PortugalOffene Gesellschaft

In der Companhia das Culturas im Südosten Portugals arbeiten Künstler und wohnen Gäste aus aller Welt. Ein Ort für Freigeister und Leute, die gerne im Freien sind von Katharina Finke

Künstler wohnen kostenlos in der Companhia das Culturas – gegen Abgabe einiger Werke.

Künstler wohnen kostenlos in der Companhia das Culturas – gegen Abgabe einiger Werke.  |  © Companhia das Culturas/PR

Der Duft von Orangenbäumen liegt in der Luft. Die Gräser auf den Hügeln ringsum flüstern im Wind. Nur leise hört man die Stimmen einer kleinen Gruppe, die vor der Sonne geschützt unter einer Pergola sitzt. Eine Frau mit grauen Locken steht auf, es ist Eglantina Monteiro, die Hausherrin: »Nennt mich einfach Tina«, sagt sie und stellt die anderen vor: ihren Mann Francisco Palma Dias und das portugiesisch-deutsche Designerpaar Álbio Nascimento und Kathi Stertzig. »Wir reden gerade über ein neues Projekt – verschiedene Korkmöbel, die wir um den Pool gruppieren wollen.«

Die Companhia das Culturas ist keine gewöhnliche Unterkunft, hier nächtigen nicht nur Touristen, sondern auch Künstler. Die können sogar kostenlos auf dem Anwesen wohnen, ein paar Monate lang. Im Gegenzug überlassen sie der Companhia eines oder mehrere Werke, die während des Aufenthaltes entstanden sind, halten einen Kurs oder treten vor den Gästen auf.

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Das alte Landgut, das Francisco Palma Dias vor einigen Jahren von seiner Familie geerbt hat, liegt am Rande des verschlafenen Ortes São Bartolomeu im Südosten Portugals. Weit weg von den überlaufenen Stränden zwischen Faro und Lagos. Aber nur eine halbe Stunde Fußmarsch vom Meer.

Befreundete Architekten haben die beiden Gebäude restauriert und weiß und blau getüncht. Im kleineren befindet sich ein Gemeinschaftsraum mit Bar, Bibliothek und einer massiven, hölzernen Olivenpresse – ein Überbleibsel des ehemaligen Bauernhofs. Das größere Gebäude ist stark verschachtelt, immer wieder biegt man um eine neue Ecke oder steht plötzlich in einem kleinen Innenhof. Die Zimmer sind schlicht. Viel Weiß, dazu unlackiertes Holz und hier und da eine unverputzte Natursteinmauer – die Companhia das Culturas legt viel Wert auf Ursprünglichkeit und Nachhaltigkeit.

Das Wasser aus Pool und Dusche wird wiederaufbereitet, der Strom stammt aus Solarzellen. Obst und Gemüse baut Eglantina Monteiro selbst an. Platz genug hat sie, zum Gut gehören 40 Hektar Wiesen und Felder. Der Gast darf gerne mithelfen bei der Oliven- oder Quittenernte – oder einfach naschen: »Gerade ist Aprikosenzeit«, sagt die Hausherrin beim Spaziergang und pflückt eine kleine orangenfarbene Frucht vom Strauch. »Probieren Sie mal!«

Companhia das Culturas

Fazenda São Bartolomeu, Rua do Monte Grande, 8950-270 Castro Marim

Tel. 00351-281956167, www.companhiadasculturas.com. DZ ab 90 Euro inklusive Frühstück

Die Begeisterung für die eigene Ernte ist auch beim Frühstück zu spüren. Jeden Morgen erklärt Monteiro, was sie serviert und woher es stammt: der frisch gepresste Saft von den Aprikosen im Garten, das Brot vom benachbarten Bauern, dazu gibt es hausgemachten Joghurt und Kürbismarmelade. Momentan bietet die Pension nur Frühstück an, doch schon bald wird man hier auch zu Mittag und Abend essen können. In naher Zukunft sollen auch noch acht Zimmer dazukommen, insgesamt 15 werden es dann sein, und ein paar Apartments für Familien. Denn seit die Companhia das Culturas vor drei Jahren eröffnete, reisen immer mehr Gäste aus der ganzen Welt an. »Den Leuten gefällt, dass sich bei uns so viele Menschen gegenseitig inspirieren«, sagt Monteiro.

Aber auch, dass man hier so gut abschalten kann: kein Fernseher, der läuft, keine Musik, die vor sich hin dudelt, und kein Handy, das klingelt. »Absolute Entschleunigung«, sagt Monteiro. Und die wirkt so nachhaltig, dass man am liebsten gar nicht mehr abreisen möchte.

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