LuftfahrtVoll auf Kurswechsel

Die Lufthansa setzt beim Sparen ganz auf ihre lange ungeliebte Billigtochter Germanwings. von Philip Kovce

Passagiere am Flughafen Berlin-Schönefeld

Passagiere am Flughafen Berlin-Schönefeld  |  © Adam Berry/Getty Images

Der Lufthansa-Kranich wird künftig seltener zu sehen sein, der konzerneigene Flieger mit dem Logo von Germanwings dafür häufiger. Die silbernen Jets mit dem gelb-rot lackierten Heck sollen von 2013 an alle innerdeutschen und europäischen Verbindungen übernehmen, die nicht über die Drehkreuze abgewickelt werden, kündigte Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz an. Während Germanwings sein Angebot entsprechend ausweitet, werden die LH-Maschinen nur noch in Frankfurt und München sowie am Langstreckenstandort Düsseldorf ihre Lufthoheit behaupten.

Das erklärte Ziel sind Einsparungen beim Personalaufwand. Denn die Lufthansa sieht sich erheblichem Kostendruck ausgesetzt. Seit Jahren schon gleicht sie ihre Verluste aus dem Europageschäft mit Überschüssen aus dem Überseeverkehr aus. Da die arabische und asiatische Konkurrenz mit geringeren Kerosin- und Personalkosten hier allerdings wächst, kann sich die Lufthansa ihre Defizite in Europa nicht länger leisten. Auf dreistellige Millionenbeträge belief sich das europäische Minus zuletzt.

Anzeige

»Günstig, aber nicht billig« werde dagegen das neue Germanwings-Angebot sein, verspricht Franz; ein Angebot, mit dem ausgerechnet die lange ungeliebte Billigtochter den Mutterkonzern aus der Krise fliegen soll. Für Franz gibt es dazu keine bessere Alternative: Man hätte sich wie British Airways ganz aus der Fläche zurückziehen können – schließlich seien die Briten als eine Art »Heathrow-Airways« nur noch auf Londons größten Flughafen konzentriert. Doch dabei »würden wir bestimmte Märkte unseren Wettbewerbern überlassen müssen«. Und genau diese Märkte will die Lufthansa nicht kampflos an Air Berlin, EasyJet oder Ryanair abtreten. Im Gegenteil: Spätestens 2015 soll mit dem neuen Geschäftsmodell ein operativer Gewinn in Europa erzielt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich einiges verändern: Zunächst sollen 35 Lufthansa-Jets zu Germanwings verlagert werden. Außerdem werden 23 Maschinen der Tochter Eurowings für die in Köln ansässige Schwester an den Start gehen. Diese soll 2013 mit dann 90 Flugzeugen rund 18 Millionen Passagiere befördern. Zum Vergleich: 2011 operierte Germanwings mit 32 Maschinen und zählte 7,8 Millionen Fluggäste.

Brisanter als der Flottenumbau sind die Änderungen in der Personalstruktur. Für rund 1.000 Flugbegleiter und 300 Piloten, die Franz zufolge zu Germanwings wechseln sollen, droht der Kurswechsel ungünstig auszufallen. Von lebenslangen tariflichen Gehaltssteigerungen bis auf Akademikerniveau wie bei der Lufthansa können Flugbegleiter bei Germanwings nur träumen. Und auch Piloten müssen dort für das gleiche Geld deutlich länger fliegen.

Während ver.di und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit die Lufthansa-Pläne zunächst abwartend kommentierten, ging die Kabinengewerkschaft Ufo bereits auf die Barrikaden. »Ganz neues Erpressungspotenzial« sieht der Ufo-Chef Nicoley Baublies in dem Lufthansa-Vorstoß. Davon will Lufthansa-Chef Franz allerdings nichts wissen. Man werde den betroffenen Mitarbeitern neben dem Wechsel zu Germanwings auch einen möglichen Arbeitsplatz beim Lufthansa-Drehkreuzverkehr anbieten, so Franz.

Ein Rätsel bleibt zunächst, welcher Service Germanwings-Kunden in Zukunft erwarten wird. Wobei klar sein dürfte: Mehr kostet weiterhin mehr. Schon heute können Reisende wählen, ob ihnen der Flug mit Handgepäck genügt oder ob sie einen Koffer aufgeben und sich Essen und Getränke servieren lassen wollen. Mehr Beinfreiheit gibt es ebenfalls – für mehr Geld.

Auf eines werden Passagiere bei Germanwings definitiv verzichten müssen: »Es wird dort keine Businessclass geben«, betont Franz. Vergrault sich die Lufthansa damit ihre potentere Klientel? »Nein«, meint Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. »Da das Reiseverhalten der meisten Kunden sehr preisbezogen ist, gibt es praktisch keinen anderen Weg als den, den die Lufthansa geht, um konkurrenzfähig zu bleiben.« Damit steht am Ende wohl ein Angebot, das Germanwings-Plus mehr ähneln wird als einer Lufthansa-Light.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • L0rdi
    • 28. Oktober 2012 16:47 Uhr

    sollte eventuell einmal in die kollektive Arbeitslosigkeit geschickt werden. Es ist erstaunlich, mit welcher Ausdauer hier die wirtschaftliche Lage eines Konzerns in internationalisiertem Wettbewerb ignoriert wird. Ich bin keineswegs Verfechter von Dumpinglöhnen, aber das Ignorieren marktgegebener Realitäten führt nicht in die Glückseligkeit der Mitarbeiter sondern in den Konkurs und die Massenarbeitslosigkeit.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wotcom
    • 28. Oktober 2012 17:21 Uhr

    und beten Sie die Religion von Markt und Globalisierung. Amen. Und bitte nicht anfangen zu denken.

    • mussec
    • 28. Oktober 2012 17:26 Uhr

    dass man bei Germanwings immernoch genug Geld verdient.
    Die UFO ist eben eine Gewerkschaft der sehr gut bezahlten Angestellten.
    Nicht umsonst hat man sich von der Gewerkschaft getrennt, die das Bodenpersonal vertritt.

    Die Verdi kann bei den Forderungen der UFO doch nur weinen.
    Während sich die Verdi gegen wirkliche Dumpinglöhne wehrt, versucht die UFO die überbezahlten Jobs eniger weniger aufrecht zu erhalten.

    Auch wenn es selbstverständlich weitaus überbezahltere Jobs gibt.

  1. nicht die Lufthansa selbst auf der Strecke. Vom Verbraucher ein gewisses Vertrauen entgegenzusetzen ist falsch der schaut nur noch billig.

    Die billige Fliegerei allgemein sollte zumindest in Europa abgeschafft werden. Luftverschmutzung und Lärm würden reduziert.

    Und das Bewustsein das Fliegen etwas Besonderes ist bei den Angeboten der Gesellschaften doch schon längst verschwunden.

    Viel mehr heißt es heute, ist billiger als mit der Bahn.

    • wotcom
    • 28. Oktober 2012 17:21 Uhr
    3. FASELN

    und beten Sie die Religion von Markt und Globalisierung. Amen. Und bitte nicht anfangen zu denken.

    Antwort auf "Die Ufo"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • L0rdi
    • 28. Oktober 2012 17:50 Uhr

    ich bin durchaus denkbegabt. So denkbegabt, dass ich erkenne, dass eine einzelne nationale Gewerkschaft keine global wirkenden Mechanismen in einem internationalen Geschäft brechen kann, selbst wenn diese falsch sind. Diese Baustelle löst man - falls sie lösbar ist - an anderen Stellen. Aber Selbstzerstörung und Fundamentalopposition erscheinen mir ... wie war das wort, genau: unüberlegt.
    Aber zitieren wir doch mal, weil es so gut passt:
    "Und sie sägten an den Ästen, auf denen sie saßen,
    und schrien sich ihre Erfahrungen zu, wie man besser sägen könne,
    und fuhren mit Krachen in die Tiefe
    und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe und sägten kräftig weiter" (Haindling - Höhlenmalerei)
    Viel Spaß dabei :)

    • mussec
    • 28. Oktober 2012 17:26 Uhr

    dass man bei Germanwings immernoch genug Geld verdient.
    Die UFO ist eben eine Gewerkschaft der sehr gut bezahlten Angestellten.
    Nicht umsonst hat man sich von der Gewerkschaft getrennt, die das Bodenpersonal vertritt.

    Die Verdi kann bei den Forderungen der UFO doch nur weinen.
    Während sich die Verdi gegen wirkliche Dumpinglöhne wehrt, versucht die UFO die überbezahlten Jobs eniger weniger aufrecht zu erhalten.

    Auch wenn es selbstverständlich weitaus überbezahltere Jobs gibt.

    Antwort auf "Die Ufo"
    • L0rdi
    • 28. Oktober 2012 17:50 Uhr

    ich bin durchaus denkbegabt. So denkbegabt, dass ich erkenne, dass eine einzelne nationale Gewerkschaft keine global wirkenden Mechanismen in einem internationalen Geschäft brechen kann, selbst wenn diese falsch sind. Diese Baustelle löst man - falls sie lösbar ist - an anderen Stellen. Aber Selbstzerstörung und Fundamentalopposition erscheinen mir ... wie war das wort, genau: unüberlegt.
    Aber zitieren wir doch mal, weil es so gut passt:
    "Und sie sägten an den Ästen, auf denen sie saßen,
    und schrien sich ihre Erfahrungen zu, wie man besser sägen könne,
    und fuhren mit Krachen in die Tiefe
    und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe und sägten kräftig weiter" (Haindling - Höhlenmalerei)
    Viel Spaß dabei :)

    Antwort auf "FASELN"
  2. "Während Germanwings sein Angebot entsprechend ausweitet, werden die LH-Maschinen nur noch in Frankfurt und München sowie am Langstreckenstandort Düsseldorf ihre Lufthoheit behaupten." oder zumindest missverständlich. Es wird nämlich auch in Zukunft noch jede Menge Lufthansa Flugzeuge in jeder Menge europäischer und deutscher Flughäfen geben. Nämlich alle die, die von Irgendwo nach Frankfurt oder München (und zurück) fliegen.

    Es geht nur um die dezentralen Flüge, also die, die zwischen Irgendwo und Irgendwo (das ist alles ausser Frankfurt und München) verkehren. Die Düsseldorfer "Ausnahme" bezieht sich auf die Interkontverkehre.

    Die Lufthansa hat da eine sehr kluge Entscheidung getroffen. Der Germanwings kann man aber nur wünschen, dass die nicht allzuviel - am besten garnix - an ihrem Produkt ändern müssen. Die nehmen es nämlich heute schon locker mit dem Lufthansa-Angebot auf.

  3. Also das so eine gemeine Saftschubse mal irgendwann mit ihrem Tarifgehalt das "Akademiker-Niveau" erreicht, ja das geht schon garnicht. Und dann noch womöglich ein lauer Job im innerdeutschen Luftverkehr, bei dem man abends zuhause pennen kann. Da kommen die ja noch auf die dumme Idee Kinder in die Welt setzen zu wollen...
    Und der Pilot sollen für das gleiche Geld auch viel länger fliegen. Na das dauert wohl nicht mehr lange, dann sind dort oben die Aufstocker und Nebenerwerbs-Taxifahrer unterwegs. Dann ist es nurnoch eine Frage der Zeit, bis die ersten Vögel wegen Übermüdung des Personals vom Himmel fallen.

    Die Business-Klasse braucht im innerdeutschen Luftverkehr kein Mensch. Es war immer lustig, wie die Mädels da mit ihren Wägelchen durchgeflitzt sind, um die Brötchen noch an den Mann/die Frau zu bringen, bevor der Vogel wieder zur Landung ansetzte.

  4. des Lufthansa Managements wird nun wieder mal auf dem Geldbeutel des kleinen Angestellten ausgetragen. Angefangen dabei, dass die Lufthansa die Möglichkeit eines in Europa einzigartigen 24-Stunden Drehkreuz in Sperenberg hintertrieben hat. Zeichen setzen könnte man: dem damaligen Management die Ruhezahlungen auf Null setzen und Schadenersatz verlangen und das heutige Management verdient sich auch nicht, was es sich trotzdem zuschieben lässt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Lufthansa | Flugverkehr | Luftverkehr | Unternehmen
Service