Es ist wirklich frappierend. Egal ob in Zeitungsanzeigen, Internetshops oder Schaufenstern: Analoge Uhren zeigen fast immer zehn nach zehn oder zehn vor zwei an. Häufig liest man, das liege daran, dass die Zeiger in dieser V-förmigen Stellung ein »lächelndes Gesicht« darstellen. Aber sieht man dieses Lächeln wirklich? Wirkt es vielleicht unbewusst?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Zurückverfolgen lässt sich diese Sitte zumindest bis in die sechziger Jahre. Der weltgrößte Uhrenhersteller Seiko, so steht es in dem Buch Japanische Zeiten von Florian Coulmas, gab damals die Order aus, dass die Uhren auf Abbildungen exakt 10 Uhr, 8 Minuten und 42 Sekunden anzeigen sollten. Woher dieser Wert kommt, bleibt unklar, denn exakt symmetrisch zur 12 stehen der große und der kleine Zeiger erst um 10.09 Uhr und 13 Sekunden. Aber offenbar sind alle anderen Hersteller dem Beispiel Seikos zumindest im Prinzip gefolgt.

Ob Konsumenten wirklich spontan zur »lächelnden« Uhr greifen, haben Psychologiestudenten aus Jena im Jahr 2007 untersucht. Sie präsentierten 115 Testpersonen Uhren mal mit der typischen Zeigerstellung und mal mit der umgekehrten, »traurigen«. Es konnte keine Präferenz für das lächelnde Zifferblatt festgestellt werden.

Was man aber auf jeden Fall sagen kann: Die 10-Uhr-10-Stellung ist praktisch, weil dabei weder der Herstellername noch der Kalender (bei drei Uhr) oder andere dekorative Elemente von den Zeigern verdeckt werden.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio