Wer auch immer die HSH Nordbank führt, hat eine schwere Aufgabe. Dies galt für Paul Lerbinger, der nach nur rund 18 Monaten als Vorstandschef geht, dies gilt für Constantin von Oesterreich, der die Landesbank nach dem Willen von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper künftig führen und vergangene Woche an die Spitze berufen wurde.

Das rasche Ende Lerbingers, das eigenmächtige Handeln Koppers und die Sorge, dass die HSH Nordbank erneut in ernsten finanziellen Schwierigkeiten steckt, lassen dieser Tage Rufe laut werden, die Bank sei ein hoffnungsloser Fall. Womöglich müsse sie dem Beispiel der WestLB folgen und aufhören zu existieren. Doch diese Rufe sind derzeit unangebracht. Die Lage der HSH Nordbank ist schwierig, ja. Aber sie ist besser, als mancher derzeit glauben macht.

Ende 2008 war die HSH Nordbank, wie andere Landesbanken auch, in echte Not geraten. Ihre zwei Haupteigner, die Stadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein, retteten sie mit einer Kapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro sowie der Garantie, im Notfall Verluste von bis zu zehn Milliarden Euro zu schultern. Im Gegenzug erlegte die Europäische Kommission der Bank auf, viele Geschäfte abzustoßen. So wird die Bilanzsumme der HSH Nordbank von einst 208 Milliarden Euro auf bald 120 Milliarden Euro schrumpfen. Ein Teil davon ist mittelfristig zur Abwicklung vorgesehen, so dass im Kern eine Bank von 80 Milliarden Euro übrig bleiben wird. Es geht also um einen Kraftakt. Dieser geriet durch Schlagzeilen über dubiose Geschäfte und Spitzeleien immer wieder ins Stocken. Die von Profilneurotikern und Politikern beider Länder ständig aufs Neue befeuerte Unruhe ist es auch, die nun viele »Nicht schon wieder!« denken lässt. Wer dann von »neuen Hilfen« der Länder redet, beschwört den Eindruck herauf, es handele sich bei der HSH Nordbank um ein Fass ohne Boden. Doch wer dies tut, frönt mehr der Lust am Schaudern, statt auf die Fakten zu sehen.

Aktuell weist die HSH Nordbank eine Kapitalquote von 10,0 Prozent aus. Das ist nicht üppig, liegt aber über dem vorgeschriebenen Mindestwert von 9,0 Prozent. Die Bank prüft, wie sie ihr Sicherheitspolster erhöhen kann. Eine neue Kapitalspritze der Eigner ist dafür dem Vernehmen nach nicht vorgesehen, echtes Geld wird wohl erst mal nicht fließen. Denkbar wäre, die Verlustgarantie der Länder, die zwischenzeitlich auf sieben Milliarden Euro reduziert wurde, wieder auf zehn Milliarden Euro zu erhöhen, das aber nur, weil die Bank dann weniger Kapital vorhalten muss. Allerdings würde eine solche Maßnahme wieder die EU auf den Plan rufen, und so führt die Bank derzeit keine Verhandlungen über eine neuerliche Anhebung. Offenbar versucht sie, sich mit Bordmitteln zu behelfen. Das ist schwierig, doch keinesfalls unmöglich.

Was aber ist mit der verbleibenden Verlustgarantie? Seit Wochen wird geunkt, die Bank müsse schon bald auf die sieben Milliarden Euro zurückgreifen. Dabei wird gerne ignoriert, dass sie dies erst kann, wenn sie selbst Verluste von 3,2 Milliarden Euro geschultert hat. Bisher aber sind in dem Teil der Bank, über den die Länder ihren Garantieschirm aufgespannt haben, tatsächliche Verluste von nur 233 Millionen Euro angefallen. Und selbst wenn die Bank die Garantien ziehen könnte, dann nicht alle sieben Milliarden auf einmal, sondern Euro für Euro. Im Übrigen kann eine Gesamtrechnung nur aufmachen, wer die mehr als 1,2 Milliarden Euro berücksichtigt, die die Bank den Ländern für die Gewährung der Garantien bisher gezahlt hat, die Kosten der Länder für die Kapitalspritze sowie die Abschreibungen auf die Anteile an der HSH.

Einfach schließen sollte man die HSH Nordbank ohnehin nicht. Die Commerzbank zieht sich aus der Schiffsfinanzierung zurück, somit ist die HSH Nordbank dort mit 29 Milliarden Euro ein unverzichtbarer Finanzier dieser für Deutschland wichtigen Branche. Anders als die WestLB ist sie nicht ohne Weiteres zu ersetzen. Hiobsbotschaften sind leider gewiss, denn die Schiffsbranche hat derzeit schwer zu kämpfen und dürfte der Bank aktuell massiv Probleme bereiten. Umso wichtiger ist, dass Kopper, von Oesterreich und ihr Team sich bald wieder mit Sachfragen statt mit Personalien befassen.