LiebeskolumneDarf sie ihm ihre Wünsche zumuten?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Darf sie ihn anrufen, auch wenn er in einer schwächeren Position ist? von Wolfgang Schmidbauer

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Die Frage: Agnes ist drei Jahre älter als Jochen und hat eine Tochter. Ein Jahr lang sind sie zusammen gewesen, dann hat sich Agnes von Jochen getrennt. Sie fühlte sich von seinen Wünschen eingeengt. Sie seien gar nicht richtig getrennt, findet Jochen. Sie treffen sich alle paar Wochen und schlafen dann auch miteinander. »Ich mag dich ja immer noch!«, sagt Agnes, sie will aber keine feste Beziehung mehr und lernt auch andere Männer kennen.

Wenn Jochen das bemerkt, wird er wütend, er macht ihr Vorwürfe und behauptet, Agnes nutze ihn aus. Sie möchte ihn trotzdem gern weiterhin sehen. Soll sie ihn nicht mehr anrufen, nur weil er sich in der schwächeren Position fühlt?

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es spricht für die Macht der erotischen Anziehung zwischen den beiden, dass sie immer wieder zusammenkommen, obwohl sie sich nicht darauf einigen können, was das bedeutet. Für Agnes ist es jedes Mal nur ein schöner Abend und vielleicht eine aufregende Nacht, nicht mehr. Für Jochen heißt es, dass sich Agnes besonnen hat und wieder will, was er nicht aufgehört hat zu wollen: eine feste Beziehung.

Da sich hier zwei Erwachsene begegnen, muss Agnes nicht aufhören, Jochen anzurufen. Eine glatte Lösung gibt es nicht – wenn Agnes Jochen ihre Wünsche erspart, behandelt sie ihn wie ein Kind; wenn sie ihn trifft, mutet sie ihm zu, mit vorhersehbaren Kränkungen fertigzuwerden.

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Leserkommentare
    • E.Wald
    • 23. Oktober 2012 0:16 Uhr

    würde ich mich bei den nächsten Anrufen mit Agnes treffen und dann jedes Mal kurz vor dem Sex gehen, um die Nacht mit einer (gern auch fiktiven) Freundin zu verbringen. Kann mir kaum vorstellen, dass Agnes das einfach so schluckt; so wie die Geschichte beschrieben ist, genießt sie mMn nicht nur den Sex, sondern vor allem die Asymmetrie der Beziehung.

    Ansonsten kann man Jochen nur raten zu gehen, Liebe wird er von Agnes nicht bekommen.

    • KarlK
    • 05. Dezember 2012 12:27 Uhr

    Für mich lautet der Schlüsselsatz: "Sie sind beide erwachsen". Daher ist anzunehmen, dass beide in der Lage sein sollten, ihre Bedürfnisse zu kennen, ihre Erwartungen aneinander zu formulieren und die Basis zu finden, die ihrer aktuellen Beziehung entspricht.
    Keiner muss für den anderen mitdenken, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wenn Jochen merkt, dass ihm die von Agnes angebotene eingeschränkte Beziehung nicht guttut, kann er sie von sich aus beenden. Agnes muss nicht vorauseilend Jochen vor Schaden bewahren - sie ist nicht seine Mutter, und Jochen ist alt genug für sich zu sorgen.

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  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Beziehung | Erwachsene
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