Am Anfang stand die Idee, in einer so zielorientierten Stadt wie Zürich einen Ort zu schaffen, an dem man sich einfach trifft – auch wenn man sich nicht verabredet hat. Und nun steht seit vier Jahren täglich der »Hausgeist« an der Theke des Kafi für Dich, ein in farbenfrohe Gewänder gekleideter, ständig vor sich hin murmelnder Mann. Unweit von ihm tagt der Philosophenstammtisch, hinten im Café spielen Kinder, und oben in der Pension wohnen Menschen aus allen Ecken der Welt in Zimmern, die nicht billig aussehen, aber preisgünstig und gemütlich sind.

Man lebt in ausgesuchten Möbeln aus den fünfziger und sechziger Jahren und muss trotzdem auf einen Flachbildschirm und frei zugängliches Internet nicht verzichten. Nur die Bäder, die sich die Bewohner dreier Zimmer jeweils teilen müssen, bedürften einer kleinen Auffrischung. Aber die ist schon geplant.

Pamela Jarmuske kam 2007 von Berlin nach Zürich, sie hatte sich in einen Schweizer verliebt. Nun kümmert sie sich um die Pension, der Mann um die Geschäftsführung des Betriebs, ein Freund um das Café. Und es geht gut. Sehr gut sogar. Der Charme des Unfertigen, der im Café herrscht, kommt an. Und die Pension ist fast immer ausgebucht. Vor allem weil es so etwas sonst in Zürich kaum gibt: Zimmer, zu einem großen Teil mit Balkon und unter 100 Euro, in einem Haus in günstiger Lage, das liebevoll geführt wird. »Ich habe viel Herzblut hier reingesteckt. Und ich möchte, dass sich bei uns jeder ein kleines Zuhause in der Fremde schaffen kann. Das erfordert sehr viel Aufmerksamkeit und Pflege«, sagt die 39-jährige zweifache Mutter Jarmuske, die in einem früheren Leben Krankenschwester war.

Natürlich könnte man für so ein Angebot auch gut mehr verlangen – in Zürich, einer der teuersten Städte überhaupt, würde das nicht weiter auffallen. »Aber Teueres gibt es hier schon genug. Und für uns geht die Rechnung ja auch so auf«, sagt Jarmuske. Das ist doch mal ein Wort.