MischfondsVon allem etwas nehmen

Anleger lieben Mischfonds. Statt zu kaufen, sollen sich Sparer diese lieber selbst zusammenbasteln. von 

Der Mensch träumt schon lange von jenem fabelhaften Wesen, das alles kann: wie ein Hase Haken schlagen, wie ein Eichhörnchen jeden Baum erklimmen. Es hat Flügel zum Fliegen und treibt mit seinem Geweih jeden Gegner in die Flucht. Manchmal kommt es auch mit Keilerzähnen und Entenschnabel daher, doch einerlei: Seit der Antike kennt die Menschheit dieses Mischwesen, den die Bayern Wolpertinger getauft haben. Keiner verkörpert so gut unsere Mentalität, am liebsten alles in einem haben zu wollen – und das nicht nur im Tierreich. Auch in so komplizierten Dingen wie der Geldanlage wünscht sich der Mensch eine Spezies, die alle guten Eigenschaften bündelt. Deshalb hat er genau so ein Wesen gezüchtet: die Mischfonds. Sie sind die Wolpertinger der Finanzbranche, Anleger lieben sie.

Mischfonds haben als einzige Fondskategorie seit 2008 stetig Rendite abgeworfen und Jahr für Jahr mehr Geld eingesammelt: Allein seit Januar kauften die Bundesbürger Mischfonds für mehr als 1,5 Milliarden Euro, insgesamt sparen sie damit schon 120 Milliarden in solchen Papieren.

Anzeige

Manche nennen Mischfonds die »Investmentfonds für Unentschlossene«, denn sie nehmen dem Sparer vor allem eines ab: die Wahl, ob er sein Geld lieber in Aktien oder lieber in Anleihen stecken soll, ob er Rohstoffe beimischt oder vielleicht auf den Goldpreis wetten soll. Und vor allem: Wann er das wie intensiv tut.

Mischfonds

Mischfonds sind Investmentfonds, die ihr Geld in verschiedene Anlageklassen investieren, in Aktien, Anleihen, Geldmarktpapiere, Rohstoffe, Edelmetalle oder in Immobilien.

Ausgewogene Mischfonds teilen ihr Geld dabei gleichmäßig auf, der Fondsmanager wählt die entsprechenden Titel aus. Die flexiblen Fonds variieren die Anteile je nach Marktlage. Sie sind in guten Zeiten auch schon mal zu 100 Prozent in Aktien investiert oder in schlechten Zeiten zu null Prozent.

Innerhalb der flexiblen Fonds gibt es konservative Fonds, die stärker auf Renten- und Geldmarkttitel setzen. Solche Papiere begrenzen zwar das Risiko, aber sie bremsen auch die Renditemöglichkeiten, die sich gerade in lang anhaltenden Aufschwüngen ergeben. Aggressive Fonds dagegen legen einen großen Teil des Geldes in Aktien oder Gold an, dadurch können sie höhere Gewinne abschöpfen, fahren aber in schlechten Börsenphasen auch höhere Verluste ein. Ihre Kurse schwanken stärker, der Anleger bezahlt die höhere Renditechance mit einem höheren Risiko.

Dafür gibt es Fondsmanager, die je nach Marktlage entscheiden, wie viel Geld sie in welche Anlageklasse investieren. Idealerweise gehen sie höhere Risiken ein, wenn der Aktienmarkt gut läuft, und schichten das Geld zurück in sichere Anleihen, wenn die Zeiten schlechter werden. So können Anleger auch mit wenig Einsatz ihr Kapital breit streuen, mit Mischfonds kaufen sie sowohl Sicherheit als auch die Aussicht auf eine vernünftige Rendite ein.

In Zeiten der Finanzkrise waren Marktbeobachter voll des Lobes, als sie feststellten, dass sich Mischfonds mit ihrem Mix aus Aktien und Anleihen erheblich besser schlugen als andere Anlagen. Aber schaffen die Fonds es auch langfristig, das Geld nicht nur besser durch eine Baisse zu bringen, sondern auch mehr Rendite im Aufschwung einzufahren? Wie schlagen sie sich jetzt, wo der Markt wieder anzieht?

Weil Mischfonds inzwischen zur drittgrößten Fondsgruppe angewachsen sind, beobachteten jüngst einige Analysten genauer, ob diese Alleskönner wirklich alles können: Schon Ende vergangenen Jahres hatte Ali Masarwah von der Rating-Agentur Morningstar die Wertentwicklung der 90 flexiblen Mischfonds analysiert, die seit 2003 auf dem Markt erhältlich sind. »Nur die wenigsten überzeugen. Nicht einmal jeder vierte Fonds übertraf den Vergleichsindex«, sagte Masarwah, also einen 50:50-Mix aus zwei einfachen Indexpapieren: einem Indexfonds europäischer Staatsanleihen und einem weltweiten Aktienindexfonds. Während der Vergleichsindex zwischen 2003 und 2011 um 5,5 Prozent jährlich zulegte, schafften die Fonds im Schnitt lediglich vier Prozent. Heute, nach zehn Monaten Börsenaufschwung, fiele die Bilanz noch schlimmer aus. Die Mischfonds haben von Dezember 2011 bis Oktober 2012 im Schnitt 7,3 Prozent an Wert gewonnen. Kein schlechtes Ergebnis, hätten die teuren Fondsmanager die Hände in den Schoß gelegt und stattdessen die zwei Indexpapiere ins Depot gepackt, hätten sie das Doppelte erwirtschaftet.

Nun gibt es natürlich Mischfonds, die besser waren als der Vergleichsindex, wenn auch nur knapp, der beste gewann sogar 24 Prozent. Aber keiner von ihnen schlug den Index langfristig. »Man findet selten Fonds, die in jeder Marktlage gut sind«, sagt Masarwah. So gibt es Fonds, die in der Hausse gut abschneiden, weil deren Manager sich frühzeitig mit Aktien eindecken, in der Baisse aber meist zu spät verkaufen. Und es gibt jene Manager, die Crashs früh ahnen, dafür aber erst wieder in Aktien einsteigen, wenn ihnen der nächste Aufschwung davongelaufen ist.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Schlagworte Geldanlage | Fonds
    Service