ErderwärmungWir dürfen nicht aufgeben!

Wir können die globale Erwärmung bei zwei Grad stoppen. Eine Erwiderung auf die Thesen von Frank Drieschner von Niklas Höhne

Klima-Aktivisten auf einer überfluteten Straße in Miami fordern, dass Mitt Romney und Barack Obama sich zur Klimapolitik äußern.

Klima-Aktivisten auf einer überfluteten Straße in Miami fordern, dass Mitt Romney und Barack Obama sich zur Klimapolitik äußern.  |  © Joe Raedle/Getty Images

Schaffen wir es, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen? In der vorletzten Ausgabe der ZEIT kommt Frank Drieschner zu dem Schluss, das sei »vollkommen unrealistisch«. Damit gibt er den Kampf gegen den Klimawandel auf.

Schon eine Erwärmung von zwei Grad hätte fatale Folgen: Die landwirtschaftliche Produktivität wäre beeinträchtigt. Der Meeresspiegel würde noch in diesem Jahrhundert um etwa einen Meter steigen. Korallenriffe würden aussterben, die daran hängende Nahrungskette wäre gefährdet. Auch Europa hätte zu leiden, im Süden unter Wassermangel und im Norden unter größerem Niederschlag. Deshalb dürfen wir keinesfalls zulassen, dass der Klimawandel über zwei Grad steigt.

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Drieschner aber schreibt, dass der Anstieg im besten Fall vier Grad betragen wird. Zudem unterstellt er der Weltgemeinschaft, sie habe sich auf das Zwei-Grad-Ziel geeinigt, um sich nicht Untätigkeit vorwerfen lassen zu müssen. Beide Behauptungen sind falsch.

Niklas Höhne

ist Direktor für Energie- und Klimapolitik beim Beratungsunternehmen Ecofys. Er schreibt für den Weltklimarat und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Der Klimawandel kann bei zwei Grad gestoppt werden; Bürger, Unternehmen, Verwaltungen und Staaten müssten dafür allerdings an einem Strang ziehen. In den nächsten acht Jahren müssten sie eine Reihe von Einsparungen vornehmen, die nicht nur dem Klima, sondern auch ihnen selbst helfen würden.

Von den emissionsintensiven Unternehmen müsste jedes dritte seinen Treibhausgasausstoß um zehn Prozent stärker senken, als es aktuelle Prognosen annehmen. Das würde diesen Firmen erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch unter den Städten und Regionen müsste sich eine Gruppe von Vorreitern hervortun, die sich eigene Emissionsziele setzen. Dadurch würden sie Arbeitsplätze schaffen und die Lebensqualität ihrer Einwohner verbessern.

Um welche Maßnahmen geht es konkret? Gebäude müssten effizienter geheizt, gekühlt und gedämmt werden. Zunächst würde es genügen, nur ein Drittel des technisch Machbaren umzusetzen; auf lange Sicht würden die Einsparungen die Kosten decken. Bei den elektrischen Geräten müssten sich die effizientesten flächendeckend durchsetzen. Autos müssten auf hundert Kilometern einen Liter weniger Benzin verbrauchen.

Wind- und Sonnenenergie müssten weiter ausgebaut werden, was in vielen Regionen auch ökonomisch sehr sinnvoll ist. Subventionen für fossile Energieträger müssten hingegen abgebaut werden, was den staatlichen Haushalten zugutekäme. Durch diese und weitere Maßnahmen kann die Welt bis zum Jahr 2020 auf Kurs gebracht werden, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. So habe ich es mit weiteren Kollegen im Fachmagazin Nature Climate Change vorgerechnet. (In seinem Artikel legt Drieschner nahe, für mich hätte das Zwei-Grad-Ziel bloß taktische Bedeutung. Ich möchte richtigstellen, dass ich das so nie gesagt habe.)

Leserkommentare
  1. "Der Klimawandel kann bei zwei Grad gestoppt werden; Bürger, Unternehmen, Verwaltungen und Staaten müssten dafür allerdings an einem Strang ziehen".
    Diese Feststellung kann man sich nicht genug auf der Zunge zergehen lassen.
    Wenn wir uns den gegenwärtigen Weltmarkt anschauen, kommt dieser Satz der Forderung gleich, dass aufeinandergehetzte Kampfhunde miteinander kuscheln, anstatt sich gegenseitig zu zerbeißen.
    Der Weltmarkt stellt die Nationen in einen wirtschaftlichen Wettbewerb, der es geradezu ausschließt, dass alle an einem Strang ziehen - weil jeder, der den Strang überhaupt als erster ANFASST, schon verloren hat. Aufgrund dieses Gefangenen-Dilemmas ist die derzeitige Struktur darauf ausgelegt, dass alle gemeinsam gegen die Wand fahren.
    Trotzdem ist die Feststellung richtig: Alle Nationen MÜSSEN an einem Strang ziehen, wenn es glimpflich aus- und weitergehen soll. Derzeit verhalten sich die Staaten wie die Insassen eines Reisebusses, die versuchen, den Bus durch lautes Denken, Diskutieren, oder durch Gewichtsverlagerung zu steuern. Nein. Wir müssen uns auf den Fahrersitz setzen und Lenkung und Bremsen nutzen.

    Genau wie einst die 'Demokratie' muss die benötigte Weltinnenpolitik von BürgerInnen erkämpft und aufgebaut werden.
    Alle WahlbürgerInnen sind daher gefordert, z.B. unter http://de.simpol.org auf innovative Weise am Aufbau einer Grassroot-Weltinnenpolitik mitzuarbeiten, die erst am Ziel ist, wenn wir gelernt haben, uns als Menschheit nachhaltig zu organisieren.

  2. Die Vermeidung der globalen Erderwärmung setzt voraus, dass die vorgeschlagene Strategie richtig und zielführend ist. Solange man sich jedoch am CO2 festbeisst, wird man viel Aktionismus betreiben, eine Menge wichtiger Ressourcen verschwenden und am Ende ohne Erfolg da stehen.
    Zum Beweis nur zwei Fakten: Zur Zeit der CO2 Atmosphäre hatten wir 16% CO2 und 25° mittlere Temperatur. Heute haben wir 0,04% CO2 und 12°.
    Der Anstieg des CO2 hat demnach mit der globalen Erwärmung so gut wie nichts zu tun, ist aber trotzdem ein Indikator für das komplette Versagen unserer Industriekultur einschließlich der industriellen Agrarstruktur.
    Hier sitzt der Zentralnerv des dringenden Handlungsbedarfes. Wer an den falschen Symptomen dreht, verschlimmert die Situation nur.

    • ats3788
    • 25. Oktober 2012 13:17 Uhr

    Jedes kleine Kind in Afrika und in Asien und sonst wo, möchte so leben wie wir, nur das geht eben nun mal nicht bei 7..8..9... Mrd. Menschen.
    Können und wollen sind zwei paar Schuhe und ich glaube der Author verseht gar nicht um welche Dimensionen es hier geht.
    China, Indien Länder mit mehr als 1 Mrd. Menschen. Brasilien
    und andere Länder mit einer hohen Geburtenrate die eben nun mal auch auf hohen Niveau konsumieren wollen.

    • gooder
    • 25. Oktober 2012 13:20 Uhr

    Der Meeresspiegel sinkt, wir sollten also darauf achten, daß es nicht zu kalt auf der Erde wird.

  3. und selbst wenn es machbar ist, wird es noch längst nicht gemacht.
    "Bürger, Unternehmen, Verwaltungen und Staaten müssten dafür allerdings an einem Strang ziehen."
    Unter dieser so einfach postulierten Voraussetzung hätte sogar der real existierende Sozialimus funktionieren müssen.

  4. Es kein 'wir', das in der Lage wäre den Klimawandel auf 2°C zu beschränken. Sicher, die o.g. Beispiele geben Hoffnung, aber in den Staaten auf die es ankommt, tut sich zu wenig - noch weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Mal ehrlich: wo soll die Mehrheit sein, die Deutschland auf die angemessenen 2 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr bringt?

    Und solange der Klimawandel in den gemäßigten und wirtschaftlich starken Zonen nicht spürbar wird und zu ernsthaften Ressourcen- oder Sicherheitsproblemen führt, wird es auch kein demokratisch legitimiertes 'wir' geben. Warum auch?

  5. Ganz gleich, ob das wahre Problem nun die CO2-Emissionen sind oder ob es anders gelagert ist - es ist allerhöchste Zeit, dass jeder Einzelne Verantwortung dafür übernimmt, und sich dafür einsetzt, dass Maßnahmen weltweit umgesetzt werden. Die Option, die unter http://de.simpol.org vorgeschlagen wird, verdient daher Unterstützung!

  6. Das 2° Ziel muss unbedingt auf die Deutsche Fahne
    gedruckt werden, damit wir es immer vor Augen haben.
    Auch ein bundesweiter Klimagedenktag wäre nicht schlecht.
    Unbedingt muss in den Schulen "Klimaschutz" als neues Hauptfach eingeführt werden.
    Auch ein griffiger Slogan, ähnlich wie der vom ZDF-"Mit dem zweiten sieht man besser", wäre hilfreich, z.B.: Mit dem 2° Ziel vor den 2 Augen usw.,usf.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Besser: Mit den 2° Brett vor dem Kopf, das ist besonders "griffig".

    Ansonsten hab ich gehört, dass die deutschen Wissenschaftler Rahmstorf und Schnellnhuber
    Kühlschlangen um den Planeten wickeln wollen.

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