DIE ZEIT: Herr Rogg – man hört, Sie hätten in Ihrem Museum in Dresden ein Kaugummiproblem.

Matthias Rogg: Wir haben tatsächlich viele Besucher, die mit Kaugummis kommen und diese dann irgendwo hinterlassen. Das ist ärgerlich für die Putzkräfte. Aber es ist auch erfreulich!

ZEIT: Das müssen Sie uns erklären.

Rogg: Es zeigt uns, dass viele junge Leute hier sind.

ZEIT: Diese Altersgruppe ist nicht gerade die klassische Klientel für ein Haus wie Ihres...

Rogg: Wir wollen ein Museum für alle sein. Das gelingt, weil wir uns nicht festbeißen an Kriegsereignissen; weil wir nicht uniform- und technikverliebt sind. Daher kommen auch viele Frauen her. Manche sagen, sie seien bislang in militärhistorischen Museen ihrem Mann gefolgt und hätten sich gelangweilt. Hier ist das anders. Wir sind anders.

ZEIT: Zur Eröffnung wurden Sie mit Kritikerlob geradezu überhäuft. Selbst Katja Kipping, die Chefin der nicht gerade bundeswehrbegeisterten Linkspartei , war kürzlich bei Ihnen im Haus und hat danach zum Besuch bei Ihnen geraten. Verkehrte Welt?

Rogg: Das hat uns gewundert. Und sie war von dem, was sie sah, so überrascht, dass sie erst einmal gefragt hat, ob wir nicht ein Friedensmuseum seien.

ZEIT: Und, was sind Sie?

Rogg: Wir sind weder ein Kriegs- noch ein Antikriegs- oder Friedensmuseum. Das greift alles zu kurz. Militärgeschichte, wie wir sie heute verstehen, beschäftigt sich mit Gewalt in allen möglichen Facetten und Zusammenhängen – ob es nun um Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur geht. Da spielt natürlich mit hinein, warum Kriege überhaupt sein müssen, wie sie geführt und beendet werden – und wieso man sie vielleicht gar nicht hätte führen müssen.

ZEIT: Sind Sie zufrieden mit der Publikumsresonanz?

Rogg: Ja, sehr. Wir werden bald eine halbe Million Besucher zählen. Was uns besonders freut: Viele von ihnen bleiben sehr lange in der Ausstellung. Und nicht wenige sind Wiederholungstäter.

ZEIT: Stichwort Täter: Es heißt, dass sich Besucher bei Ihnen sogar schon duelliert hätten!

Rogg: Ja, da haben Leute Katzbalger und Anderthalbhänder von der Wand genommen.

ZEIT: Bitte was?

Rogg: Hieb- und Stichwaffen aus dem 16. Jahrhundert. Die waren nur festgeklemmt. Einige Besucher haben offenbar gesehen, dass man diese Klammern aufdrücken kann, haben zugegriffen und angefangen, mit den Waffen zu hantieren. Es ist so: Die meisten unserer Großexponate stehen nicht hinter Glas. Besucher sind schon in die Horch-Limousine gestiegen, das Paradefahrzeug von Charles de Gaulle. An dessen Spiegel hat sich jemand sogar mal mit einem Schraubenzieher zu schaffen gemacht. Und auch an der Station der Tiere, die im Krieg eingesetzt wurden, mussten wir das Publikum etwas zügeln. Dieser Tierparcours ist schließlich kein Streichelzoo.