Es ist eine Frage, die praktisch alle Frauen in der zweiten Lebenshälfte beschäftigt: Sollten sie nach der Menopause vorbeugend Hormone einnehmen, um Wechseljahrsbeschwerden, Knochenschwund, Herzversagen oder einen Herzinfarkt zu vermeiden? Oder steigt dabei die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden oder an Brustkrebs, Venenthrombose oder Lungenembolie zu erkranken, so erheblich, dass sich die Behandlung verbietet?

Eine neue dänische Studie kommt zu dem Schluss, dass die Hormonbehandlung – richtig angewandt – positive Effekte haben könne. Sie verringere die Gesamtsterblichkeit sowie die Gefahr für eine ganze Reihe schwerwiegender Erkrankungen, ohne dabei andere Risiken, zum Beispiel für Krebs, zu erhöhen. Eine Neubewertung der Hormonersatztherapie deutet sich an.

Die vorbeugende Behandlung mit Sexualhormonen (Östrogenen und Gestagenen) war früher populär, dann zunehmend umstritten. Kritiker wandten ein, normale Alterserscheinungen würden zur Krankheit erklärt, um damit Geschäfte zu machen. Gleichwohl schluckten noch um die Jahrtausendwende vier bis fünf Millionen Frauen in Deutschland Hormonpräparate – vor allem als Schutz vor einem durch den Hormonabfall in den Wechseljahren eingeleiteten Knochenschwund (Osteoporose).

Doch im Jahr 2002 geriet die vorbeugende Behandlung in Verruf. Die amerikanische Women’s Health Initiative (WHI), eine große Studie an weit über 16.000 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren zur Wirksamkeit des Hormonersatzes nach den Wechseljahren, wurde wegen verheerender Zwischenergebnisse abgebrochen. Zwar hatten die Hormone die Knochen vor Frakturen geschützt, doch die hormonbehandelten Frauen hatten einen hohen Preis dafür gezahlt: Unter ihnen schnellten die Fallzahlen für Venenthrombosen, Lungenembolien, Herzinfarkte und Schlaganfälle in die Höhe. Besonders alarmierend war der drastische Anstieg bei den Neuerkrankungen an Brustkrebs.

In der Folge verringerte sich die Zahl der Hormonverordnungen deutlich. In den Vereinigten Staaten betrug das Minus fast 40 Prozent, in Deutschland ein Drittel. Prompt sank zwischen 2002 und 2003 die Zahl der diagnostizierten Brustkrebsfälle in den USA. Bei Frauen über 50 registrierte man fast zwölf Prozent weniger Neuerkrankungen. Bei jüngeren Frauen dagegen, die praktisch nie mit Hormonen behandelt werden, änderte sich die Zahl der Erkrankungen kaum. Auch deutsche Krebsregister im Saarland und in Schleswig-Holstein verzeichneten einen abrupten Rückgang von Brustkrebsfällen. Die krebsfördernde Wirkung der Hormonersatztherapie könne damit praktisch als bewiesen gelten, folgerten US-Forscher um Donald Berry 2006 im New England Journal of Medicine.

Es war womöglich ein voreiliges Fazit.

Im British Medical Journal veröffentlichten jetzt dänische Forscher um Louise Lind Schierbeck neue Ergebnisse. Auch die Dänen hatten unter dem Eindruck der WHI-Untersuchung ihre Studie nach zehn Jahren Laufzeit abgebrochen. Doch Lind Schierbeck verfolgte die Krankengeschichten der 1.006 Teilnehmerinnen über weitere sechs Jahre. Ihre Ergebnisse waren unerwartet positiv. In den insgesamt 16 Jahren Beobachtung waren unter den 504 hormonbehandelten Frauen nur 27 Todesfälle aufgetreten, in der Kontrollgruppe hingegen 40 Todesfälle. In der Placebogruppe wurden vermehrt tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert, in der Hormongruppe seltener Brustkrebs. Auf den ersten Blick stellen diese Ergebnisse die Resultate der WHI-Studie auf den Kopf.