Frage: Bei Loriot waren es die Frauen, die unermüdlich auf Männer einredeten; Eva aber hat mit Mathias das umgekehrte Problem. Im Familienalltag kommen sie gut zurecht, aber sobald sie zu zweit sind, hat Mathias immer allzu viel zu erzählen. Er breitet seine Projekte, seine Kränkungen, seine großen und kleinen Taten unbekümmert vor Eva aus.

Sie kommt kaum zu Wort. Manchmal versucht sie, etwas von ihren Problemen bei der Arbeit zu erzählen. Dann wird Mathias ungeduldig, er verlangt von ihr, sich zu wehren, sich durchzusetzen, nicht klein beizugeben, sich nichts gefallen zu lassen. Eva hat bald genug von solchen Ratschlägen und verlegt sich wieder aufs Zuhören. Sie fühlt sich zu kurz gekommen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eva sucht nach der Kunst, den Kuchen zu essen und zu behalten. Sie möchte durch ihr Vorbild als die perfekte Zuhörerin aus Mathias einen Menschen machen, der ebenso wie sie voller Empathie zuerst an andere denkt und dann erst an sich. Mathias wird ihre Rücksichtnahme liebend gerne konsumieren. Aber er wird nicht auf die Idee kommen, dass da ein Vorbild neben ihm trabt, das ihn zur Nachahmung bewegen möchte. Ein Reiter denkt auch nicht daran, dass er sein müdes Pferdchen tragen müsste.

Noch die schlichteste Ansage führt hier eher zum Ziel als solche Erwartungen. Eva muss dann einen Flecken auf ihrem Selbstbild dulden, sie sei der bessere, der weniger selbstbezogene Mensch.