LichtdesignLicht ins Dunkel

Viele Schlafzimmer sind lieblos beleuchtet, schöne Lampen können helfen.

Perfekt fürs Schlafzimmer: Warmes Licht und beruhigende Farben

Lichtdesigner, so denkt man, sind Spezialisten für Helligkeit. Sie sind vor allem dazu da, Licht ins Dunkel zu bringen. Aber in den letzten Jahren, da die Städte immer heller geworden sind und wir unter einer regelrechten Lichtglocke leben, wurden sie mehr und mehr zu Verfechtern der Dunkelheit. Denn ihr Geschäft ist nicht das Licht, sondern die Atmosphäre, und zu viel Licht zerstört die Atmosphäre.

Der Innenarchitekt und Lichtdesigner Edwin Smida aus Berlin arbeitet bei Lichtkunstlicht, einem von Deutschlands größten Büros auf dem Gebiet. »Wenn wir Plätze und andere Außenräume beleuchten, müssen wir uns an DIN-Normen halten, die genau regeln, wie hell es sein muss«, sagt er. Und es muss sehr hell sein. Sicherheit gehe heute über alles. Das nimmt den Lichtdesignern die Möglichkeit, Atmosphäre zu schaffen, indem sie Lichtzonen einrichten. Niemand fühlt sich wohl auf einem gleichmäßig ausgeleuchteten Platz oder in einem derartigen Raum, wir sehnen uns nach Geborgenheit, nach kleinen Lagerfeuern, um die wir uns scharen können, nach abgegrenzten Lichtzonen. Die eigentliche Herausforderung für die Lichtdesigner ist es, Möglichkeiten zu finden, doch noch ein bisschen Dunkelheit zuzulassen.

Das Schlafzimmer ist ein DIN-freier Raum, also ein Eldorado für Lichtdesigner. Dort scheut niemand die Dunkelheit. Leider, sagt Smida, werde aber dem Schlafzimmer von seinen Auftraggebern meist am wenigsten Bedeutung beigemessen. Im Schlafzimmer empfängt man schließlich nicht so häufig Gäste. Die meiste Zeit ist das Licht aus, weil man schläft.

Dabei geht es gerade im Schlafzimmer um die Atmosphäre: Dort halten wir uns von allen Räumen am längsten am Stück auf, dort lesen wir vor dem Einschlafen, dort wachen wir auf, dort ist das Spiel von Helligkeit und Dunkelheit am wichtigsten.

Dunkelheit brauchen wir im Schlafzimmer deshalb, weil sie zur Produktion des Schlafhormons Melatonin notwendig ist. Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus, es ist also eine Art Zeitgeber. Wenn nachts Licht ins Auge fällt, bricht die Melatonin-Synthese ab. Vor allem für Neugeborene, die noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus haben, ist Dunkelheit für den Schlaf wichtig. Eltern, die sich darüber wundern, dass ihre Babys im Sommer schon morgens um fünf putzmunter sind, vergessen oft einfach, den Schlafraum so dunkel wie möglich zu machen. Angst vor der Dunkelheit kennen die ganz Kleinen noch nicht.

Ob schon die Lichtglocke über den Städten den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen durcheinanderbringt, darüber streiten die Wissenschaftler. Ein Problem ist eher, dass sich viele Menschen tagsüber in geschlossenen Räumen aufhalten und zu wenig Tageslicht bekommen, was zur Folge haben kann, dass sie nachts schlechter schlafen. Wer tagsüber viel Licht bekommen hat, weil er sich im Freien aufgehalten hat, der reagiert in der Dunkelheit weniger auf Helligkeit. Wissenschaftler sagen, ein einstündiger Spaziergang am Tag könne schon helfen. Es gilt die einfache Regel: So viel Licht wie möglich tagsüber und so wenig wie möglich nachts.

Für die Beleuchtung im Schlafzimmer hat das Folgen. Man kann die Melatonin-Ausschüttung schon vor dem Schlafengehen anregen, indem man im Schlafzimmer eine dimmbare Beleuchtung wählt und wenig Licht ins Auge lässt. Lesen im Bett bei grellem Licht ist also nicht sinnvoll.

Nicht jeder mag es aber, wenn der Raum nachts ganz dunkel ist. Edwin Smida, der Lichtdesigner, würde für sich zum Beispiel nie Rollos oder Jalousien anbringen, die das Nachtlicht von draußen komplett abschirmen. »Es gibt kein Richtig oder Falsch«, sagt er. »Zwar braucht es zur Melatonin-Ausschüttung Dunkelheit, aber die Prägung eines Menschen und sein Geschmack sind auch wichtig.« Darauf muss er als Lichtdesigner achten, wenn er die Beleuchtung für Privatbauten entwirft.

Smida, 43, hat in Rosenheim Innenarchitektur studiert und sich dann auf Lichtdesign spezialisiert. Sein Arbeitgeber Lichtkunstlicht mit Büros in Bonn und Berlin stattet internationale Museen aus, Hotels, auch für die Beleuchtung des Bundeskanzleramts und des Auswärtigen Amts war die Firma verantwortlich. Lichtkunstlicht arbeitet international. Über seine Entwürfe für private Villen und Häuser verrät Smida allerdings nicht viel, weil die Kunden in der Regel sehr wohlhabend sind und Diskretion wünschen. Unter den Kunden war zum Beispiel einer der bekanntesten Filmproduzenten der USA.

Designer stoßen bei ihrer Arbeit oft auf die kuriosesten Eigenheiten ihrer Auftraggeber: meterlange, gekühlte Kleiderschränke für Pelze oder ein eigens angefertigtes Stoffsofa, das laminiert, also komplett in Plastik verpackt werden soll.

Aber ganz gleich, ob im Kleiderschrank nun Pelze hängen oder nicht, für die Beleuchtung von Innenräumen gibt es ein paar Grundregeln, die auch ohne viel Geld zu verwirklichen sind. Wenn man Atmosphäre schaffen, es sich also gemütlich machen will, dann wird man keine Leuchte an die Decke hängen, die den ganzen Raum gleichmäßig erhellt. »Das gibt einem das Gefühl, als kleines Individuum in einer riesigen Umgebung zu sitzen«, sagt Smida. Der Mensch hält sich lieber in Lichtzonen auf, das macht den Raum spannungsreicher, man hat einen kleinen, privaten Ort für sich, an dem man verweilen will. Alles, was gleichförmig beleuchtet ist, erinnert an öffentliche Räume wie Flughäfen oder Bahnhofshallen.

Für das Schlafzimmer bieten sich drei verschiedene Lichtzonen an: zum einen um das Bett, dann der Bereich um Kleiderschrank und Spiegel – falls vorhanden –, außerdem benötigt man noch ein Allgemeinlicht, das man beim Betreten des Zimmers anknipsen kann. Gut wäre, wenn man es im Bett liegend wieder ausknipsen kann. Man könnte auf das Allgemeinlicht aber auch verzichten und stattdessen einen zweiten Schalter an der Tür anbringen für das Licht neben dem Bett.

Der Lichtdesigner hat ein paar gute Tipps, um Ärger im Ehebett zu vermeiden. Während der eine gerne liest, will der andere vielleicht schon schlafen. »Deshalb ist es wichtig, dass die Leuchten, die am besten links und rechts vom Bett angebracht sind, ein gerichtetes Licht machen, das den Partner nicht stört.« Die Lichtquelle, zum Beispiel eine LED, die punktgenau strahlt, könnte an einer Art Schnorchel angebracht sein, den man flexibel bewegen kann.

Das Allgemeinlicht im Schlafzimmer muss eigentlich gar nichts können außer den Raum erhellen, damit man keine Taschenlampe braucht, um zum Bett zu gelangen. Das Licht kann auch aus einer Stehlampe mit weißem Stoffschirm kommen. »Oder es könnte ein indirektes Licht sein, das die Decke beleuchtet und das man sieht, wenn man vom Bett aus nach oben blickt«, sagt Smida. Violettes Licht wäre da am besten, weil es etwas Verzauberndes und Träumerisches ausstrahlt. Allgemein gilt im Schlafzimmer: Mach nichts, das blendet. Wenn man sich daran hält, kann das Allgemeinlicht auch ein Kronleuchter oder ein anderes Leuchtobjekt sein. Es sollte nur nicht direkt über dem Bett hängen.

Auch für einen Kleiderschrank und einen Spiegel zum Ankleiden wäre ein eigenes Licht denkbar. Generell ist Smida kein Fan von Schränken im Schlafzimmer, weil sie so massiv sind und den Raum dominieren. »Besser ist es, wenn der Schrank aussieht, als sei er Teil der Wand.« Also wenn er exakt in eine Nische passt und raumhoch ist. Das Licht für den Spiegel sollte schattenfrei sein, das heißt, die Lampe sollte am besten darüber angebracht sein. Diffuses, nicht gerichtetes Licht macht beispielsweise eine Leuchtstofflampe oder ein opaler Glaskörper um die Lichtquelle.

Bei allen Lampen im Schlafzimmer sollte man darauf achten, dass sie warmes Licht spenden (eher gelblich) und eine gute Farbwiedergabequalität haben, also die Farben nicht verfälschen. Das können hochwertige LEDs, Halogen- oder notfalls Entladungslampen sein.

Zur Atmosphäre im Schlafzimmer gehört aber noch mehr als nur das Licht. Jeder kennt die typisch deutschen Elternschlafzimmer, die immer unterkühlt und deshalb so abweisend sind, dass tagsüber keiner gern reingeht. »Das ist eine Atmosphäre, als würde man sich da zum Sterben hinlegen«, findet Edwin Smida. Gegen gute Luft sei nichts einzuwenden, aber man sollte das Schlafzimmer als Teil der Wohnung betrachten. In Smidas großer Altbauwohnung sind die Flügeltüren zum Schlafzimmer immer offen, es liegt neben dem Wohnzimmer und wirkt deshalb wie eine Erweiterung.

Bei der Gestaltung des Raumes ist eigentlich alles erlaubt, farbige Wände oder auch Tapete, am besten hinter dem Bett. Die Farben sollten aber nicht anregend sein – also eher kein Rot und Grün, sondern Blau- oder Violetttöne.

Und wo sollte das Bett stehen, das wichtigste Objekt im Schlafzimmer? »Versetzen Sie sich in die Zeiten zurück, in denen der Mensch noch inmitten der Natur gelebt hat«, sagt Smida. Im Schlaf war man damals hilflos den Gefahren der Natur ausgesetzt. Auch heute würde man sich instinktiv nicht direkt neben die Tür legen, sondern lieber in eine geschützte Ecke an der Wand, wo man sich geborgen fühlen kann. Die Achse zwischen Tür und Fenster ist nicht nur aus Feng-Shui-Sicht energetisch ungünstig. Man kann diese Energie auch in Form des Windzuges spüren, der zwischen Tür und Fenster entsteht, dort würde man sein Bett eher nicht aufstellen.

Aber die wichtigste Regel des Innenarchitekten und Lichtdesigners ist: Es gibt keine Regeln! Edwin Smida hat in seinem Schlafzimmer die meisten seiner Leitsätze über den Haufen geworfen: Sein Bett steht nicht etwa an einer Wand, sondern schräg im Raum, in der Achse zwischen zwei Flügeltüren und dem Fenster. Darüber hängt eine Leuchte mit einem Stoffschirm. Und trotzdem sieht alles sehr durchdacht und wohnlich aus. Gutes Design kennt eben keine Gesetze.

 
Leser-Kommentare
  1. Jalousien und Rollos

    Also da muss ich Herrn Smida klar wiedersprechen, wenn er meint das er niemals Jalousien oder Rollos montieren würde weil sie das Nachtlicht von draußen voll abdunkeln. Also Herr Smida, da haben sie sich noch nie mit Sonnenschutz insbesonders mit Innen Jalousien auseinandergesetzt. Speziell Jalousien haben die verzaubernde Eigenheit, das sie mit nur einem Handgriff die Lichtstärke selbst kontrollieren können. Die ausgewählten Jalousiefarben sorgen dann für ein atemberaubendes Licht Schattenspiel, welches das Ambiente von jedem Innenraum aufbessert.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/jp

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