Mecklenburg-VorpommernSchloss, endlich

Drei Jahre Arbeit investierte das Ehepaar Forytta in das alte Herrenhaus Marihn in Mecklenburg-Vorpommern. Heute leuchtet die Fassade cremeweiß, und im Garten duften die Rosen. von Inge Ahrens

Der Hausherr hat die Gärten von Marihn selbst gestaltet.

Der Hausherr hat die Gärten von Marihn selbst gestaltet.  |  © Cyrus Saedi für DIE ZEIT

Wenn die Wiesen blühen, steht Sonja Forytta schon frühmorgens am Wegrain, um blaue Kornblumen und weiße Margeriten zu pflücken. Die Sträuße kontrastieren einfach so wunderbar bäuerlich mit den eleganten, stuckverzierten Gästezimmern ihres Schlosses!

Sonja und Horst Forytta sind Aussteiger. Zwei, die ihre alten Jobs an den Nagel gehängt haben, um sich ganz ihrer Rolle als Gastgeber zu widmen. 2004 entdeckten sie Schloss Marihn – und waren auf Anhieb begeistert: von den hügeligen Weiten Mecklenburg-Vorpommerns, von den Rauhwolligen Pommerschen Landschafen auf den Wiesen, von den Störchen, die hier auf den Dächern ihre Nester bauen, und natürlich vom Schloss selbst, obwohl es sich damals in einem erbärmlichen Zustand befand. Im 19. Jahrhundert hatte Schinkel-Schüler Wilhelm Buttel das weiße Herrenhaus im palladianischen Stil erbaut. Zu DDR-Zeiten dann waren willkürlich Wände eingezogen worden, um Raum für Konsum-Laden, Kindergarten und Wohnungen zu schaffen.

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Drei Jahre Arbeit investierten die Foryttas, um das heruntergekommene Gebäude in das Schloss ihrer Träume zu verwandeln. Als 2007 die ersten Gäste kamen, fehlte nur noch der Landschafts- und Rosengarten – der, gestaltet von Horst Forytta, zwei Jahre später fertig wurde, pünktlich zur Bundesgartenschau.

Wer das Schloss heute besucht, fährt an Neustrelitz vorbei bis Marihn, einem 300-Seelen-Dorf mit putzigen Backsteinhäusern. Wenige Kurven weiter sieht man dann, hinter einem kleinen Wäldchen, die cremeweiße Fassade des Schlosses leuchten, an dessen Eingang Sonja Forytta ihre Gäste selbst willkommen heißt.

Hotels unter 100 Euro

Es gibt in diesen Hotels keine Portiers mit goldbesetzten Gehröcken. Es gibt keine behandschuhten Butler und keine Keycards zum Öffnen der Zimmertüren. Es gibt hier niemanden, der einem weismacht, ohne Lomi-Lomi-Nui-Massage sei man nur ein halber Mensch. Es gibt weder High Tea noch Zimmerbutler und schon gar keinen Wagenmeister. Deshalb kann man in diesen Hotels zu bestimmten Zeiten auch schon für 99 Euro im Doppelzimmer schlafen, schlimmstenfalls ohne Frühstück, dafür aber zu zweit. Zwanzig besondere Hotels in Europa haben unsere Autoren besucht: das Forsthaus in den Masuren, das lauschige Strandhotel auf Elba oder die kunstvolle Lodge in Kärnten. Häuser, in denen trotz des niedrigen Preises eine Menge geboten wird – oder vielleicht gerade deshalb. Zum Beispiel findet man hier oft etwas, das die meisten Hotels zwar versprechen, aber nicht bieten können: Ruhe. Es gibt grandiose Ausblicke aufs Meer oder auf Wiesen, Wälder und Täler. Es gibt Wanderwege gleich vor der Tür. Es gibt Gastgeber, die ihre Besucher noch selbst empfangen und sie abends bekochen. Es geht, um es kurz zu machen, um so etwas wie Seele. In den hier vorgestellten Häusern gehört sie zur Grundausstattung.

Alle Hotels der Serie finden Sie hier.

Schloss Marihn

Flotower Str. 1, 17219 Marihn

Tel. 03962/221930, www.schlossmarihn.com. DZ ab 95 Euro, Frühstück 12,50 Euro pro Person

Der Empfangsbereich ist mit gemütlichen Sofas bestückt. Über eine wunderbare alte Eichentreppe geht es hinauf zur Beletage. Dort befinden sich die »Chambres d’Hôtes«, wie die freundliche, angenehm zurückhaltende Hausherrin ihre Gästezimmer nennt. In den hübschen Räumen, gestrichen in Petrolblau, Pflaumenrot und Resedagrün, tragen die Sessel französische Stoffbezüge; die antiken Möbel sind aus Birkenholz. Unvergleichlich ist der Ausblick auf den Park mit seiner Blutbuche, den alten Eichen und Linden.

Unwillkürlich zieht es einen hinaus ins Grün, wo man durch den Gemüsegarten schlendert, vorbei an Spinat und Weintrauben, Erdbeeren und Spalierobst. Bis sich in der Nase ankündigt, was ein paar Schritte weiter die Sinne berauscht: ein Garten voller David-Austin-Rosen, 10.000 Pflanzen, 250 Sorten. Aus ihnen kocht Sonja Forytta das Rosengelee, das sie am Morgen zum Frühstück reicht. Danach geht’s mit dem Fahrrad zum Mühlensee. Frösche quaken, durch die Baumkronen rauscht der Wind. Der Duft der Rosen aber weicht dem Ausflügler lange nicht aus der Nase.

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Leserkommentare
  1. 9. Schön

    Fam. Forytta war/ist dort offensichtlich mit viel liebe zum Detail fleissig. Wäre ich ein anderer Typ Mensch, mit fester Arbeit, dass eine oder andere Wochenende täte ich dort gern relaxen. Denke, 95.- ist ein wirklich akzeptabler Gegenwert für das Gebotene. Es ist schlicht "Schön" dort.

    Wünsche viel Erfolg.

    Eine Leserempfehlung
  2. und dann noch aussteiger und nicht aussteger.....wenn ich so emozional bin....neeeeee

  3. Ich bewundere Leute, die Geschmack und Bildung ( und natuerlich auch Geld ) haben und solche Projekte verwirklichen. Werde mir eine Notiz machen und dann mal eine Nacht reservieren. Auf meinen Reisen versuche ich immer, in SQH ( small quality hotels ) abzusteigen. In England gibt es auch wuenderschoene Sachen in kleinen Orten.
    95 euro halte ich fuer angebracht. Man goennt sich ja sonst nichts. Wenn man die nicht hat, ok dann eben Zelten.

    Eine Leserempfehlung
  4. Herzlichen Dank an die Zeit-Redaktion für die Empfehlung Schloss Marihn. Es ist so aufwendig, die Perlen unter den Logis-Angeboten auf eigene Faust zu finden... Wir sind dem Tip aus der Zeit-Beilage nach Marihn gefolgt und haben den Aufenthalt enorm genossen!
    Klar, wer weltanschauliche Probleme mit Herrenhäusern hat (s.o.) sollte dieselben und ihre Liebhaber weiträumig umfahren. Für alle anderen sei die Empfehlung von Herzen bekräftigt!

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  • Schlagworte Mecklenburg-Vorpommern | Hotel | Reise | Tourismus
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