Elba : Blaues Wunder

Glasklares Meer, mediterranes Zimmer, und das Obst kommt aus dem eigenen Garten: Im Hotel Ilio auf Elba ist Luxus ganz einfach.
Das Hotel Ilio liegt nur 100 Meter vom Strand von Capo Sant'Andrea entfernt.

Es ist viel zu heiß! Und ganz schön weit! Aber fest steht: Wir kommen wieder.

Von Hamburg sind wir nach Pisa geflogen, haben ein kleines Auto gemietet, sind ein Stündchen bis zum Hafen von Piombino gefahren, dann auf die Fähre, zehn Kilometer in einer halben Stunde – und runter in Portoferraio. Elba!

Wir sind aber noch nicht da.

Also weiter über Berg und Tal, durch Haarnadelkurven und entlang steiler Klippen. Das Meer, Wahnsinn! Die Fahrerin wird ermahnt: Nicht gucken, aufpassen! Tollkühne Vespa-Fahrer überholen uns, Kräuter und Beeren säumen die Küstenstraße; hoch an den Bergen kleben uralte Dörfer in Rosa oder Weiß, und überall: der würzige Duft von Pinien. Irgendwann geht es rechts hinunter nach Capo Sant’Andrea, ein kleiner Weg führt zum Hotel Ilio. Nur noch 100 Meter, und wir stünden im Meer.

Das war schon mal eine traumhafte Fahrt, und jetzt gibt es etwas zu trinken, Maurizio Testa, Besitzer des Hotels, ist so freundlich. Er ist ein hochgewachsener Mann, Mitte/Ende 40, mit blankem Schädel und sehr aufmerksamen Augen, informell gekleidet, aber erlesen, italienisch eben. Er und sein Hotel, werden wir schnell feststellen, passen gut zusammen: In der Einfachheit steckt Gediegenes, im Modernen Althergebrachtes und Bodenständiges.

20 Zimmer mit 47 Betten, verstreut auf drei Häuser – und kein Zimmer gleicht ganz dem anderen. Es gibt die »Camere Bougainvillea« mit Himmelbett – eine kleine Konzession des Hausherrn, wie es scheint (»Frauen mögen es«) – und die »Camere Toscana« im Haupthaus über der Frühstücksterrasse. Am günstigsten sind die »Camere Verde« im Gartengebäude, mit einer Wand, in sanftem Grün gewischt, einem Doppelbett mit fein geschmiedetem Kopfteil und mediterraner Tagesdecke über weißen Laken und gleich dahinter eine gewitzte Wandkonstruktion statt eines Schranks. In allen Zimmern fächelt und säuselt ein Ventilator unter der Decke, Energie spendet hier übrigens die Sonne, und auch, was es an »Schmuck« gibt, stammt von hier: vom Meer angeschwemmtes, ausgeblichenes Baumholz, eine Schale aus Olivenholz, ein alter toskanischer Schrank, ein Bord aus dem Holz der Weinfässer des Großvaters, ein Stück altes Gemäuer.

Der Großvater hatte Wein angebaut, der einst mit Segelschiffen aufs ligurische Festland gebracht wurde. Er hütete den einzigen Enkel, als die Eltern im Haus am Meereshügel erst eine Gastwirtschaft eröffneten und später, 1959, ein kleines Hotel; es wurde nach Ilio, dem Großvater, benannt. Nach der Schule half Maurizio natürlich im Familienbetrieb, kümmerte sich um den Garten, putzte die Zimmer, räumte den Keller auf, spülte das Geschirr. Vor 15 Jahren hat er alles übernommen. Die Großeltern sind längst gestorben, die Mutter sitzt manchmal freundlich lächelnd vor dem Eingang des Hotels und genießt das Meer. Maurizio trinkt hier frühmorgens seinen Cappuccino, und wenn die Gäste auf der Terrasse Platz nehmen, ist er bereits in Aktion. Plant Veränderungen wie An- und Ausbauten, die dann außerhalb der Saison umgesetzt werden. Zudem lehrt er an toskanischen Marketingschulen, schreibt Bücher zum Thema und berät Familienbetriebe aus der Hotelbranche.

»Von seinem Unternehmergeist haben wir alle etwas«, sagt Andrea, der vor elf Jahren im Dorf, das im Winter nicht einmal hundert Bewohner hat, eine Tauch- und Schnorchelschule aufmachte. Mit ihm aufs Meer hinauszufahren ist ein schönes Erlebnis. Seine Gäste werden umsichtig betreut, wenn sie bei einem Wrack tauchen oder eine Höhle in den wundersamen Granitfelsen erkunden. Und hat er nicht eine einleuchtende Philosophie für seine Schüler erdacht? »Try to be a drop of water!« Nicht nur bei ihm bekommen Gäste aus dem Ilio einen Rabatt, auch auf Leandros betagtem Schiff für etwa 20 Gäste, mit dem wir von der Nordwestspitze Capo Sant’Andrea einen ganzen Tag lang um die Westküste schippern mit lauter freundlichen und entspannten Italienern. Ab und zu springen wir ins unglaublich klare Meer – die Kinder von der Reling hinunter –, schnorcheln, tauchen und trinken später Wein aus Pappbechern.

Was für ein schöner Tag! Verabschiedet wird er wie alle Tage mit einem Menü all’italiana/elbana, an dem rein gar nichts auszusetzen ist. Alle Zutaten kommen aus dem Meer, dem Garten, dem Wald, es duftet, sieht hübsch aus und schmeckt prima. Dazu elbaischen Wein, nach den Vorgaben des Hoteliers hergestellt. Espresso und Grappa auf der Terrasse, plauschen, Karten spielen und sich wieder auf die Brombeeren zum Frühstück freuen, die der Gärtner frisch gepflückt hat.

Am kleinen Strand von Capo Sant’Andrea ist es morgens um halb sieben ganz still. Zwei Angler auf dem Felsen, der Müllmann hat noch zu tun, dabei blitzt schon alles. Im Strandrestaurant Le Sirene fegt die Großmutter, bevor die ganze tüchtige Familie antritt, um die leckersten Bruschette und Panini zu servieren. Auf der Mole stapeln sich die Kajaks, in der Bucht schaukeln Dingis und kleine Motorboote. Keine Abramowitsch-Jachten weit und breit.

Ja, wir kommen wieder, im Mai, Juni oder September – dann wandern wir vielleicht sogar. Und nähern uns eventuell ein bisschen schneller: Eine kleine Fluggesellschaft gibt es, die einen zum Beispiel in Zürich oder München aufpicken und direkt nach Elba bringen kann, Maurizio Testa hat auch mit ihr einen Deal – zum Segen seiner Gäste.

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