Schaffen wir es, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen? In der vorletzten Ausgabe der ZEIT kommt Frank Drieschner zu dem Schluss, das sei »vollkommen unrealistisch«. Damit gibt er den Kampf gegen den Klimawandel auf.

Schon eine Erwärmung von zwei Grad hätte fatale Folgen: Die landwirtschaftliche Produktivität wäre beeinträchtigt. Der Meeresspiegel würde noch in diesem Jahrhundert um etwa einen Meter steigen. Korallenriffe würden aussterben, die daran hängende Nahrungskette wäre gefährdet. Auch Europa hätte zu leiden, im Süden unter Wassermangel und im Norden unter größerem Niederschlag. Deshalb dürfen wir keinesfalls zulassen, dass der Klimawandel über zwei Grad steigt.

Drieschner aber schreibt, dass der Anstieg im besten Fall vier Grad betragen wird. Zudem unterstellt er der Weltgemeinschaft, sie habe sich auf das Zwei-Grad-Ziel geeinigt, um sich nicht Untätigkeit vorwerfen lassen zu müssen. Beide Behauptungen sind falsch.

Der Klimawandel kann bei zwei Grad gestoppt werden; Bürger, Unternehmen, Verwaltungen und Staaten müssten dafür allerdings an einem Strang ziehen. In den nächsten acht Jahren müssten sie eine Reihe von Einsparungen vornehmen, die nicht nur dem Klima, sondern auch ihnen selbst helfen würden.

Von den emissionsintensiven Unternehmen müsste jedes dritte seinen Treibhausgasausstoß um zehn Prozent stärker senken, als es aktuelle Prognosen annehmen. Das würde diesen Firmen erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch unter den Städten und Regionen müsste sich eine Gruppe von Vorreitern hervortun, die sich eigene Emissionsziele setzen. Dadurch würden sie Arbeitsplätze schaffen und die Lebensqualität ihrer Einwohner verbessern.

Um welche Maßnahmen geht es konkret? Gebäude müssten effizienter geheizt, gekühlt und gedämmt werden. Zunächst würde es genügen, nur ein Drittel des technisch Machbaren umzusetzen; auf lange Sicht würden die Einsparungen die Kosten decken. Bei den elektrischen Geräten müssten sich die effizientesten flächendeckend durchsetzen. Autos müssten auf hundert Kilometern einen Liter weniger Benzin verbrauchen.

Wind- und Sonnenenergie müssten weiter ausgebaut werden, was in vielen Regionen auch ökonomisch sehr sinnvoll ist. Subventionen für fossile Energieträger müssten hingegen abgebaut werden, was den staatlichen Haushalten zugutekäme. Durch diese und weitere Maßnahmen kann die Welt bis zum Jahr 2020 auf Kurs gebracht werden, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. So habe ich es mit weiteren Kollegen im Fachmagazin Nature Climate Change vorgerechnet. (In seinem Artikel legt Drieschner nahe, für mich hätte das Zwei-Grad-Ziel bloß taktische Bedeutung. Ich möchte richtigstellen, dass ich das so nie gesagt habe.)