DIE ZEIT: Herr Reithofer, Sie sind ein Verführer.

Norbert Reithofer: Ich verkaufe Träume.

ZEIT: Männerträume.

Reithofer: Auch, aber nicht nur.

ZEIT: Finden Sie die Vorstellung eigentlich angenehm?

Reithofer: Ja, denn BMW ist Studien zufolge die wertvollste Automarke der Welt. Das erreichen Sie nur, wenn Sie emotionale Fahrzeuge anbieten.

ZEIT: Inzwischen sind es vor allem die Träume chinesischer Männer, die Ihnen zum Erfolg verhelfen. Was eint deren Träume und unsere?

Reithofer: Ganz einfach, die Freude am Fahren.

ZEIT: Sie versprechen den Kunden Kraft, Stärke.

Reithofer: Eine hohe Motorleistung will aber nicht mehr jeder zeigen. Wenn wir in Deutschland unser Spitzenmodell, einen 760i, verkaufen, dann wird oft die Typenbezeichnung hinten auf dem Auto weggelassen. In China hätte man sie dagegen gerne doppelt so groß.

ZEIT: BMW ist die deutsche Version eines Hollywoodstudios mit einer angeschlossenen Werkstatt. Und das Ergebnis ist eine stolze Gewinnmarge von zwölf Prozent.

Reithofer: Solche Renditen sind auch für einen Premiumhersteller wie BMW dauerhaft nicht möglich. Acht bis zehn Prozent sind realistischer.

ZEIT: Auf Europa fixierte Autobauer können selbst davon nur träumen. Hersteller wie Opel, Peugeot und Fiat sind in akuter Existenznot. Selbst Porsche und Mercedes warnen ihre Aktionäre. Wie kann da BMW von Rekord zu Rekord eilen?

Reithofer: Wir streben 2012 weiterhin neue Bestmarken bei Absatz und Gewinn vor Steuern an. Aber natürlich sind wir auch von den Einbrüchen gerade in Südeuropa betroffen. Wir haben 2007 noch 70.000 Autos in Spanien verkauft, jetzt ist es etwa rund die Hälfte. Auch in Italien und Portugal sind es deutlich weniger.

ZEIT: Und in Deutschland?

Reithofer: Wir liegen derzeit etwa auf Vorjahresniveau, obwohl hier in Deutschland ein starker Wettbewerb herrscht. Drei Premiumhersteller ringen um 30 Prozent des Marktes.

ZEIT: Die drei heißen Mercedes, Audi und BMW und bieten mittlerweile allesamt hohe Rabatte.

Reithofer: Aus unserer Sicht passen zu Premiumfahrzeugen keine hohen Nachlässe, denn das schadet einer Marke. Wir sind hier dank unserer jungen Modellpalette auch nicht so stark wie andere betroffen. Aber natürlich können auch wir uns nicht völlig von der Marktentwicklung abkoppeln. Da hilft keine Rumeierei.

ZEIT: Der Automobilabsatz ist ein Spiegel der Weltkonjunktur. Worauf stellen Sie sich ein?

Reithofer: In Europa gehen wir im Moment davon aus, dass sich der Markt im Jahr 2013 nicht verbessert. Die Perspektiven für 2014 sind auch noch ziemlich unsicher.

ZEIT: Wer soll dann die ganzen BMW kaufen?

Reithofer: In den USA und China haben wir wesentlich bessere Voraussetzungen. Gut läuft es auch in Ländern wie der Türkei, Südkorea, Thailand, Malaysia, Indonesien, Südafrika oder Indien.

ZEIT: Wie lange ist das noch so? In China flacht das Wachstum sichtbar ab. Mercedes klagt schon über harte Preiskämpfe dort.

Reithofer: Der Markt in China wird sich immer weiter normalisieren. Mit allen Konsequenzen. Wir werden dort nicht immer mit fast 60 Prozent wachsen können wie jetzt im September. Aber wir gehen dort mittelfristig weiterhin von zweistelligen Wachstumsraten aus.

ZEIT: Sie bauen Ihre Werke in China und den USA und demnächst in Brasilien aus. Umso mehr sind die deutschen Werke auf Europas Konsumenten angewiesen. Muss BMW hier angesichts der anhaltenden Flaute bald Tausende Zeitarbeiter heimschicken wie zu Beginn der Branchenkrise 2008?

Reithofer: Unsere Werke sind derzeit zu über 100 Prozent ausgelastet. Deshalb werden wir zusätzlich 3.000 neue Mitarbeiter einstellen und dabei auch viele Zeitarbeiter fest übernehmen. Und wir erhalten unser Ziel aufrecht, im Jahr 2016 über zwei Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zu verkaufen.