Journalistin Katja Eichinger"Selbstmitleid finde ich abstoßend"

Katja Eichinger hatte ihrem Mann Bernd versprochen, nach seinem Tod alles zu regeln. Das half ihr, über die Trauer hinwegzukommen. von Herlinde Koelbl

ZEITmagazin: Frau Eichinger, wissen Sie noch, welches Parfum Sie getragen haben, als Sie zum ersten Mal mit Bernd Eichinger zusammen waren?

Katja Eichinger: Damals habe ich gar kein Parfum getragen. Ich hatte damit aufgehört und habe erst wieder angefangen, als er mir eins geschenkt hat. Er kam auf einmal mit diesem Parfum, und es war interessant für mich, diese weibliche Seite an mir wiederzuentdecken. Wir haben dann immer zusammen Parfum eingekauft. Es ist ja sehr wichtig, dass der Partner das eigene Parfum mag. Ich weiß noch, dass ich mir im Mai nach seinem Tod in Cannes mein erstes eigenes Parfum gekauft habe. Das ist mir schwergefallen. Aber es war auch ein erster Schritt in ein eigenes Leben.

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ZEITmagazin: Liebte Ihr Mann es, seine Frauen zu schmücken?

Eichinger:Bernd war ein visueller Mensch. Die meisten Männer nehmen einen ja gar nicht wahr oder nur Teile von einem. Das Besondere an ihm war, dass er tatsächlich die Augen aufhatte und die Menschen wahrgenommen und vor allem auch Frauen wahrgenommen hat, weil er Frauen per se ästhetisch ansprechend fand.

ZEITmagazin: Warum waren Sie plötzlich die Richtige für ihn?

KATJA EICHINGER

41, war seit 2006 mit Bernd Eichinger verheiratet, der 2011 mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt starb. Sie ist in Kassel geboren und studierte am British Film Institute in London. Sie war Filmjournalistin und lebt heute als Autorin in München. »BE«, ihre Biografie Bernd Eichingers, ist vor Kurzem erschienen

Eichinger: Warum war er plötzlich der Richtige für mich? Das kann man ja auch fragen. Ich glaube, wir waren ähnliche Typen. Zum einen ist Kino für mich ebenfalls ein zentraler Aspekt im Leben. Außerdem war es wohl gut, dass ich bis dahin in London gelebt hatte und das ganze Bernd-Eichinger-Image nicht kannte. Er war für mich ein weißes Blatt Papier. Wir mussten uns nicht erst durch diesen ganzen Wall an Konnotationen und Gerüchten durcharbeiten. Ich fand es unwiderstehlich, mit so einem aufregenden Mann zusammen zu sein, der sich dem Alltag verwehrte und der so intensiv lebte.

ZEITmagazin: Sie haben auch mal gesagt, dass er der war, »der mich erträgt«. Warum hatten Sie das Gefühl, er müsse Sie ertragen?

Eichinger: Ich war ein harter Brocken, mit meinem Kampfgeist im Leben. Ich glaube, ich bin per se eher ein anstrengender Mensch. Vielleicht wird manchen Menschen meine Intensität einfach zu viel. Mir ist wichtig, dass man sich austauscht, er hat mich herausgefordert und ich ihn. Aber manchmal bin ich auch sehr in mich versunken und habe dann keine Lust, mich zu erklären. Bernd hat das verstanden, ihm ging es ähnlich. Wir waren beide ohne Erwartungshaltung. Unsere Ehe basierte auf unserem gemeinsamen Verständnis von Loyalität: Egal, was passiert, man gehört zusammen und vergibt einander.

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