TagesgeldAngriff der Unbekannten

Exotische Banken locken mit Kampfzinsen für Tagesgeld. Ist den Angeboten zu trauen? von Daniel Schönwitz

Wer spart, verliert! Das ist die bittere Realität dieser Tage. Das Vermögen wird Schritt für Schritt kleiner, legt man sein Geld bei dem derzeit durchschnittlichen Zinssatz von 1,2 Prozent auf einem Tagesgeldkonto an. Es wird von der Inflation aufgefressen. Sie liegt derzeit bei rund zwei Prozent. Die Geldentwertung liegt über den Zinsen.

Also doch lieber Aktien, Lebensversicherungen, Immobilien? Für viele Anleger ist dies keine Option, weil sie ihr Kapital nicht lange binden wollen und außerdem Kursverluste fürchten. Bleibt die Suche nach Banken, die überdurchschnittliche Zinsen bieten. Und davon gibt es einige: Laut einer aktuellen Erhebung der FMH Finanzberatung in Frankfurt können Sparer für täglich verfügbares Tagesgeld vielerorts zwei Prozent und mehr bekommen – also weit mehr, als der Marktdurchschnitt hergibt, und zumindest so viel, wie von der Inflation aufgefressen wird.

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Unter den Top-Anbietern sind etliche Finanzinstitute aus dem Ausland, zum Beispiel MoneyYou (2,1 Prozent), die DenizBank, NIBC direct (je 2,0 Prozent), die GarantiBank (1,9 Prozent) oder die Bank of Scotland (1,8 Prozent). Ausländische Banken mit exotischen Namen? Klingelt da was? Genau: der Kaupthing-Skandal. Zehntausende deutsche Anleger hatten ihr Geld vor der Finanzkrise bei dem Institut aus Island angelegt. Die Bank warb mit Zinsen von zeitweise über fünf Prozent – weit mehr, als heimische Banken damals zahlten.

Doch statt des großen Gewinns kam das große Zittern: Nachdem Kaupthing im Oktober 2008 zusammengebrochen war, wussten deutsche Kunden lange nicht, ob sie ihr Geld je wiedersehen würden. Die Betroffenen organisierten Protestaktionen und schickten Abordnungen nach Island. Letztlich kamen die deutschen Zinsjäger mit dem Schrecken davon, im Juni 2009 begann Kaupthing mit der Auszahlung ihrer Einlagen.

Einlagen

Darunter verstehen Finanzexperten Guthaben, die Kunden auf Bankkonten angelegt haben. Es wird unterschieden zwischen kurzfristig verfügbaren Einlagen, beispielsweise Geld, das auf Giro- und Tagesgeldkonten liegt, und langfristig gebundenen Einlagen, also Geld, das etwa auf Festgeldkonten lagert. Bilanztechnisch gesehen sind die Einlagen »Forderungen von Nichtbanken gegenüber Banken«

Die deutschen Sparer scheinen den Skandal vergessen zu haben. Zwar halten sich die ausländischen Institute mit Angaben zum Volumen der Einlagen in Deutschland zurück. Sie reagieren, wie die DenizBank, nicht auf entsprechende Anfragen. Oder sie teilen, wie im Fall der Bank of Scotland, mit, dass sie »aktuell keine Zahlen zu den Einlagen und der Zahl der Kunden« veröffentlichen. Doch aktuelle Daten der Bundesbank belegen, dass ihre Geschäfte bestens laufen. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist die Summe der Einlagen bei ausländischen Instituten um 29 auf 70 Milliarden Euro angestiegen. »Zweigstellen ausländischer Banken sammeln mit Lockvogel-Zinsen in Deutschland immer höhere Beträge ein«, kritisierte Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, vor wenigen Wochen. Die Zinsjäger sind also wieder los – wie einst bei Kaupthing.

Doch wie groß ist das Risiko diesmal?

»Hinter den oft unbekannten Namen stecken häufig große internationale Banken mit Sitz in einem EU-Staat«, sagt Sigrid Herbst von der FMH Finanzberatung. MoneyYou zum Beispiel gehört zur niederländischen ABN-Amro-Gruppe. Somit seien gemäß den europäischen Vorschriften pro Sparer 100.000 Euro abgesichert, sagt Zinsexpertin Herbst. Bei Kaupthing waren es gerade mal 20887 Euro.

Die EU-Einlagensicherung greift selbst bei exotischeren Kandidaten wie der DenizBank, die der russischen Sberbank gehört. Denn das Deutschland-Geschäft betreibt das Institut über eine Tochter in Österreich. Die NIBC direkt wiederum hat ihren Sitz in den Niederlanden. Sicher: Die meisten deutschen Banken bieten weitreichendere Absicherungen, weil sie nicht nur in den gesetzlichen Topf einzahlen, sondern zusätzlich dem Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angehören. Trotzdem bieten die Newcomer ein solides Sicherheitsnetz.

Leserkommentare
  1. Kein Sparer braucht sich mit den 1,2 Prozent auf einem Tagesgeldkonto zufriedengeben. In jedem seriösen Tagesgeld Vergleich finden sich ebenso seriöse Banken mit Zinsen Angeboten über 2,0%, wie auch im vorliegenden Artikel richtig angegeben wird.
    Die Überschrift ist daher irreführend.
    Ulrich Fielitz

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • pakZ
    • 06. November 2012 8:58 Uhr

    Sie vergessen dabei allerdings, daß es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt.
    Vor einigen Wochen/Monaten hat mir ein Kollege die Bank of Scotland schmackhaft machen wollen. Die Zinsen lagen dort noch 70 Basispunkte über dem heutigen Stand.

    Ich bin mittlerweile aus dem Karusell ausgestiegen und bei einer "grünen" Bank untergekommen.
    Überlegt man es sich genau, gibt es nicht einen Grund, warum man mit den Finanzterroristen der großen Institute zusammenarbeiten sollte.

    • R0Li84
    • 06. November 2012 8:30 Uhr

    Ich bin inzwischen seit mehreren Jahren bei der Bank of Scotland. Diese Bank hat immer Zinsen im oberen Mittelfeld angeboten. Erst seit kurzem gibt es ein paar Banken: MoneYou (2,1%) und die im Artikel nicht erwähnte Rabodirect (2,2%)die mehr Zinsen als die Bank of Scotland bieten.

    Insbesondere Rabodirect werde ich in den nächsten Monaten verstärkt beobachten und - sofern sich die Zinsen konstant halten - mein Tagesgeld dorthin überweisen.

    Zeit online sollte eventuell den Artikeln nachbessern und diese Bank noch mit aufnehmen. (Die Bank erscheint mir auf den ersten Blick auch noch solider aufgestellt zu sein als MoneYou).

    • pakZ
    • 06. November 2012 8:58 Uhr
    3. .....

    Sie vergessen dabei allerdings, daß es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt.
    Vor einigen Wochen/Monaten hat mir ein Kollege die Bank of Scotland schmackhaft machen wollen. Die Zinsen lagen dort noch 70 Basispunkte über dem heutigen Stand.

    Ich bin mittlerweile aus dem Karusell ausgestiegen und bei einer "grünen" Bank untergekommen.
    Überlegt man es sich genau, gibt es nicht einen Grund, warum man mit den Finanzterroristen der großen Institute zusammenarbeiten sollte.

    • 2eco
    • 06. November 2012 9:34 Uhr

    Das ist wieder ein herrliches Beispiel wie weit individuelles Handeln und gesellschaftliches Anspruchsdenken auseinander gehen. Persönlich immer auf der Jagd nach den höchsten Zinsen - jeder Basispunkt zählt - aber wie diese Zinsen ermöglicht werden fragt sich niemand?

    Aber am Ende sind es wieder die bösen bösen Zocker und Kapitalisten die unsere Gesellschaft zerstören und niemals das eigene Gewinnmaximierungsverhalten.

  2. der artikel erweckt bei mir den anschein, dass er interessengeleitet ist und allein auf das angstpotential bei inländischen lesern und bürgern abzielt, um sie davon abzuhalten, geld bei "unbekannten" einzulagern. so ist der titel nicht unpassend, da entlarvend. es fragt sich, wer hier der wahre unbekannte angreifer ist.

    dieser verdacht wird zudem dadurch genährt, dass im artikel verschwiegen wird, dass die bank of scotland mitglied im "Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken" ist (vgl. www. bankofscotland.de). wer eine leicht zu recherchierende tatsache verschweigt, muss sich fragen lassen: warum? keine zeit zur recherche? dann sollte man den artikel erst später veröffentlichen. oder sind andere größen bestimmend? oder wurde der artikel von "inländischen banken" vorgeschrieben? jetzt nur kein schelm sein und böses denken.

    im übrigen ist fraglich, warum dem leser suggeriert wird, dass die einlagen bei "bekannten" deutschen banken so viel sicherer sind, die aber international tätig sind? was macht den schreiber da so sicher? gerade jetzt, wo u. a. die deutsche bank auf der internationalen liste der sog. gefährderbanken in den vordersten rängen zu finden ist.

    schade, liebe zeit. ihr wart schon mal besser. so ein artikel lässt tief blicken.

    wäre schön, wenn ihr wireder zu euren journalistischen tugenden zurückkehrt.

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