LiebeskolumneWie bringt sie ihn dazu, ihr zuzuhören?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Was kann sie tun, damit er nicht immerzu redet? von Wolfgang Schmidbauer

Mann redet Frau ins Ohr, sie guckt genervt weg

Er redet und redet und redet...  |  © gennadi+ / photocase.com

Frage: Bei Loriot waren es die Frauen, die unermüdlich auf Männer einredeten; Eva aber hat mit Mathias das umgekehrte Problem. Im Familienalltag kommen sie gut zurecht, aber sobald sie zu zweit sind, hat Mathias immer allzu viel zu erzählen. Er breitet seine Projekte, seine Kränkungen, seine großen und kleinen Taten unbekümmert vor Eva aus.

Sie kommt kaum zu Wort. Manchmal versucht sie, etwas von ihren Problemen bei der Arbeit zu erzählen. Dann wird Mathias ungeduldig, er verlangt von ihr, sich zu wehren, sich durchzusetzen, nicht klein beizugeben, sich nichts gefallen zu lassen. Eva hat bald genug von solchen Ratschlägen und verlegt sich wieder aufs Zuhören. Sie fühlt sich zu kurz gekommen.

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Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eva sucht nach der Kunst, den Kuchen zu essen und zu behalten. Sie möchte durch ihr Vorbild als die perfekte Zuhörerin aus Mathias einen Menschen machen, der ebenso wie sie voller Empathie zuerst an andere denkt und dann erst an sich. Mathias wird ihre Rücksichtnahme liebend gerne konsumieren. Aber er wird nicht auf die Idee kommen, dass da ein Vorbild neben ihm trabt, das ihn zur Nachahmung bewegen möchte. Ein Reiter denkt auch nicht daran, dass er sein müdes Pferdchen tragen müsste.

Noch die schlichteste Ansage führt hier eher zum Ziel als solche Erwartungen. Eva muss dann einen Flecken auf ihrem Selbstbild dulden, sie sei der bessere, der weniger selbstbezogene Mensch.

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Leserkommentare
  1. Es ist intressant zu sehen, dass dort thematisiert wird, wer denn nun schlechter da steht und wer nicht. Allerdings lässt sich doch aus der obenstehende Kolumne keine Wertung lesen, wer denn nun in der Beziehung "Schuld" ist. Die Frau die sich nicht ändern möchte, oder der der Mann der nicht zuhört und damit die Zielgruppe Frau in der Kolumene angesprochen wird?
    Da muss wohl die Meinung, dass es bei Paarproblemen immer um Probleme bei 2en geht, redvidiert werden.
    Dabei umreisst die kurze Schilderung wohl eher ein generelles Problem im Verständnis Mann-Frau und umgekehrt. Männer und Fraugen gehen unterschiedlich mit Problemen um, vielleicht möchte die Frau gar keine Lösungsvorschläge, oder ist selbst dran schuld? Tja, dann wären wir wieder bei obigem Kommentar angelangt, aus dem ich aber auch etwas Neid herauslese. Die Kolume dagegen erfüllt Ihren Zweck, kurz umrissene Probleme, die Seitenlange Diskussionen nach sich ziehen, insofern bleibt es doch ein Genuss dies zu lesen und darüber zu debattieren. Niemand muss ein Buch kaufen, was nicht gefällt, die literarische Qualität leidet mit Sicherheit nicht unter Schmidbauers Veröffentlichungen, eher unter der xten Biografie die veröffentlicht wird - von mehr oder minder interessanten Persönchkeiten.
    Bleibt die Hoffnung auf intressante Beiträge.

  2. Ich mag den letzten Satz sehr: "Eva muss dann einen Flecken auf ihrem Selbstbild dulden, sie sei der bessere, der weniger selbstbezogene Mensch."

    So diplomatisch hätte ich es niemals ausdrücken können.

  3. Ich sehe es etwas anders. Es täte Mathias sicher keinen Abbruch, wenn er tatsächlich mal mehr zuhören würde und nicht sofort alles kommentieren und werten würde. Einfach nur zuhören, wie es ihr geht und auch zu akzeptieren, dass da jemand anders denkt und fühlt als er. Seine Ratschläge sind sicher gut gemeint. Doch sie helfen ja scheinbar nicht, warum also die gleiche Leier spielen? Ihr scheint es an Kraft zu fehlen, wäre es da nicht erst mal angebracht für den nötigen Halt zu sorgen, statt ihr ständig Fehlverhalten vorzuhalten.

    Und was anderes schoss mir beim Lesen noch durch den Kopf. Würde sie tatsächlich seinen Rat befolgen, müsste sie diesen auch in der Beziehung umsetzen und auf den Tisch hauen. Dass sie kuscht, könnte auch bedeuten, dass Sie Angst vor Konsequenzen hat oder Angst diese zu ziehen, zum Beispiel die Beziehung zu beenden.

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  • Serie Liebeskolumne
  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Kunst | Loriot | Arbeit
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