Wer spart, verliert! Das ist die bittere Realität dieser Tage. Das Vermögen wird Schritt für Schritt kleiner, legt man sein Geld bei dem derzeit durchschnittlichen Zinssatz von 1,2 Prozent auf einem Tagesgeldkonto an. Es wird von der Inflation aufgefressen. Sie liegt derzeit bei rund zwei Prozent. Die Geldentwertung liegt über den Zinsen.

Also doch lieber Aktien, Lebensversicherungen, Immobilien? Für viele Anleger ist dies keine Option, weil sie ihr Kapital nicht lange binden wollen und außerdem Kursverluste fürchten. Bleibt die Suche nach Banken, die überdurchschnittliche Zinsen bieten. Und davon gibt es einige: Laut einer aktuellen Erhebung der FMH Finanzberatung in Frankfurt können Sparer für täglich verfügbares Tagesgeld vielerorts zwei Prozent und mehr bekommen – also weit mehr, als der Marktdurchschnitt hergibt, und zumindest so viel, wie von der Inflation aufgefressen wird.

Unter den Top-Anbietern sind etliche Finanzinstitute aus dem Ausland, zum Beispiel MoneyYou (2,1 Prozent), die DenizBank, NIBC direct (je 2,0 Prozent), die GarantiBank (1,9 Prozent) oder die Bank of Scotland (1,8 Prozent). Ausländische Banken mit exotischen Namen? Klingelt da was? Genau: der Kaupthing-Skandal. Zehntausende deutsche Anleger hatten ihr Geld vor der Finanzkrise bei dem Institut aus Island angelegt. Die Bank warb mit Zinsen von zeitweise über fünf Prozent – weit mehr, als heimische Banken damals zahlten.

Doch statt des großen Gewinns kam das große Zittern: Nachdem Kaupthing im Oktober 2008 zusammengebrochen war, wussten deutsche Kunden lange nicht, ob sie ihr Geld je wiedersehen würden. Die Betroffenen organisierten Protestaktionen und schickten Abordnungen nach Island. Letztlich kamen die deutschen Zinsjäger mit dem Schrecken davon, im Juni 2009 begann Kaupthing mit der Auszahlung ihrer Einlagen.

Die deutschen Sparer scheinen den Skandal vergessen zu haben. Zwar halten sich die ausländischen Institute mit Angaben zum Volumen der Einlagen in Deutschland zurück. Sie reagieren, wie die DenizBank, nicht auf entsprechende Anfragen. Oder sie teilen, wie im Fall der Bank of Scotland, mit, dass sie »aktuell keine Zahlen zu den Einlagen und der Zahl der Kunden« veröffentlichen. Doch aktuelle Daten der Bundesbank belegen, dass ihre Geschäfte bestens laufen. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist die Summe der Einlagen bei ausländischen Instituten um 29 auf 70 Milliarden Euro angestiegen. »Zweigstellen ausländischer Banken sammeln mit Lockvogel-Zinsen in Deutschland immer höhere Beträge ein«, kritisierte Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, vor wenigen Wochen. Die Zinsjäger sind also wieder los – wie einst bei Kaupthing.

Doch wie groß ist das Risiko diesmal?

»Hinter den oft unbekannten Namen stecken häufig große internationale Banken mit Sitz in einem EU-Staat«, sagt Sigrid Herbst von der FMH Finanzberatung. MoneyYou zum Beispiel gehört zur niederländischen ABN-Amro-Gruppe. Somit seien gemäß den europäischen Vorschriften pro Sparer 100.000 Euro abgesichert, sagt Zinsexpertin Herbst. Bei Kaupthing waren es gerade mal 20887 Euro.

Die EU-Einlagensicherung greift selbst bei exotischeren Kandidaten wie der DenizBank, die der russischen Sberbank gehört. Denn das Deutschland-Geschäft betreibt das Institut über eine Tochter in Österreich. Die NIBC direkt wiederum hat ihren Sitz in den Niederlanden. Sicher: Die meisten deutschen Banken bieten weitreichendere Absicherungen, weil sie nicht nur in den gesetzlichen Topf einzahlen, sondern zusätzlich dem Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angehören. Trotzdem bieten die Newcomer ein solides Sicherheitsnetz.