TV-Film "Rommel"Endspiel in Frankreich

Entschieden kritisch, aber ohne historische Tiefenschärfe: Die ARD zeigt den Fernsehfilm "Rommel" von dem "Tatort"-Regisseur Niki Stein. von Hannes Heer

Die Niederlage von Erwin Rommels deutsch-italienischer Panzerarmee Afrika am 4. November 1942 bei El-Alamein und deren Rückzug in Richtung Tunesien schienen nur ephemere Ereignisse auf einem Nebenschauplatz des Zweiten Weltkrieges zu sein. Tatsächlich leiteten sie die Kriegswende ein: Am 8. November landeten 63.000 britische und amerikanische Soldaten in Marokko und Algerien. Zehn Tage später begann im Raum Stalingrad eine Offensive der Roten Armee, die mit der Einschließung der 6. Armee und deren Kapitulation am 2. Februar 1943 endete. Die Initiative der Kriegsführung lag nun aufseiten der Alliierten, und im Jahr darauf begann das letzte Kapitel: Briten und Amerikaner landeten in der Normandie. Wenige Tage später, vom 22. Juni 1944 an, zerschlug die Rote Armee in kurzer Zeit die Heeresgruppe Mitte; damit war der Weg frei nach Berlin. Deutschland, das wurde der Anti-Hitler-Koalition, aber auch etlichen Offizieren der Wehrmacht jetzt klar, hatte den Krieg verloren.

Der Film Rommel des bewährten Tatort-Regisseurs Niki Stein, Jahrgang 1961, spielt in dieser letzten und entscheidenden Phase des Krieges – von März bis Oktober 1944. Erwin Rommel, der Held des Frankreichfeldzuges und des Afrika-Korps, der den Briten 1942 in Tobruk eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, war seit Januar 1944 als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B für die Küstenverteidigung von der Bretagne bis nach Holland verantwortlich. Hitler hatte seinen Protegé am 19. März, beim Treuegelöbnis der Generalfeldmarschälle auf dem Obersalzberg, mit den Worten verabschiedet: »Von Ihnen hängt der Ausgang des Krieges ab und damit das Schicksal des Reiches.«

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Im Bewusstsein dieser Mission ließ Rommel die England gegenüberliegenden Küsten befestigen und stellte sich bereitwillig in den Dienst der Propaganda vom »uneinnehmbaren Atlantikwall«. Aber seine Zweifel wuchsen, als er an die Planung der militärischen Abwehr ging. Die Inkompetenz, auch der Neid übergeordneter oder konkurrierender Befehlshaber machten ihm das Leben schwer. Die Unterstellung aller Einheiten unter sein Kommando scheiterte schließlich ebenso wie der Versuch, das taktische Vorgehen gegen die Invasion festzulegen.

Film "Rommel"

Den Film »Rommel« zeigt die ARD am 1. November um 20.15 Uhr. Anschließend, um 22.15 Uhr, folgt eine Dokumentation zum Thema von Thomas Fischer

In diesem kritischen Moment treten Offiziere des Widerstandes an ihn heran und versuchen, wie der Mitverschwörer Hans Speidel süffisant kommentiert, »den Günstling des Führers zur Galionsfigur des Umsturzes« zu machen. Die Werbung scheitert: Rommel lehnt die Bitte des Militärbefehlshabers in Paris, General Carl-Heinrich von Stülpnagel, beim Putsch mitzutun, unter Hinweis auf seinen Eid ab. Ebenso verweigert er der von Claus von Stauffenbergs Vetter überbrachten Anfrage, ob er sich einer neuen Regierung zur Verfügung stelle, demonstrativ die Antwort. Der Film zeigt in einem minutiösen Protokoll und in kluger Dialogführung, wie sich Rommel dennoch radikalisiert. Er will Hitler überzeugen, im Westen einen Separatfrieden zu schließen, um dann den Krieg im Osten siegreich zu Ende zu führen. Als er bei zwei Besprechungen im Hauptquartier mit diesem Vorschlag einer »politischen Lösung« scheitert und er von Hitler schließlich ob dieser Anmaßung des Raumes verwiesen wird, schickt er dem »Führer« am 15. Juli 1944 seine Forderung in Form eines »Ultimatums«. In einer Besprechung mit seinem Oberbefehlshaber Gerd von Rundstedt und dessen Nachfolger Günther von Kluge geht Rommel sogar noch weiter: Deutschland müsse den Krieg ganz beenden, und er sei bereit, mit seinen Truppen zu kapitulieren.

Hannes Heer

Der Autor ist Historiker und Publizist. Bekannt wurde er als Leiter der Hamburger Wehrmachtausstellung. In diesem Jahr sorgte die von ihm kuratierte und von Peter Schmidt gestaltete Ausstellung »Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die ›Juden‹ 1876 bis 1945« für Aufsehen.

Ob er diese Drohung wahr gemacht hätte, bleibt allerdings zweifelhaft. Am 17. Juli wird der General bei einem Tieffliegerangriff in Frankreich schwer verwundet. Stauffenbergs Attentat, drei Tage darauf, verändert zusätzlich die Lage: Hitler nötigt ihn wegen angeblicher Beteiligung daran wenige Monate später zum Selbstmord.

Steins Film verweigert dem General den Lorbeer des Widerstandskämpfers, der Rommel in der Nachkriegszeit gern gereicht wurde (und in der Bundeswehr bis heute geflochten wird). Nico Hofmann, der Rommel für den Südwestfunk produzierte, hat sich wegen dieser Darstellung schon während der Dreharbeiten gegen die Angriffe der Rommel-Familie und ihrer Haushistorikerin öffentlich zur Wehr setzen müssen.

Der fertige Film zeigt nicht nur, wie unbegründet diese Attacken waren. Er wirft auch ein Licht auf die Rommel-Renaissance der letzten Jahre. So als ob man nach den zahlreichen wissenschaftlichen Studien über die Verbrechen der Wehrmacht einen von allen Anfechtungen und Schuldvorwürfen freien Punkt im Gelände hätte offerieren müssen, überboten sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten darin, den verblichenen Mythos des Helden von Tobruk mit der Behauptung vom Hitler-Bändiger und Hitler-Gegner neu zu beleben.

Leserkommentare
    • Chali
    • 01. November 2012 13:52 Uhr

    Interessant ist der Verweis auf "Die unsichtbare Flagge".
    Ich glaube, von Hannah Arend stammt die Gegenfrage, um was für eine Art Überzeugung es sich dabei wohl jandeln würde?

    Dem entgegengestellt sei

    Henning von Tresckow (1901-1944)

    „Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben." - Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler. Zürich 1946 (TB Goldmann, München 1997, ISBN 3442128617)''

    https://de.wikiquote.org/...

    3 Leserempfehlungen
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    Henning v. Tresckow konnte das so sagen. Er war bereit, sein Leben hinzugeben und er hat es für seine Überzeugung verloren.

    Auch Rommel hat sein Leben verloren, vielleicht nicht für konsequentes Handeln, aber für seine widerständigen Gedanken, als einer der wenigen, die Hitler offen widersprochen haben, wie ich dem Artikel entnehmen darf.

    Offen gesagt, bei dem Tresckow-Zitat wird mir schwindlig. Wer von uns hat da überhaupt noch einen sittlichen Wert?

    • ove.w
    • 01. November 2012 14:45 Uhr

    Ehrlich gesagt kann ich diese ganze NS-Sch..e nicht mehr sehen geschweige denn nachvollziehen dass mit öffentlichen Geldern so ein Müll produziert wird. Es geht nicht gegen den Regisseur oder die Schauspieler. Es geht um die Entscheider, die Auftraggeber im öffentlich-rechtlichen TV. Es ist kein Wunder, dass Deutschland auf dem rechten Auge blind ist – „Stetige Tropfen höhlen den Stein“ auch vermeidlich „gut“ gemeinter NS-Mist findet wirre Köpfe. Egal ob unser „Guido-Historie-Pabst“ oder sonst wo, es vergeht kein Tag ohne Hakenkreuz!

    2 Leserempfehlungen
  1. Es ist immer wieder ein seltsames Schauspiel, wie die Deutschen versuchen, aus diesem Meer der Mörder des Dritten Reiches doch noch einen "guten" Nazi herauszufischen. Rommel bietet sich als Idealfigur an, da er mit seinem Selbstmord am Mythos des in einen ausweglosen Gewissenskonflikt gestürzten Soldaten selbst mitbastelte. Jedenfalls wurde ihm - und so war es ja lange Zeit - mehr Gewissen attestiert als den Attentätern vom 20. Juli, denen der Geruch der Verräter anhing.
    Der Mythenbildung um Rommel kam entgegen, dass ihn auch die Engländer als eine Art militärisches Genie und fairen Sportsmann auf dem Schlachtfeld darstellten. Dies taten sie aber in erster Linie, um die eigenen anfänglichen Misserfolge in Nordafrika irgendwie zu erklären.
    Rommel, ein Musterexemplar des wilhelminischen Militarismus, bot ab 1938 jedem Vertragsbruch Hitlers militärischen Flankenschutz. Sein einziges (unfreiwilliges) Verdienst bestand darin, den Krieg in Nordafrika nicht erfolgreich beendet zu haben. Sonst wäre der Weg nach Palästina frei gewesen. Was dann geschehen wäre, kann sich jeder ausmalen. Die Einsatzgruppe stand schon bereit.
    Als Namensgeber für Straßen und Plätze taugt Rommel jedenfalls nicht. Er gefiel sich in der Rolle des "unpolitischen" Soldaten in einer Diktatur. Und gerade solche lassen sich bestens verwenden.
    Vielleicht kratzt der Film wenigstens an diesem albernen Mythos Rommel.

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    • bubblez
    • 01. November 2012 16:17 Uhr

    Und die Attentäter des 20. Juli waren allesamt adlige Offiziere, die erst dann Widerstand planten, als die Niederlage ersichtlich war und sie Angst um ihre eigenen Pfründe hatten.

    Ein Georg Elser, der das verbrecherische Regime schon (spätestens) 1939 entlarvt hatte, hat sehr viel klarer gesehen und dafür einen sehr viel höheren Preis zahlen müssen, als die Herren Offiziere.

    Er war ein einfacher Schreiner und doch so viel klüger und weitsichtiger, trotzdem wird er weitgehend totgeschwiegen.

  2. Henning v. Tresckow konnte das so sagen. Er war bereit, sein Leben hinzugeben und er hat es für seine Überzeugung verloren.

    Auch Rommel hat sein Leben verloren, vielleicht nicht für konsequentes Handeln, aber für seine widerständigen Gedanken, als einer der wenigen, die Hitler offen widersprochen haben, wie ich dem Artikel entnehmen darf.

    Offen gesagt, bei dem Tresckow-Zitat wird mir schwindlig. Wer von uns hat da überhaupt noch einen sittlichen Wert?

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    • Chali
    • 01. November 2012 15:57 Uhr

    Das sollte uns demütig und bescheiden machen.

    Und wo jetzt wieder deutsche Soldaten in Afika kämpfen und sterben sollen.

    Einverstanden.

    Es gab aber viele "NS-Gegner", die die Gräueltaten kannten, aber nicht bereit waren, ihr Leben hinzugeben.

    Sie hatten also im Sinne v. Tresckows keinen sittlichen Wert. Ich kann demnach ehrlicherweise für mich ebenfalls keinen sittlichen Wert reklamieren.

    Woher nehme ich das Recht, über sie zu urteilen?

    • Chali
    • 01. November 2012 15:57 Uhr

    Das sollte uns demütig und bescheiden machen.

    Und wo jetzt wieder deutsche Soldaten in Afika kämpfen und sterben sollen.

    2 Leserempfehlungen
    • bubblez
    • 01. November 2012 16:17 Uhr

    Und die Attentäter des 20. Juli waren allesamt adlige Offiziere, die erst dann Widerstand planten, als die Niederlage ersichtlich war und sie Angst um ihre eigenen Pfründe hatten.

    Ein Georg Elser, der das verbrecherische Regime schon (spätestens) 1939 entlarvt hatte, hat sehr viel klarer gesehen und dafür einen sehr viel höheren Preis zahlen müssen, als die Herren Offiziere.

    Er war ein einfacher Schreiner und doch so viel klüger und weitsichtiger, trotzdem wird er weitgehend totgeschwiegen.

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  3. Einverstanden.

    Es gab aber viele "NS-Gegner", die die Gräueltaten kannten, aber nicht bereit waren, ihr Leben hinzugeben.

    Sie hatten also im Sinne v. Tresckows keinen sittlichen Wert. Ich kann demnach ehrlicherweise für mich ebenfalls keinen sittlichen Wert reklamieren.

    Woher nehme ich das Recht, über sie zu urteilen?

  4. ein Mitbestimmungsrecht vorher würde es diesen Film nicht geben.

    Der Hauptdarsteller ist der der sagte er spielt keine Filme mehr in Uniform dieser Art und dann na ja den dann noch weil wichtig, was ist da wichtig?

    Die gesamten Opfer des Afrikagenerals werden weniger behandelt als seine dann gegen das System gerichtete nicht erfolgreiche Handlung.

    Und wenn hier die Ansicht von "Uniformträgern" im Fernsehen auch wieder zum toll finden führt von denen die nicht hinhören sondern nur hinschauen und es so sehen wollen heißt es später wieder nach deren dadurch Aufmunterung zur Nachamung wir haben ein Rassismusproblem.

    Zwangsaufklärung funktioniert so sicherlich überhaupt nicht !

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