Investition"Mein Kartoffelacker"

Andrew Bosomworth legt für den weltgrößten Fonds, Pimco, Milliarden an. Was rät er? Und an welcher Anlage hat er Freude? von 

Zwei Damen im Garten eines Seniorenwohnheims in Lichtenberg, Berlin (Archivbild)

Zwei Damen im Garten eines Seniorenwohnheims in Lichtenberg, Berlin (Archivbild)  |  © Sean Gallup/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Bosomworth, viele Privatanleger sind ratlos, weil die Notenbanken die Zinsen niedrig halten und fast nirgends hohe Renditen zu erzielen sind. Droht uns eine Niedrigzinsära?

Andrew Bosomworth: Die aktuelle Lage ist in der Tat sehr unbefriedigend. Die Zinsen auf Anleihen sehr guter Qualität sind weltweit sehr niedrig. Wir müssen mit derart niedrigen Zinsen eher länger kämpfen.

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ZEIT: Was heißt »länger«?

Bosomworth: Drei bis zehn Jahre.

Andrew Bosomworth

Er ist Geschäftsführer des Fondsanbieters Pimco in Deutschland und wacht mit seinen Kollegen aktuell über rund 250 Milliarden Euro an Kundengeldern

ZEIT: Warum so lange?

Bosomworth: Zum einen wegen der hohen Schulden in den Industrieländern. Zum anderen weil sich das Wachstum in den Schwellenländern verlangsamen wird. Deren Exporte in die Industrieländer werden stagnieren, deshalb müssen sie ihre Binnennachfrage als Wachstumsmotor stärken – und das ist eine große Herausforderung. Der Abstand der Wachstumsraten zwischen Schwellen- und Industrieländern wird zwar bleiben, doch das Wachstumsniveau wird insgesamt niedriger ausfallen. Entsprechend sind auch die Renditechancen dauerhaft niedriger.

ZEIT: Zum Ärger über niedrige Zinsen kommt bei den Deutschen die Angst vor Inflation. Viele befürchten, dass das viele Geld der Notenbanken die Preise steigen lässt und ihr Erspartes auffrisst.

Bosomworth: Kurzfristig, in den nächsten 12 bis 36 Monaten, sehen wir kein Inflationsrisiko. Langfristig aber sind alle Zutaten dafür da: eine steigende Geldmenge, defizitäre öffentliche Finanzen und die allgemeine Erwartung, dass die Inflationsrate langfristig steigt. Daher ist der Goldpreis so hoch und der deutsche Immobilienmarkt leer gefegt.

ZEIT: Mit welcher Inflationsrate rechnen Sie?

Bosomworth: Nur zwischen zwei und fünf Prozent. Das reicht aber schon, um real, also nach Abzug der Inflation, niedrige oder negative Renditen nach sich zu ziehen. Wer heute in den Ruhestand geht und sein ganzes Leben gespart hat, der hat das Glück, lange Zeit hohe Zinsen erwirtschaftet zu haben. Wer heute 25 Jahre alt ist und jetzt erst anfängt zu sparen, hat ein Problem.

ZEIT: Was sollen die Jungen tun?

Bosomworth: Es gibt keine Antwort, die auf jeden passt. Das Alter ist wichtig, die persönlichen Verhältnisse, wie und wo man wohnt. Aber wäre ich heute um die 30, 35 Jahre alt und hätte ein wenig gespart, würde ich das Geld nutzen, um mir eine Immobilie zuzulegen, die ich selber nutze. So sichere ich mir ein Dach über dem Kopf und spare später die Miete. Das ist sinnvoller, als das Geld zurückzulegen und mühsam Anlagen zu suchen, die eine sichere und hohe Rendite bringen.

ZEIT: Auch weil man für einen Immobilienkauf Schulden aufnimmt – und Schulden durch Inflation automatisch an Gewicht verlieren?

Bosomworth: Das weniger. Inflation ist ein unterstützendes Argument, aber man sollte nicht wegen der Inflation Schulden machen.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 26. Oktober 2012 7:40 Uhr

    ...auch wenn ich die Meinung des Herrn Bosomworth nicht teile, dass das schlimmste in Europa vorbei ist.
    Vielen Dank ZO.

    • ludna
    • 26. Oktober 2012 7:54 Uhr

    (für die Rente) muss bekloppt sein.

    Das hat nichts mit niedrigen Renditen oder Inflation zu tun, sondern mit den Unwägbarkeiten des Lebens. Wer sagt uns, wie die Welt in 60 45 Jahren aussieht ? Vor 45 Jahren gab es noch Walter Ulbricht und Erich Honecker wurde der neue starke Mann der DDR. Und heute ?

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    • cubozoa
    • 26. Oktober 2012 8:10 Uhr

    Ja, was denn dann? Das Geld ausgeben und im Alter die Armut mit offenen Armen begrüßen? Von der Rente sehen wir (die wir heute Mitte 20 sind) höchstwahrscheinlich garnichtsmehr, so ist der einschlägige Tenor. Es ist so schon schwierig genug, sich in dem Alter Gedanken um die Rente machen zu müssen, aber so ein Dach überm Kopf wär mit 70 ja schon 'ne feine Sache.

    Haus bauen und Co ist auch sehr unrealistisch, wenn man am Ende des Monats nur mit Not nicht ins Minus rutscht, bei den lächerlichen Löhnen.

    Was also sollen wir Bekloppten tun um der Altersarmut zu entgehen?

    ...die beste Investition im jugendlicheren Alter ist in sich selbst und seine eigene Bildung, in sein eigenes physisches und psychisches Wohlbefinden (Freundin, Hobby) - und wenn dann noch ein paar Euro übrigbleiben kann man sich davon ja "Lügenpapier" kaufen - oder Goldklumpen. http://www.zeit.de/2012/4....

    • cubozoa
    • 26. Oktober 2012 8:10 Uhr

    Ja, was denn dann? Das Geld ausgeben und im Alter die Armut mit offenen Armen begrüßen? Von der Rente sehen wir (die wir heute Mitte 20 sind) höchstwahrscheinlich garnichtsmehr, so ist der einschlägige Tenor. Es ist so schon schwierig genug, sich in dem Alter Gedanken um die Rente machen zu müssen, aber so ein Dach überm Kopf wär mit 70 ja schon 'ne feine Sache.

    Haus bauen und Co ist auch sehr unrealistisch, wenn man am Ende des Monats nur mit Not nicht ins Minus rutscht, bei den lächerlichen Löhnen.

    Was also sollen wir Bekloppten tun um der Altersarmut zu entgehen?

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    Meinen drei erwachsenen Kindern (28,29,31) gebe ich fast täglich den Rat: Keine Schulden machen, nicht fürs Alter sparen! Der erste Rat resultiert aus der eigenen Erfahrung, wie sehr es die Lebensqualität einschränkt, ein Leben lang ein stets älter und somit desolater werdendes Gebäude abzubezahlen (bzw. und vor allem die verzinsten Schulden), der zweite Rat basiert auf einer lebensbedrohenden Krankheit, mit der ich mich mit 52 plötzlich auseinandersetzen mußte. Mein vorläufiges Lebensfazit: Keine Schulden machen, keine Angst vorm Alter haben. Einfach nur leben.

    und einfach ins Blaue hinein leben und dann plötzlich feststellen "Ups, wieso kann ich plötzlich meine Probleme nicht mehr lösen?"
    Es gibt Unwägbarkeiten im Leben, die man nicht kalkulieren kann, aber deswegen einfach blauäugig in die Zukunft gucken und unverantwortlich sein ist auch nicht die Lösung.

    • bernd64
    • 26. Oktober 2012 10:18 Uhr

    Kinder sind unsere Zukunft. Sie müssen den Wohlstand erwirtschaften, an dem wir im Alter teilhaben können,
    ob individuell oder als ganze Gesellschaft.

    Das beste was man als junger Mensch fuer die Rente tun kann ist eine Partei zu unterstuetzen oder zu gruenden, die das Umlageverfahren von Jung auf Alt unterstuetzt, und das Rentenalter an die Lebenserwartung anpasst (mehr als durchschnttlich 15 Jahre Rente ist wohl nicht drin). Alle privat-wirtschaftlichen Rentenmodelle sind viel zu sehr von Marktgegebenheiten abhaengig und sind ueber eine Dauer von 50 Jahren unknotrollierbar (wieviele Unternehmen existieren denn 50 Jahre und laenger?). Ausserdem sind diese Unternehmen in erster Linie da um sich selbst zu finanzieren (und die Aktionaere, mal ganz abgesehen von Mega-Einkommen fuer die CEOs). Da ist ein Interessens-Konflikt vorprogrammiert. Die staatlich verwaltete Umlage von Jung auf Alt ist das sicherste.

    • ludna
    • 28. Oktober 2012 10:46 Uhr

    sollte man nicht an die finanzielle Absicherung in der Rente denken. Sondern man sollte sich bilden, reisen, im Ausland arbeiten, auch Kinder bekommen. Mit den gewonnen Erfahrungen sollte es möglich ein, einen Job zu bekommen, egal wie das politische System gerade aussieht.

    Wenn man dann Anfang/Mitte 40 ist, kann man sich Gedanken um seine Rente machen (zusätzlich zur gesetzlichen Rente). Das ist noch Zeit genug. Bis dahin sollte man sein Leben nicht an Hand einer möglichen Rente in weiter Zukunft planen.

  1. ...die beste Investition im jugendlicheren Alter ist in sich selbst und seine eigene Bildung, in sein eigenes physisches und psychisches Wohlbefinden (Freundin, Hobby) - und wenn dann noch ein paar Euro übrigbleiben kann man sich davon ja "Lügenpapier" kaufen - oder Goldklumpen. http://www.zeit.de/2012/4....

    • toasted
    • 26. Oktober 2012 8:36 Uhr

    Ich weiß ja nicht was sonst so üblich ist im Alter von 30 Jahren aber ich, mitte 20, beginne gerade mein Promotion und werde mit Sicherheit nicht innerhalb der nächste Jahre genug Geld anhäufen um mir eine Wohnung zu kaufen.
    Zusätzlich bin ich mir relaiv sicher das ich im Zeitraum zwischen 30 und sagen wir mal 60 Jahren mit Sicherheit nochmal umziehen werde (muss).

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    meine Meinung was Sie machen könnten.
    1.Abwarten: Ihre Einkommenssituation werden Sie erst in ein paar Jahren abschätzen können (Promotion und daraus res. Jobs)
    Wenn Sie dann soweit sind, können Sie Ihre Altersrente planen,es ist eigentlich egal in was Sie investieren,Lebensversicherung usw. (ja meine ich ernst) Hauptsache Sie machen irgend etwas!!! Nur wer gar nichts macht landet in der Armut. Wenn Sie jetzt schon was machen wollen,schließen Sie eine Privathaftpflichtversicherung ab und suchen Sie sich eine Frau mit gutem Einkommen...

    • Maxico
    • 26. Oktober 2012 8:37 Uhr

    Statt jetzt Geld anzulegen können könne die Jungen und "Mittelalten" auch in Kinder "investieren". Wenn es davon wieder mehr gibt funktioniert unser Rentensystem wieder und wenn mans gut anstellt hat man dann später auch jemanden, der einen besucht und unterstützt. :)

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    "Wenn es davon wieder mehr (Kinder) gibt funktioniert unser Rentensystem wieder", schreiben Sie. Das halte ich für einen Trugschluss, denn woher wollen Sie wissen, dass in einem Vierteljahrhundert genug sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze für diese Kinder zur Verfügung stehen? Je größer die jeweilige Arbeitnehmerkohorte bei gleichbleibendem Qualifizierungsniveau ist, desto mehr sinkt das Lohnniveau, da die Arbeitgeber das Lohnniveau weiter drücken können. Auch darauf, dass sie später von diesen Kindern besucht und unterstützt werden, gibt es keine Garantie – um dies zu verifizieren, reicht ein Wochenendbesuch in einem x-beliebigen deutschen Altenheim.

    • claubro
    • 05. November 2012 17:34 Uhr

    Ehrlich gesagt, fällt es mir schon schwer, im Monat 50€ zurückzulegen, ein Kind wird teurer. Das Problem der Generation 25+ ist doch heute auch, dass man sich Kinder nicht leisten kann. Oder es werden von einem andere Dinge verlangt, die einer Familiengründung nicht förderlich sind.(häufiges Umziehen, kein familiären Rückhalt in der Familie, Flexibilität am Arbeitsplatz, Fernbeziehungen etc.). Aber schöner Gedanke

  2. Wir sind es gewohnt eher graduelle und langsame veränderungen unserer Gesellschaft zu erwarten. Doch das wird sich ändern. In kaum einer der analysen unserer zukunft, die durch die Presse geistern, wird in angemessener Form berücksichtigt, dass die Basis unseres Wohlstandes langsam dahinschwindet. Billige Ressourcen und unsere Energieversorgung.

    schon in 20 Jahren wird der Wachsende Eigenverbrauch in den Ölförderländern bei gleichzeitig sinkenden Förderleistungen in Europa kaum mehr Öl verfügbar machen. Was dann ? Globaler Handel mit Perdekutschen oder Fahrrädern ? WERden wir dann alternativen haben ? Wohl kaum im ausreichenden Umfang.

    Wer wirklich wissen möchte wie die Entwicklung aussehen wird, der möge wenn er mutig genug ist folgende Studie lesen:

    http://www.feasta.org/201...

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    • joefox
    • 26. Oktober 2012 9:01 Uhr

    Herkömmliches Erdöl wird in einigen Jahrzehnten vielleicht wirklich nicht mehr so üppig zur Verfügung stehen wie wir es derzeit kennen. Aber wer weiß. Das wurde vor 40 Jahren auch schon behautet.

    Aber mit Teersand, Schieferöl und Kohleverflüssigung steht Ersatz in riesiger Menge bereit. Die Gewinnung ist etwas teurer und ziemlich dreckig - aber der Ölhunger wird weiter gestillt.

  3. Meinen drei erwachsenen Kindern (28,29,31) gebe ich fast täglich den Rat: Keine Schulden machen, nicht fürs Alter sparen! Der erste Rat resultiert aus der eigenen Erfahrung, wie sehr es die Lebensqualität einschränkt, ein Leben lang ein stets älter und somit desolater werdendes Gebäude abzubezahlen (bzw. und vor allem die verzinsten Schulden), der zweite Rat basiert auf einer lebensbedrohenden Krankheit, mit der ich mich mit 52 plötzlich auseinandersetzen mußte. Mein vorläufiges Lebensfazit: Keine Schulden machen, keine Angst vorm Alter haben. Einfach nur leben.

    Antwort auf "Sondern?"
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    "Keine Schulden machen, keine Angst vorm Alter haben. Einfach nur leben."

    Vielen Dank für die Bestätigung meiner persönlichen Einstellung!

    Die Empfehlungen Ihres Kommentars zeigen, daß wir gesund und nicht alleine sind.

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