Porsche 911 Carrera S © Hersteller

Als Kind wollte ich immer in den Märchenpark. Auch wenn wir gerade keinen Ausflug dorthin geplant hatten, überredete ich meine seufzenden Eltern und Brüder, mindestens auf einen Sprung bei Rumpelstilzchen vorbeizuschauen. Und ich wünschte mir, auf einer Burg zu leben. Vielleicht handelt es sich um eine anthropologische Konstante, besonders ausgeprägt aber ist diese Fantasie bei Kindern, die in den sechziger und siebziger Jahren mit tschechischen Märchenfilmen aufwuchsen und bis heute an grauen Sonntagnachmittagen gerne Drei Haselnüsse für Aschenbrödel schauen.

Statt auf den Prinzen mit dem Pferd zu warten, habe ich mich ins Auto gesetzt, um im Weserbergland einen Teil der Deutschen Märchenstraße abzufahren, die über 600 Kilometer von Hanau, dem Geburtsort der Brüder Grimm, nach Bremen führt, wo einst die Stadtmusikanten rockten. Das Weserbergland ist das Hollywood der Märchenwelt. Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel, Aschenputtel: Alle sind heute hier. Und der Porsche 911 ist so etwas wie ein Fabeltier unter den Autos, von Mythen umrankt und nach rund 50 Jahren ebenso tief in unserer kollektiven Bilderwelt verankert.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Die aktuelle siebte Generation ist so komfortabel zu fahren wie keine zuvor. Gerade habe ich Bodenwerder im Weserbergland verlassen, Heimat des realen Barons von Münchhausen, die B83 schmiegt sich in sanften Kurven an das Flussufer, da erscheint mir eine Fee. "Weißt du eigentlich, dass die Kanonenkugel, auf der der Baron einst flog, noch immer in euren Autos von heute steckt? Auch du kannst fliegen. Schau in den Bordcomputer." Die Fee spricht die Wahrheit. Es gibt eine Anzeige mit dem Namen "G-Force": eine kleine orangefarbene Kugel, die sich in einem Koordinatenkreuz bewegt. G-Force? Das ist keine Jeansmarke, und mit Sex hat es auch nichts zu tun. Das ist die Kraft, der ein Körper durch Beschleunigung ausgesetzt ist. Gewöhnlich wird sie in Flugzeugen, Raketen oder Achterbahnen gemessen.

Eine flotte Kurve. Meine Tasche fliegt vom Beifahrersitz. Das sind also 0,5 g. Jetzt Gas geben. 0,8 g drücken mich in den Sitz. Vollbremsung: 1,1 g (Bremsen ist auch eine Form von Beschleunigung, nur eine negative). Das Spiel besteht darin, die Kugel möglichst an den Rand des Fadenkreuzes zu treiben. So fliege ich beschleunigend und reifenquietschend der Rattenfängerstadt Hameln entgegen. Der Baron wäre auch nicht schneller gewesen. Ungelogen.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 294 kW (400 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 4,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 304 km/h
CO2-Emission: 224 g/km
Durchschnittsverbrauch: 9,5 Liter
Basispreis: 102.436 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin