Die Frage: Agnes ist drei Jahre älter als Jochen und hat eine Tochter. Ein Jahr lang sind sie zusammen gewesen, dann hat sich Agnes von Jochen getrennt. Sie fühlte sich von seinen Wünschen eingeengt. Sie seien gar nicht richtig getrennt, findet Jochen. Sie treffen sich alle paar Wochen und schlafen dann auch miteinander. »Ich mag dich ja immer noch!«, sagt Agnes, sie will aber keine feste Beziehung mehr und lernt auch andere Männer kennen.

Wenn Jochen das bemerkt, wird er wütend, er macht ihr Vorwürfe und behauptet, Agnes nutze ihn aus. Sie möchte ihn trotzdem gern weiterhin sehen. Soll sie ihn nicht mehr anrufen, nur weil er sich in der schwächeren Position fühlt?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es spricht für die Macht der erotischen Anziehung zwischen den beiden, dass sie immer wieder zusammenkommen, obwohl sie sich nicht darauf einigen können, was das bedeutet. Für Agnes ist es jedes Mal nur ein schöner Abend und vielleicht eine aufregende Nacht, nicht mehr. Für Jochen heißt es, dass sich Agnes besonnen hat und wieder will, was er nicht aufgehört hat zu wollen: eine feste Beziehung.

Da sich hier zwei Erwachsene begegnen, muss Agnes nicht aufhören, Jochen anzurufen. Eine glatte Lösung gibt es nicht – wenn Agnes Jochen ihre Wünsche erspart, behandelt sie ihn wie ein Kind; wenn sie ihn trifft, mutet sie ihm zu, mit vorhersehbaren Kränkungen fertigzuwerden.