MasterstudiengängeVon Thailand bis Oslo

Es geht auch anders: Nicht immer muss der Aufbaustudiengang genau zum Bachelor passen. Wir stellen sechs Programme vor, die in neue Richtungen zielen. von Leonie Achtnich

Umsichtige Bachelorstudenten verlassen sich nicht auf den konsekutiven Masterstudiengang an der eigenen Uni, sondern schauen, was es sonst noch gibt. Deutschlandweit werden derzeit rund 6.700 Masterstudiengänge angeboten, knapp 500 mehr als im Vorjahr. Wer sich rechtzeitig informiert, kann etwas für sich entdecken und Zusatzqualifikationen für den Beruf sammeln. Denn für den Master lassen sich viele Unis spannende Programme einfallen. Hier sind einige davon:

»Global Health«, Universität Maastricht

Wie plant man ein Flüchtlingslager? Welche Impfstoffe werden gebraucht, welche Lebensmittel? Welche sozialen Bedingungen beeinflussen die Gesundheit? Mit solchen Fragen hat sich Vanessa Hugo im vergangenen Jahr auseinandergesetzt – im Master »Global Health« an der Uni Maastricht. Vorher hat sie einen Bachelor in Politik gemacht. »Globalisierung und Gesundheit hängen eng zusammen«, sagt Studiengangskoordinatorin Anja Krumeich. Ob es nun um den Zusammenhang von Armut und Gesundheit geht, um Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen oder Gesundheitsfinanzierung – der Studiengang hat es sich zum Ziel gesetzt, die Themen international zu beleuchten. International ist auch das Programm: Vanessa Hugo war ein Semester in Thailand, zwei Wochen in Indien, die Masterarbeit hat sie beim Roten Kreuz in Kenia geschrieben. Bewerben darf sich, wer einen interdisziplinären Ansatz und Interesse am Thema vorweisen kann, biologische oder medizinische Vorkenntnisse sind von Vorteil.

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»Transcultural European Outdoor Studies«, Universität Marburg

Das studentische Unterwegssein – an dieser Tradition orientiert sich der Marburger Studiengang, der die Bildungsreise der Studenten in den Vordergrund stellt. Sie verbringen gemeinsam ein Semester in Oslo (Norwegen), eines in Cumbria (England) und ein Semester in Marburg. Dort lernen sie jeweils nationale Zugänge zur Outdoor-Pädagogik kennen und vergleichen das norwegische Friluftsliv, die englische Outdoor Education und die deutsche Erlebnispädagogik. Das englischsprachige Programm wird von der EU mit dem Erasmus-Mundus-Stipendium gefördert, jährlich werden circa zehn Vollstipendien und fünf Teilstipendien vergeben.

»Kognitionswissenschaft«, Uni Tübingen

Wie denken wir? Wie funktioniert Sprache? Wie könnten die Roboter beschaffen sein, die in der Pflege arbeiten? Wer sich für solche Fragen interessiert, der kann sich im Masterstudiengang »Kognitionswissenschaft« wiederfinden. Interdisziplinäre Denker sind hier erwünscht: Studenten der Informatik, Psychologie, Biologie, Linguistik und Philosophie untersuchen zusammen mit Kognitionswissenschaftlern kognitive Prozesse, also Sprechen, Denken, Wahrnehmen und Handeln. Die Studenten können zwischen den Schwerpunkten Informatik, Kognitive Neurowissenschaft, Kognitionspsychologie und Linguistik wählen. Später arbeiten sie an den Schnittstellen mehrerer Disziplinen, etwa in der Robotik.

»Renewable Energy Design«, FH Erfurt

»Die Technik der erneuerbaren Energien ist auf einem sehr hohen Stand«, sagt Professor Horst Schumacher von der FH Erfurt, »aber im Landschaftsbild sieht sie oft fürchterlich aus.« Der Master »Renewable Energy Design« an der FH Erfurt hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gestaltungsmöglichkeiten dieser Technik auszutesten. Die Absolventen sollen in der Lage sein, rechtliche, physikalische, ökologische, planerische und gestalterische Aspekte zu verknüpfen, um so am Gestaltungsbild der neuen Technik in der Gesellschaft mitwirken zu können. So sollen Ästhetik und Ökonomie, Ingenieurwissenschaften und Design verbunden werden. Die Studenten kommen aus der Architektur, der Landschaftsarchitektur, aus Forst- und Gartenbau, den Studien der Erneuerbaren Energien oder den Wirtschaftswissenschaften.

»Politik und Deutsche Nachkriegsgeschichte«, FU Berlin

An sieben Wochenenden, verteilt über drei Semester, stehen bei diesem weiterbildenden Masterstudiengang in der Europäischen Akademie in Berlin-Grunewald Seminare zu den folgenden Themen auf dem Studienprogramm: der Zusammenbruch des Nationalsozialismus und internationale Rahmenbedingungen nach 1945, der Weg zur Gründung der beiden deutscher Staaten, Geschichte und Strukturen von DDR und Bundesrepublik sowie innerdeutsche Beziehungen, der Vereinigungsprozess und die Rolle Deutschlands im erweiterten Europa. Der berufsbegleitende Masterstudiengang richtet sich an politisch Interessierte mit einem akademischen Abschluss – etwa im Bereich Pädagogik – und ersten Berufserfahrungen.

»Global History«, FU und HU Berlin

Was bedeutet es für die Geschichte, wenn die Welt sich zunehmend vernetzt? Dieser zentralen Frage widmet sich der neue Studiengang der Berliner Universitäten, für den verschiedene Institute kooperieren, etwa der Geschichts-, Asien- und Islamwissenschaften. Die Studenten wählen als Schwerpunkt eine Region, etwa Ostasien, Islamische Welt, Nord- oder Südamerika, Europa oder Afrika, und untersuchen dann lokale Phänomene vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt. Zugelassen werden vor allem Bachelorabsolventen der Geschichte, der Regionalwissenschaften und der China- oder Nordamerikastudien.

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Leserkommentare
  1. Solche exotischen Studiengänge haben den Vorteil, daß man bei der Jobsuche sehr mobil sein muß.

    Wer nicht weit vom Elternhaus weg will, muß Lehramt, Maschbau, E-Technik oder Informatik studieren.

    Da bekommt man immer und überall einen Job, und spart auch noch Geld wegen der Umzieherei.

    "Renewable Energy Design"
    Den Leuten die Windräder schmackhaft zu machen ist keine technische oder ästhetische Anglegenheit, sondern ein psychologische.

    Straßen, Autos und neuerdings Logistikzentren verschandeln die Städte und die Landschaft genauso.
    Nur hat sich die Menschheit schon daran gewöhnt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Design ist glücklicherweise ebenso eine psychologische Angelegenheit und mitnichten nur eine ästhetische. Kein Grund zur Sorge also.

    Bei der Verwendung des Begriffs sollte man sehr auf den Kontext achten, wenn es in einem englischen Satz bzw. einer englischen Bezeichnung steht. Bei Design geht es nicht nur rein um das optische Bild, wie wir Design bei Medien oder Textilien kennen, sondern eher im wie bei "Urban Design", was im Deutschen mit Städtebau, also Verknüpfung von Architektur und Bauingenieurwesen, kennen. In der Beschreibung steht ja auch, daß Bereiche der Ökonomie und Ingenieurswissenschaften relevant sind -- vermutlich relevanter als die Frage, wie ein hübsches Windrad als Kunstwerk unters Volk gebracht werden kann.

    Ansonsten stimmt aber, daß man es mit solch exotischen Fächern nicht einfach hat. Dennoch würde ich nicht sagen, daß Flexibilität auf die Mobilität bezogen ist. In vielen Städten Norddeutschlands, z.B. in Hamburg und Umland, hat die Windkraft einen Stellenwert, wie die Autobauer im Süden. Wer in Wanne-Eickel bleiben möchte, sollte in der Tat sein Glück mit Lehramt versuchen. Maschinenbau oder Informatik hilft da aber auch wenig.

  2. Design ist glücklicherweise ebenso eine psychologische Angelegenheit und mitnichten nur eine ästhetische. Kein Grund zur Sorge also.

    Antwort auf "Mobilität"
  3. Bei der Verwendung des Begriffs sollte man sehr auf den Kontext achten, wenn es in einem englischen Satz bzw. einer englischen Bezeichnung steht. Bei Design geht es nicht nur rein um das optische Bild, wie wir Design bei Medien oder Textilien kennen, sondern eher im wie bei "Urban Design", was im Deutschen mit Städtebau, also Verknüpfung von Architektur und Bauingenieurwesen, kennen. In der Beschreibung steht ja auch, daß Bereiche der Ökonomie und Ingenieurswissenschaften relevant sind -- vermutlich relevanter als die Frage, wie ein hübsches Windrad als Kunstwerk unters Volk gebracht werden kann.

    Ansonsten stimmt aber, daß man es mit solch exotischen Fächern nicht einfach hat. Dennoch würde ich nicht sagen, daß Flexibilität auf die Mobilität bezogen ist. In vielen Städten Norddeutschlands, z.B. in Hamburg und Umland, hat die Windkraft einen Stellenwert, wie die Autobauer im Süden. Wer in Wanne-Eickel bleiben möchte, sollte in der Tat sein Glück mit Lehramt versuchen. Maschinenbau oder Informatik hilft da aber auch wenig.

    Antwort auf "Mobilität"
    • Mike M.
    • 05. November 2012 10:49 Uhr

    ...zu studieren, ist sehr gefährlich. Vielleicht mag der ein oder andere Aspekt derzeit hochaktuell sein. Aber wie viele Flüchtlingslagermanager braucht der Arbeitsmarkt wirklich? Und würde ich nicht eher einen Arzt mit entsprechender praktischer Erfahrung mit so einer Aufgabe betrauen.

  4. es gibt jetzt für jede pupsduftnote einen eigenen studiengang.

    und das angesichts der tatsache, dass nach 10 jahren 80 % nicht mehr in dem fach arbeiten, welches sie studiert haben.
    der wust wird immer größer und das ist absolut unnötig.

  5. "An sieben Wochenenden, verteilt über drei Semester"

    Das nenne ich mal einen inhaltsstarken und anspruchsvollen Master. Dürfen die das wirklich so nennen?

  6. 7. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

  7. 8. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

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  • Schlagworte Master | Studiengang | Universität
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