Stilkolumne : Hü ist das neue Hot

Tillmann Prüfer über Reitstiefel
Reitstiefel von Gucci © Peter Langer

Als ich vor einiger Zeit meine siebenjährige Tochter ins Krankenhaus fahren musste, weil sie vom Pferd gefallen war und sich dabei den Arm gebrochen hatte, sahen mich die Ärzte vorwurfsvoll an. Ob ich mir vorstellen könne, wie viele vom Pferd Gestürzte am Tag eingeliefert würden? Tatsächlich ist die Verletzungsstatistik eindeutig: Reiten ist eine der gefährlichsten Sportarten. Genauso gut könnte man ein Kind auf eine Rennmaschine setzen. Aber zwischen Mädchen und Pferd gibt es nun mal eine magische Verbindung, die ein Vater nicht trennen kann. Kaum war der Arm im Gips, wollte das Kind nur eines: wieder reiten.

Dieser Nähe von Frau und Pferd ist es vielleicht zu verdanken, dass die Tiere bereits früh eine Rolle in Mode und Luxus gespielt haben. Einige der beliebtesten Modemarken haben als Sattlereibetriebe begonnen: Gucci wurde 1921 von dem Sattlermeister Guccio Gucci gegründet, Thierry Hermès , ebenfalls Sattler, eröffnete 1928 seinen ersten Hermès-Laden in Paris .

Von Hermès kann man heute noch Pferdesättel kaufen, sie kosten weniger als so manche Tasche des Labels. Von Gucci gibt es diesen Winter Reitstiefel und Reithosen. Allerdings nicht so sehr für den Stall, sondern für die Stadt. Anspielungen auf die Reiterei findet man auch in anderer Form. So hat Isabel Marant Stiefel in Cowboy-Optik herausgebracht. Und seit Kurzem gibt es mit Equistyle sogar ein eigenes Magazin, um Pferd und Reiterin modisch aufeinander abzustimmen.

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Einer Mode, die mit Reitmotiven spielt, haftet immer ein Hauch des Elitären an. Das liegt auch daran, dass Reiten Ausbildungssport junger Adeliger ist. Mit dieser Mode assoziiert man weitläufige Gutshöfe und englische Rosen. Reitstiefel können also gar nicht billig aussehen. Außerdem sind sie sehr vorteilhaft: Sie verlängern das Bein optisch, und sie wärmen es auch, sind schmutzunempfindlich und verleihen jedem Outfit etwas Sportliches. Außerdem haben sie eine klare Botschaft: Ich brauche keinen Mann, der mich nach Hause begleitet, auf mich wartet ein Pferd. Diese Stiefel sind als Accessoire vollkommen – im Grunde benötigt man das Pferd gar nicht mehr. Vielleicht kaufe ich meiner Tocher welche. Einfach in der Hoffnung, dass sie in der Freude darüber vergisst, dass sie eigentlich ein Pony wollte.

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Bitte...

Bitte verlinken Sie doch mal die Statistik. Mir ist keine derartige bekannt. Meines Wissens nach (aber ich hab da ja nicht soooo gründlich recherchiert) lieht der reitsport, was die Unfallhäufigkeit angeht, deutlich hinter den meisten "Trendsportarten" und auch hinter Deutschlands Volkssport Nr.1 (Fußball). Aber bitte, ich lasse mich gern eines besseren belehren.

Ganz normaler Alltags-Sexismus

Müßig zu erwähnen, dass Stiefel im allgemeinen und Reitstiefel im besonderen jahrhundertelang als das männliche Schuhwerk schlechthin galt.

Da die Gesellschaft heutzutage einem übersexualisierten und völlig überdrehten Frauenkörperfetischismus huldigt und Männer da nur stören, können Frauen im Grunde alles tragen (und werden deswegen oder trotzdem angebetet und vergöttert).

Während Männer sich tunlichst von allen Kleidungsstücken fernhalten sollen, die von Frauen in Beschlag genommen und durch massenhafte Rezeption entsprechend mit-sexualisiert sind.

Ob es dabei objektiv gut aussieht (oder vielleicht sogar besser) spielt keine Rolle. Die Sexualisierung verhindert eine objektive Bewertung.