Kasper RorstedEin Mann wie eine Maschine

Kasper Rorsted hat den Familienkonzern Henkel jünger, internationaler und erfolgreicher gemacht. Und welchen Preis zahlt er dafür? von 

Kasper Rorsted könnte jetzt an seinem Schreibtisch in der Düsseldorfer Henkel-Zentrale sitzen. Sich von seiner Assistentin einen Espresso bringen lassen, einen doppelten, wie er ihn gerne trinkt, und sich zum Chef der türkischen Niederlassung durchstellen lassen. Fragen, wie die Geschäfte in der Türkei so laufen. Dann könnte Rorsted das bunte Plastik auf dem Fenstersims betrachten, die Persil-Flasche, den Pritt-Stift, das Fa-Körperspray, lauter Henkel-Produkte, und das Gefühl genießen, über ein globales Markenimperium zu herrschen. 47.000 Mitarbeiter. 15,6 Milliarden Euro Umsatz, 85 Prozent davon im Ausland. Doch Rorsted herrscht nicht. Er geht hin.

An einem warmen Septembertag steht er in einem Istanbuler Einkaufszentrum und fragt Männer in schwarzen Anzügen, wie sie ihr Deodorant auftragen. Die Henkel-Manager schauen irritiert, aber antworten der Reihe nach: »Spray.« – »Roller.« – »Spray.« – »Spray.« Zum Schluss deutet Rorsted auf sich selbst und sagt: »Stift.« Der Marktleiter von Migros, dessen Körperspraysortiment die Delegation begutachtet, hat ihm gerade erzählt, dass drei Viertel aller Kunden ihre Achseln besprühen, 20 Prozent benutzen den Roller, 5 Prozent den Stift. »Kommt ungefähr hin«, sagt Rorsted.

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Er macht sich selbst ein Bild. Deshalb ist er an den Bosporus gereist, trifft Führungskräfte, Mitarbeiter, eine Ökonomin, besucht Märkte von Metro, Praktiker, Watson und Migros, alles Abnehmer von Henkel-Produkten. 40 vollgepackte Stunden lang. »Ein globales Unternehmen wie Henkel kann man nicht von der Zentrale in Düsseldorf führen. Man muss wissen, was draußen passiert«, sagt Rorsted. Deshalb verbringt er so viel Zeit im Ausland. Rio, Shanghai, Bangkok, Dubai. Einmal reiste er sechs Wochen durch die USA, kreuz und quer, 20.000 Kilometer, ein anderes Mal tourte er durch Asien, zehn Länder in fünf Wochen. Meist reist er allein, ohne Entourage aus Referenten, nur mit zwei schwarzen Rollkoffern.

Das Persil-Reich

Die Wurzeln von Henkel reichen zurück ins 19. Jahrhundert. 1876 gründet der Unternehmer Fritz Henkel die Waschmittelfabrik Henkel & Cie in Aachen. Zwei Jahre später verlegt er die Firma nach Düsseldorf. 1907 bringt Henkel Persil auf den Markt und bewirbt es als das »erste selbsttätige Waschmittel der Welt«. In den fünfziger Jahren läuft Persil-Werbung als erster kommerzieller Spot im deutschen Fernsehen.

Heute gehört Henkel zu den 30 umsatzstärksten Dax-Unternehmen in Deutschland. Der Konzern beschäftigt 47.000 Mitarbeiter und nimmt mit Kosmetik, Waschmittel und Klebstoffen mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr ein. 85 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland, 80 Prozent der Mitarbeiter sind außerhalb Deutschlands tätig. Zu Henkel gehören neben Persil auch die Marken Schwarzkopf, Fa, Pril, Pritt, Pattex und Loctite. Bei Kleb- und Dichtstoffen, die beim Bau von Handys, Autos oder Flugzeugen zum Einsatz kommen, ist das Unternehmen weltweit führend.

1985 geht Henkel mit Vorzugsaktien an die Börse. Die Nachfahren des Firmengründers halten noch mehr als die Hälfte der Stammaktien. Im Frühjahr 2008 löst Kasper Rorsted den langjährigen Henkel-Manager Ulrich Lehner an der Konzernspitze ab. 2009 übernimmt Simone Bagel-Trah, die Ururenkelin von Fritz Henkel, den Vorsitz des Aufsichtsrats.

Dieser Manager führt anders. Aber wie?

Man muss sich Rorsted, 50, über die verschiedenen Kulturen nähern, die ihn geprägt haben. Geboren und aufgewachsen ist er als Sohn eines Wirtschaftsprofessors in Dänemark. Er spielt Handball in der Jugend-Nationalmannschaft, studiert Wirtschaft in Kopenhagen und Harvard. Später heiratet er eine Dänin, die beiden haben vier Kinder. Nach dem Studium macht Rorsted Karriere in amerikanischen IT-Konzernen, bei Oracle, Compaq, Hewlett-Packard. Er steigt schnell auf. Am Ende verantwortet er das Europageschäft von HP, 40.000 Mitarbeiter, 20 Milliarden Euro Umsatz, bis ihn die HP-Chefin feuert. Rorsted ist ein Bauernopfer, wenig später muss Carly Fiorina selbst gehen.

Den Tiefschlag deutet Rorsted später um in eine Erfahrung, die ihn antreibt. Bei Einstellungsgesprächen fragt er, ob ein Bewerber schon mal gescheitert sei. Mit einem Bruch im Lebenslauf ist man bereit, weiter zu gehen als andere, weil man es sich nicht leisten kann, noch mal zu scheitern. An einer Niederlage wächst man, so denkt Rorsted.

Leserkommentare
  1. ein Märchen der Neuzeit und das Lesen der drei Seiten hat informiert und war nicht langweilig. Trotz des trockenen Themas, toll.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...alle Achtung! Macht er das jetzt noch ein paarmal, kann er bald auf sein Deo verzichten - weil er es wegrationalisiert hat.

  3. Der Begriff ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.

    Es heißt schon seit über 100 Jahren Kunststoff.

  4. ...Manager die Erfolg haben taugen in weiten Kreisen höchtens als Feindbild. Leistung, zudem mit Erfolg gepaart, politically incorrect.

  5. Geld ist zum legalisierten Suchtmittel Nr.1 in der Welt geworden. Süchtige und Co-Abhängige geben ihre Lebenszeit (fast) dafür. Legalisierte Beschaffung=Erfolg, illegale Beschaffung= kriminell. Andersdenkende=Neider. Was für eine blinde Welt.
    Ich weiß manchmal nicht ob ich sie bemitleiden soll, wegen der Krankheit...
    oder wütend werden, weil sie es immer wieder mittels Rhetorik schaffen,
    allen Menschen zu erklären, daß es ohne Geld kein Wohlstands-Leben geben kann.
    Geborgenheit und waffenloser Frieden= WOHLSTAND.
    Geborgenheit und Frieden schaffen mittels Bildung=ERFOLG.
    Zitat Mahatma Ghandi: "Frieden ist der Weg"...dem stimme ich zu.
    Hoffentlich ist das Thema Beruf= Geldbeschaffungweg=Erfolg bald beendet.
    Sonst zerbricht es die Seelen der Menschen...befürchte ich.

  6. Kasper verhält sich, wie er erzogen wurde in der dänischen Schule und im Elternhaus.
    Jaaa keine Gefühle zeigen und jaaaa keine Regungen. Alles durchstrukturiert und gemäß Jantel-Lov (Ist kein Gesetz, sondern eine Anleitung zum Vollzug von Hackordnung in der dänischen Gesellschaft).
    Deshalb werden in der dänischen Gesellschaft manche Menschen gleicher als andere Menschen behandelt und gesellschaftlich anders (besser gestellt) anerkannt und es geht ihnen auch besser als anderen Menschen, die in der Hackordnung weiter 'unten' angesiedelt (eingenordet) werden.

    • 21trr42
    • 21. Februar 2013 13:34 Uhr

    Irgendwie klingen sie alle gleich, die erfolgreichen Manager. Sie sind natürlich allesamt ganz unglaublich kinderliebe Familienmenschen, die "Premiumzeit" mit ihrer Frau und den Kindern verbringen. Nebenbei arbeiten sie daran, ihre Marathonzeit auf unter 3:30 zu verbessern, halten 150 Vorträge pro Jahr, spielen 2 Instrumente und engagieren sich gemeinnützig. ich hab keine Ahnung, wie solche Menschen es immer wieder schaffen, derartige Märchen an Journalisten zu verkaufen. ich kenne selber viele Topmanager, und die Realität in deren Alltag sieht denkbar anders aus.

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