Solarwirtschaft : Bitte nicht aufgeben!

Die Energiewende gelingt nur, wenn die Manager umdenken.
Hindu-Tempel in Indien mit Solarmodulen © Dibyangshu Sarkar/AFP/Getty Images

Bei Siemens glaubt man nicht mehr an die Sonne. Die Ankündigung, aus dem Geschäft mit der Solarenergie auszusteigen, ist die bislang größte Erschütterung der Branche. Zuvor sind zahlreiche kleinere Firmen in die Insolvenz geschlittert. Zumindest Solarzellen made in Germany wird es nicht mehr geben.

Aus Sicht vieler hiesiger Unternehmer sind daran die Chinesen schuld, welche die größte Solarindustrie der Welt aufgebaut und den Markt mit Billigprodukten überrollt haben. Aber inzwischen sind auch in China die meisten Solarunternehmen pleite – oder überleben nur, weil die Banken stillhalten. Selbst Suntech, einst Weltmarktführer für Solarmodule, hat inzwischen riesige Schulden aufgetürmt.

Dass neben Siemens auch noch Bosch den Verkauf seiner Solarsparte prüft, ist ein Zeichen für den globalen Niedergang der Branche. Dieser Niedergang birgt eine Erkenntnis und eine Lehre.

Deutschland und China haben mit staatlichen Geldern und billigen Krediten eine für Unternehmen tödliche Situation hergestellt. Übersubvention – das ist die Erkenntnis. Und die Lehre? Deutsche Unternehmen müssen sich im Energiesektor spezialisieren, müssen Hightechlösungen für die Energiewende insgesamt entwickeln. Speicher für erneuerbare Energien zum Beispiel, die grünen Strom auch dann nutzbar machen, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Dann kann auch die Energiewende gelingen.

Wahr ist: Der Absturz der Solarindustrie trifft die Deutschen tief im Gemüt. Energie von der Sonne war mal die grüne Hoffnung. Die Hersteller sorgten für Jobs im Osten. Nun kommt es anders, und gefragt ist weder Angst noch Verzagen – sondern Innovationsfähigkeit.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Verbraucher

Zitat: "Wieder eine Industrie,
die wir der Globalisierung opfern - wie die Bekleidungsindustrie, Spielzeugindustrie usw -

Ist denn niemand fähig in den Führungsetagen einen Mittelweg zwischen Globalisierung und Protektionismus zu erdenken."

Das liegt am Verbraucher, nicht an den Führungsleuten. Wenn der Verbraucher nicht erkennt, dass er für Produkte, die aus einem Land mit viel höheren Umwelt- und Sozialstandards, z.B. aus D, kommen, mehr zahlen muß als für Produkte aus Schwellenländern ohne diese Standards, dann kann keine Unternehmensführung der Welt das ausgleichen. Alternativ könnte man natürlich eine protektionische Politik betreiben, aber das geht wegen unserer Exportverflechtung nicht. Also muß der Verbraucher begreifen, dass ihm ein kurzfristiger Nachteil einen langfristen Vorteil bringt. Und danach muß er handeln, sonst klappt es nicht und die Industrie geht flöten.