Diese Zahlen machen schlechte Laune: 0,01 und 0,045 und 1,47. So viel Prozent Zinsen bekommt ein Anleger, wenn er deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem, zwei und zehn Jahren kauft. Wer hierzulande sein Geld vermehren will, hat es schwerer denn je.

Als wäre das nicht genug, wird auch der Staat bei der gesetzlichen Rente kürzertreten. Nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums wird das Rentenniveau wegen des demografischen Wandels so weit absinken, dass von 2030 an auch vielen Normalverdienern im Alter nur der Gang zum Sozialamt bleibt.

Minirente, Niedrigzinsen – unter den Deutschen wächst die Sorge, den Lebensabend in finanzieller Not verbringen zu müssen, und so verwundert es nicht, dass die Politik die Angst vor der Altersarmut zum Topthema gemacht hat.

Die Menschen sollen mehr privat vorsorgen, sagt die Kanzlerin.

Die Rentner sollen Zuschüsse erhalten, sagt die Bundesarbeitsministerin.

Die Löhne sollen steigen, sagen die Sozialdemokraten.

Wie lässt sich das Geld ins Alter retten – die Suche nach einer Antwort auf diese Frage beginnt mit einer verblüffenden Erkenntnis: überhaupt nicht. Das ist die Grundlage jeder erfolgreichen Altersvorsorge.

Reichtum lässt sich in einer Volkswirtschaft nicht einfach in die Zukunft überweisen. Renten eines bestimmten Jahres können immer nur aus dem in diesem Jahr erwirtschafteten Wohlstand bezahlt werden. Wenn es also in Zukunft wegen der Alterung der Gesellschaft weniger Arbeitnehmer und damit weniger Einkommen gibt, dann müssen sich die Rentner einschränken. Eine gesetzliche Rentenversicherung, die Beiträge bei den Arbeitnehmern einsammelt und an die Rentner weiterleitet, zahlt dann weniger aus.

Und die Alterung schreitet rapide voran. Deutschland ist schon heute das zweitälteste Land der Welt, im Jahr 2010 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 13,5 Prozent der Einwohner jünger als fünfzehn Jahre – weniger Junge gibt es nur noch in Japan. Damit stehen den künftigen Konsumenten »deutlich weniger Erwerbstätige gegenüber, welche die Güter und Dienstleistungen produzieren, die diese Menschen konsumieren wollen«, sagt der Münchner Rentenexperte Axel Börsch-Supan.

Wenn die deutsche Wirtschaft also langsamer wächst oder sogar schrumpft, kann man weniger an die künftigen Rentner verteilen.

Dieses Problem lässt sich auch durch die private Vorsorge nicht vollständig aus der Welt schaffen. Denn wenn ein Sparer Geld zurücklegt, dann hofft er, damit in Zukunft dieses Papiergeld in Güter und Dienstleistungen umtauschen zu können. Ob das gelingt, hängt aber wieder von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Zwar können Banken und Versicherungen das Vermögen der Sparer in Regionen anlegen, in denen es mehr Junge und weniger Alte gibt als in Deutschland und in denen mehr Wachstum zu erwarten ist. Wenn die Deutschen diesen Ländern jetzt Geld zur Verfügung stellen, dann haben sie Anspruch auf die Früchte dieser Wertschöpfung im Ausland. So ließe sich die eigene Wirtschaftsschwäche zumindest zum Teil wettmachen. Experten sprechen von demografischer Arbitrage: Die Finanzmärkte ermöglichen es, das Arbeitskräftepotenzial in Staaten mit einer günstigen Altersstruktur anzuzapfen.

Viele Deutsche tun das bereits. In den vergangenen Jahren haben die Bundesbürger Auslandsforderungen in Höhe von 2790 Milliarden Euro angehäuft, Geld also im Ausland angelegt. Die Finanzkrise hat nun jedoch gezeigt, wie riskant diese Strategie ist. Denn ob die jeweiligen Länder sich an die Abmachung halten, ist alles andere als sicher. In Griechenland mussten die Deutschen bereits auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, eine Gegenleistung bekamen sie nicht.

Auch ohne Staatsbankrotte lässt sich am Kapitalmarkt derzeit wenig holen. Acht Millionen Deutsche erhalten demnächst einen Brief aus Stuttgart. Die Zahl, die darin stehen wird, sagt ihnen, wie sich die Ersparnisse ihrer Allianz-Lebensversicherung entwickelt haben. In diesem Jahr sind sie im Schnitt um vier Prozent gewachsen. Vor zehn Jahren waren es noch fast sieben Prozent. Die Allianz taxiert die Einbußen bei der privaten Altersvorsorge infolge des aktuell niedrigen Zinsniveaus in Deutschland auf insgesamt rund zwölf Milliarden Euro pro Jahr.