FinanzberatungBeraten und verkauft

Die Regierung will Anleger besser schützen. Aber mit dem Verbot von Provisionen tut sie sich schwer. von Daniel Schönwitz

Stellen Sie sich vor, Sie wären Berater bei einer Bank. Sie könnten Ihrem Kunden ein Produkt empfehlen, für dessen Verkauf Sie fünf Prozent Provision bekämen. Oder ein anderes, das mit 20 Prozent der vom Anleger investierten Summe lockt. Sicher, dies ist riskanter als das erste. Andererseits müssen Sie strenge Verkaufsvorgaben erfüllen. Wie entscheiden Sie sich?

Viele Bankberater wählen die zweite Option. In den vergangenen Jahren verkauften sie massenhaft riskante Produkte, weil die hohe Provisionen brachten. Darunter waren Zertifikate der US-Pleitebank Lehman Brothers oder Beteiligungen an Schrottimmobilien genauso wie Schiffsfonds, die derzeit reihenweise in die Insolvenz rutschen. Sparer erlitten teils hohe Verluste. Die Politik ist durch die Ereignisse der Finanzkrise aus jahrelanger Lethargie erwacht und hat eine Reihe von Anlegerschutzgesetzen erlassen. So müssen etwa Beratungsgespräche inzwischen protokolliert werden, und Kunden bekommen Produktinformationsblätter ausgehändigt.

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Doch das sind letztlich nur kleine Fortschritte, solange das Übel nicht an der Wurzel gepackt wird: dass nämlich Banken und Finanzvertriebe für den Verkauf bestimmter Produkte Geld kassieren – und sie deshalb der Versuchung unterliegen, das Produkt mit der höchsten Provision zu empfehlen und nicht eines, das für den Kunden am besten passt. Die Finanzlobby kämpft dafür, diesen Status quo zu erhalten.

Die Hoffnungen von Anlegerschützern ruhen deshalb auf einem neuen Gesetzentwurf, den die Bundesregierung für November angekündigt hat. Mit den erwarteten Regeln wollen die Koalitionäre die provisionsgetriebene Anlageberatung zurückdrängen und die Honorarberatung stärken, bei der Banken und Finanzberater direkt vom Kunden bezahlt werden und somit nicht mehr provisionsstarke Produkte auswählen müssen, um ordentlich Geld zu verdienen.

Doch schon jetzt spricht vieles dafür, dass die Hoffnungen enttäuscht werden. Denn ein radikaler Schnitt in Form eines Provisionsverbots, wie es Großbritannien und die Niederlande 2013 einführen, steht nicht mehr zur Debatte. Ziel sei es lediglich, die Honorarberatung »als Alternative zum Provisionsmodell« zu etablieren, heißt es. Verbraucherschützer kritisieren das Vorhaben deshalb als halbherzig. »Ein Provisionsverbot ist der einzige Weg, um Fehlanreize zu beseitigen«, sagt Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

Tatsächlich lesen sich die vom Verbraucherschutzministerium veröffentlichten Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung des Berufsbildes der Honorarberatung, auf denen das neue Gesetz basieren soll, nicht wie ein großer Wurf.

So geht es etwa darum, welche Honorarberater sich »Finanzberater« nennen dürfen und wer lediglich »Versicherungs-«, »Anlage-« oder »Darlehensberater« heißen darf. Ministerialbeamte beschäftigen sich mit technischen Details zur erforderlichen Sachkunde eines Beraters, zur steuerlichen Absetzbarkeit von Honoraren und zu den Dokumentationspflichten. Mit dem Gesetz wird die Bundesregierung also vor allem das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich definieren, statt die Provisionspraxis zu begrenzen.

Leserkommentare
    • Slater
    • 30. Oktober 2012 10:46 Uhr

    manche Beschwerden kann man damit abwickeln,
    aber nicht wenn Oma Xy ihre 10.000 Euro für 5 Jahre zu 1% auf dem Sparbuch legt oder zu 2% 'Anlage' überredet wird,
    dann kann man maximal von Deutschen Bundesanleihen reden,

    alles andere, selbst sicherste Firmenanleihen mit 100% Verlustmöglichkeit, sind nicht akzeptabel, und es wurde auch nicht so aufgeklärt

    abgesehen davon kann man eine Investmentbank, die z.B. mal eben 2007 für 22 Milliarden US-Dollar Wohnungen kauft,
    nicht mit einem soliden Unternehmen wie Coca Cola, Volkswagen oder Siemens vergleichen, welche echte Güter produzieren/ verkaufen, allein mit ihren Marken fast unvergängliche Werte haben

    vor der Krise mag eine solche Pleite für den Laien undenkbar gewesen sein, wer weiß, aus heutiger Sicht für manche schwer objektiv zu beantworten,
    Banker müssen aber objektiv zwischen reinen Zocker-Papieren und normalen Firmen unterscheiden können, oder zumindest zugeben dass sie selber blind sind

    Antwort auf "schlaue Sprüchlein"
  1. Dann lobe ich mir doch meinen Honorarberater bei dem ich seit einiger Zeit Kunde bin. Durch die Kostentransparenz und die Unabhängigkeit von Bankprodukten stellt er meine Ziele in den Vordergrund. Einen tollen Fund habe ich mit dem Honorarberaterverzeichnis http://www.bundesweitefin... gemacht bei denen Honorarberater auf einer Deutschlandkarte zu sehen sind. Außerdem veröffentlichen diese Meinungen zu aktuellen Finanzthemen bei denen man den passenden Berater für einen selber herausfinden kann.

  2. Was da bundesweit gelaufen ist und weiter läuft ist unfassbar!
    http://www.schrottimmobil...
    http://www.kanzlei-steinw...

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