David Hockney99 Fragen an David Hockney

Mehr braucht kein Mensch von Moritz von Uslar

Brenners Park-Hotel in Baden-Baden, vielleicht doch das schönste Hotel in Deutschland. Er ist hier, um eine Woche lang nichts zu tun und es sich gut gehen zu lassen. Im Museum Ludwig in Köln eröffnet jetzt die Bilderschau »A Bigger Picture« . David Hockney , ein Großmeister der Malerei. Gehört er zu den drei oder fünf bedeutendsten Künstlern auf Erden? In den sechziger Jahren wandte er sich, gegen die Strömung der Zeit, der gegenständlichen Malerei zu, zog von England nach Los Angeles, galt bald als Vertreter der Pop-Art . Hockney gibt selten Interviews – und wenn doch, dann sind diese Interviews Sternstunden, in denen er eine tolle Verspieltheit, Ironie und Tiefsinn zeigt und die unverschämt gute Laune, die viele seiner Bilder auszeichnet. Von der Kunstkritik wurde Hockney vor Jahrzehnten in den Kanon der Großen aufgenommen, und doch haftet seiner Kunst bis heute ein Makel des zu Leichten, Gefälligen, Unernsten an: Seine Bilder sind schlicht zu schön. Ein Kritiker nannte Hockney einst den »Cliff Richard der Malerei«. In Suite No. 212 sitzt der Meister an seinem Schreibtisch. Er trägt: grauen Doppelreiher, ein blau-gelb-rot-weißes Hawaiihemd, zweifarbige Schuhe. Seine feinen, manikürten Hände fallen auf. Auf dem Schreibtisch liegen Zigaretten der Marken Camel und Magnum Classic Davidoff, zwei iPads, eines in grüner, eines in roter Lederhülle. Hockney bittet den Besucher, einen Sessel zu ihm heranzuziehen – der Interviewer wird während des einstündigen Gesprächs eine Kopfhöhe unter dem plaudernden Kopf des Künstlers sitzen und ihm das Aufnahmegerät entgegenstrecken. Hockney ist schwerhörig, an der Grenze zur Taubheit, die Fragen müssen in Brülllautstärke gestellt werden. Hinter dem Schreibtisch steht die Balkontür auf, der Vorhang bewegt sich im Wind, draußen geht ein Sturzregen in die Lichtentaler Allee hinab. Ein verschmitzt lächelnder Hockney, er klappt mit der rechten Hand sein rechtes Ohr nach vorne.

ZEITmagazin: Tee oder Kaffee?

David Hockney: Kein Koffein. Auch keinen Alkohol. Nun schon seit 15 Jahren.

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ZEITmagazin: Pfeife oder Zigarette?

Hockney: Beides.

ZEITmagazin: Pink oder Lila?

Hockney: Lila.

DAVID HOCKNEY

75, wurde im englischen Bradford geboren. 1964 zog er nach Los Angeles. Berühmt wurde er mit Bildern von Swimmingpools. Am 26. Oktober eröffnet im Kölner Museum Ludwig die Ausstellung »A Bigger Picture« mit Landschaftsbildern und Filmen (bis 3. Februar)

ZEITmagazin: Blau oder Hellblau?

Hockney: Blau.

ZEITmagazin: Morgen- oder Abendlicht?

Hockney: Morgenlicht. In Kalifornien liebe ich das Licht um fünf oder sechs Uhr früh. Ich könnte verrückt werden über diesem wunderbaren Licht. Verstehen Sie? Ich bin Maler!

Da! Ein erster Beweis seiner Originalität und Geistesgegenwart. »Ich bin Maler!« Toll.

ZEITmagazin:William Turner oder Paul Cézanne ?

Hockney:Cézanne .

ZEITmagazin:Richard Wagner oder die Pet Shop Boys ?

Hockney: Wagner.

ZEITmagazin: Kraulen oder Brustschwimmen?

Hockney: Brust. Ich schwimme jeden Morgen. Schwimmen ist mein Sport.

Der Fragensteller brüllt, Hockney antwortet leise. Sein vornehmer englischer Akzent. Vielleicht muss man doch nicht so laut brüllen. Er hält immer noch sein Ohr nach vorne gedrückt. Er hat Spaß an dieser Sache, aber es muss jetzt, für seinen Geschmack, doch noch ein bisschen mehr kommen: Geist? Tiefsinn? Ironie? Bitte etwas in der Richtung! Hockneys Augen hinter den Brillengläsern blitzen.

ZEITmagazin: Wie geht’s den Ohren?

Hockney: Schlecht. Wirklich sehr schlecht. Ich verliere mein Gehör. Ich kann kaum noch Musik hören, und es geht rapide abwärts in diesen Tagen. Ich muss davon ausgehen, dass ich bald vollständig taub bin.

ZEITmagazin: Wie geht’s den Augen?

Hockney: Sehr gut. Ich sehe alles, manchmal mehr, als mir lieb ist.

ZEITmagazin: Richtig, dass Sie auch deshalb meistens Hut tragen, weil Ihr Augenlicht so sensibel ist?

Hockney: Ich trage immer Hut, und richtig, es ist kein Mode-Statement. Ich bin sehr lichtsensibel. In Kalifornien würde ich ohne Hut niemals vor die Tür treten.

ZEITmagazin: Im Rückblick auf die letzten 25 Jahren: Macht Älterwerden Spaß?

Hockney: Geht so. Echt: geht so. Ich habe mein ganzes Leben immer gerne gelacht, insofern... Ein befreundeter Arzt hat mir das Lachen empfohlen. Er sagt: Ein Körper, der lacht, kann, während er lacht, keine Angst empfinden. Ein Moment der Erholung.

ZEITmagazin: Mit 75, tragen Sie immer noch gerne verschiedenfarbige Socken?

Hockney: Socken sind mir gleich.

ZEITmagazin: Richtig, dass die Theorie des Passivrauchens Unsinn ist?

Hockney: Absoluter Nonsens, ja.

Leserkommentare
    • Mari o
    • 25. Oktober 2012 22:32 Uhr

    manchmal bin ich froh,dass ich mich der Weltberühmtheit verweigere
    so schickt mir DIE ZEIT auch keinen Reporter der mich interviewt.
    und der Reporter interessiert sich nicht für Bilder,sondern nur für die story.(Leider hat sich D.H. nie ein Ohr abgeschnitten.)
    aber David Hockney ist naturgemäß ein sehr höflicher Mensch,und
    sagt brav,dass es in Deutschland immer gute Maler geben würde.
    wer´s glaubt.Das Foto von D.H.mit dem Pudel sagt mehr als alle Worte.Heisst der Mephisto?
    also ich verehre D.H. sehr,besonders die Wasserstudien von 1976
    und sein Buch über die Spiegellinse ist ganz große Kunst.

  1. Respekt.

    Ein Großer... auch im Humor.

    Wetering

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