Hotels unter 100 Euro : Vier Sterne für Clint Eastwood

In der andalusischen Wüste wurden zahlreiche Western gedreht. Deshalb entstand hier das Gran Almería, ein Grandhotel nach amerikanischem Vorbild. Ein bisschen Glamour ist bis heute zu spüren.

Die Geschichte des Gran Almería beginnt mit Clint Eastwoods schlechter Laune im Jahr 1964. Sie ist deshalb so schlecht, weil es dieses Hotel noch nicht gibt. Eastwood hat als Schauspieler bereits erste Erfolge in Hollywood und soll nun in der andalusischen Wüste von Tabernas mit Sergio Leone den Spaghettiwestern Für eine Handvoll Dollar drehen. Die Region am südöstlichsten Zipfel von Spanien sieht fast aus wie der Wilde Westen, ist aber viel kleiner. Das macht sie beliebt bei Regisseuren aus der ganzen Welt. Die Filmstars tun sich damit allerdings schwer. Während der Dreharbeiten wohnen sie in den staubigen Fremdenzimmern eines Küstenkaffs namens Almería, wo die Klimaanlage noch nicht erfunden ist. Als Leone dem Schauspieler Eastwood die Hauptrolle für den neuen Film anbietet, ziert der sich also erst einmal kräftig. Und sagt dann unter der Bedingung zu, dass er in einem anständigen Hotel untergebracht wird.

Wo er tatsächlich unterkommt, ist nicht überliefert. Die Geschäftsleute von Almería, so erzählt man sich, wittern jedenfalls ihre Chance. Sie beginnen ein Grandhotel nach amerikanischem Vorbild zu bauen. Es soll Glamour in die Stadt bringen und nicht nur Schauspieler, sondern auch andere wohlhabende Gäste anlocken. 1967 eröffnet das Gran Almería – zu spät für Leones Filmteam, aber ein Segen für all jene, die danach hier drehten. Wie ein aufgeklapptes, hochkant aufgestelltes Buch ragt das Gebäude an der Kreuzung zweier Wege auf, die erst später zu richtigen Straßen werden.

Die Zimmer sind großzügig geschnitten und mit leichtem Retrotouch eingerichtet. Jedes hat einen eigenen Balkon, der entweder auf den Hafen oder die historische Festung des Örtchens ausgerichtet ist. Der Pool liegt zwischen den offenen Seiten des Buches und hat die Form eines Whiskeyglases. Von hier aus überblickt man die Straßenkreuzung und den Hafen, ohne von neugierigen Passanten gesehen zu werden.

Schutz vor der Hitze findet man in der kühlen Marmorlobby. Zwischen dicken Säulen steht ein weißer Flügel, auf dem zur Teestunde immer gespielt wird. An der verspiegelten Wand der Bar reihen sich die Flaschen. In tiefen, weißen Sofas kann man gepflegt ausruhen oder auf einen freien Tisch im dahinterliegenden Hotelrestaurant warten. In der Lobby scheint die wuchtige und doch verspielte Eleganz der späten sechziger Jahre noch heute so frisch, als sei sie gerade erst modern geworden.

Almería ist inzwischen die größte Stadt an der andalusischen Mittelmeerküste, und die Luxushotellerie hat nun andere Maßstäbe erreicht. Das Gran Almería ist längst auch für normale Gäste erschwinglich. Aber noch immer hat es vier Sterne, und seine Grandezza hat die Sanierung vor ein paar Jahren überstanden. Ob Clint Eastwood später mal hier war, weiß keiner so genau. Sollte er überraschend auftauchen und an der Bar einen Drink bestellen, kann man jedenfalls sicher sein, dass seine Laune glänzend sein wird.

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