Name verrät jedoch die ursprüngliche Funktion des »langen Stuhls« als Sitzmöbel. Im 18. Jahrhundert verbrachte man auf dem Fauteuil seine Mittagsruhe und legte die müden Beine auf einen davorstehenden Schemel. Mit der Zeit verschmolzen die beiden Möbelstücke zu einem. Das Daybed hingegen ging aus der Bank hervor, war also von Beginn an ein einteiliges Möbelstück und dem Liegen vorbehalten.

Die Bezeichnung Daybed könnte auffordernder nicht sein. Fast provokant verlegt es den Schlaf in den Tag, jene Zeit, in der wir doch aktiv und tätig sein sollen. In seiner dezenten Erscheinung erinnert es uns daran, im hektischen Alltag mal wieder eine Pause zu machen – was ganz und gar nicht überflüssig ist. Die bescheidenen Maße des Daybeds sind da von Vorteil, weil sie einen dazu zwingen, mal wieder mit sich alleine zu sein.

Seit einigen Jahren erlebt die flache Liege nun ihre Renaissance. Stilistisch reduziert wie die Neuauflage der »Theban«, die der Architekt Ferdinand Kramer bereits 1925 entwarf und die das deutsche Möbelunternehmen e15 nun wieder vertreibt, oder das »56 Day Bed« von Adele-C, für das sich der Designer Ron Gilad auf ironische Weise mit Proportionen beschäftigte und Thonet-Stühle zu Bettfüßen schrumpfen ließ .

In den zwanziger Jahren gehörte das Daybed zur Grundausstattung jeder gehobenen Einrichtung. Eine junge Frau aus Irland erregte damals mit ihrem Entwurf besonderes Aufsehen: Eileen Gray, Designerin und Innenarchitektin, bekam 1919 den Auftrag, das Appartement einer berühmten Dame der Pariser Gesellschaft zu gestalten. Gray experimentierte mit Formen und Materialien und entwarf für die Wohnung Möbelstücke, wie man sie zuvor noch nie gesehen hatte. Zum Beispiel das »Pirogue«-Sofa, eine Liege aus braunem Lack mit spitz zulaufenden, geschwungenen Enden, in der Form eines Kanus. Design- und Modemagazine feierten es, der Erfolg des Daybeds war besiegelt.

Im Jahrzehnt des Vergnügens entdeckten viele Designer das Möbel für sich und läuteten mit ihm die klassische Moderne ein. Es symbolisierte wie nichts anderes den Luxus des Nichtstuns. Auch Mies van der Rohe entwarf 1929 eine Tagesliege: das berühmte » Barcelona « Daybed mit einer von Leder umzogenen Steppmatratze. Noch in den vierziger und fünfziger Jahren fand man die Tagesliege in vielen Wohn- und Arbeitszimmern. Der amerikanische Architekt und Designer George Nelson entwarf 1948 eine Version für sein Wochenendhaus auf Long Island, auf der auch Gäste schlafen konnten.

Das bewusste Nichtstun – früher war es fester Bestandteil des Tagesablaufes, heute, im modernen Alltag, ist es für viele unvorstellbar. Dabei ist der Mittagsschlaf in unserem Biorhythmus verankert. Zwischen 13 und 15 Uhr haben wir ein Leistungstief, ein kurzer Schlaf von maximal 30 Minuten kann unsere Akkus wieder aufladen. Schlafmediziner gehen sogar so weit, zu sagen, wer mittags nicht schlafe, setze sich über die eigene Biologie hinweg.

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Wieder so eine Behauptung, die Allgemeingültigkeit reklamiert:

"Um auszuruhen, muss es weder dunkel sein, noch brauchen wir eine Decke." Mich nerven solche Aussagen!

Wenn ICH mich mittags für ein halbes Stündchen hinlege, und wirklich entspannen oder kurz schlafen will, brauche ICH ein "blindfold" und eine leichte Decke. Sogar im Sommer. (MEIN ruhender oder schlafender Körper kühlt sonst aus.)

Und diese "Tagesbetten" brauchen Platz, den die meisten Leute nicht haben - von den €uros mal ganz abgesehen.

Die Möbel von Mies müssen nicht schrecklich teuer sein...

Ich habe gehört, dass www.voga.com in Deutschland aufgemacht hat und war von ihrer riesigen Kollektion von Replikatstühlen inspiriert. Gleich bestellte ich zwei Ludwig Mies van der Rohe Barcelona Sessel für das Büro, die sofort zum Blickfang geworden sind. Unser Personal und unsere Kunden sind begeistert. Die Stühle sind sehr bequem, stabil und gibt es auch in weichem, weißem Leder. So einen werde ich mir für mein Schlafzimmer bestellen. Vielen Dank Voga!
Gerhart Schuster