Resigniert, politikverdrossen, in das Privatleben zurückgekuschelt – das Bild, das von jener Generation gezeichnet wird, die sich gerade anschicken sollte, Verantwortung in Österreich zu übernehmen, fällt häufig düster aus. Tatsächlich strampeln viele in prekären Lebenssituationen. In ihrer Zukunft lauern viele Ungewissheiten. Es dämmert ihnen bereits zu Beginn ihrer Karrieren, dass sie häufig Mühe haben werden, den Standard der Elterngeneration aufrechterhalten zu können.

Wir wollten allerdings nicht glauben, dass die tristen Perspektiven eine Generation kollektiv zu entmutigen vermögen. Die ZEIT ersuchte deshalb eine Reihe renommierter Experten, junge Persönlichkeiten zu empfehlen, denen sie in den jeweiligen Fachgebieten zutrauen, eines Tages in ihre Fußstapfen zu treten. Wir wollten eine jungen Garde vorstellen, die in ihren Disziplinen einmal wichtige Beiträge für die Entwicklung in diesem Land beisteuern könnten. Einzige Vorgabe für die Mentoren: Es sollte absehbar sein, dass die Nominierten auch künftig ihren Arbeitsmittelpunkt in Österreich haben werden, sich also nicht dem Braindrain anschließen. Keine leichte Aufgabe: Alle der von uns Befragten brauchten lange Zeit, um ihre Wahl zu treffen.

Regisseur Stefan Ruzowitzky, dessen Film Die Fälscher 2008 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, entschied sich für den Festival-Gründer und Kurzfilm-Gestalter Christoph Rainer, der derzeit in New York studiert.

Der frühere Abgeordnete Johannes Voggenhuber, Mitglied im Verfassungskonvent, glaubt, dass Jakob Redl, sein ehemaliger Mitstreiter bei den Grünen, dem Projekt Europa wesentliche Impulse liefern könnte. Derzeit arbeitet Redl in Berlin.

Der Philosoph Konrad Paul Liessman, Wissenschaftler des Jahres 2006, glaubt, dass seine junge Kollegin Sophie Loidolt auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften eine herausragende Stellung einnehmen könnte.

Die Biochemikerin Renée Schröder, Trägerin des Wittgenstein-Preises 2003, der wichtigsten Wissenschaftsauszeichnung der Republik, fand mit Alipasha Vaziri in den Labors des Wiener Biocenters einen jungen Forscher, der drauf und dran ist, in eine neue Dimension der Naturwissenschaft vorzustoßen.

Der ehemalige Landwirtschafts-Kommissar der EU, Franz Fischler, dessen Interesse dem breiten Problemfeld der Nachhaltigkeit gilt, sieht in der Sozialunternehmerin Katharina Norden ein Zukunftsversprechen, das sich mit ihren Projekten der erneuerbaren Energie des menschlichen Geistes widmet.

Anneliese Rohrer, die Doyenne der österreichischen Publizistik, versuchte selbst, den Unmut der Bevölkerung mit den herrschenden Zuständen in einem von ihr gegründeten »Mutbürger«-Kreis in konstruktive Bahnen zu lenken. Sie reicht die Fackel der Zivilcourage an die Aktivistin Romy Grasgruber weiter, die sich mit moderner Technik gegen Gleichgültigkeit engagiert.

Wir werden in den folgenden Ausgaben diese kleine Galerie potenzieller Helden von morgen fortsetzen, beispielsweise mit außergewöhnlichen Begabungen auf den Gebieten von Architektur, Spiritualität oder der Finanzindustrie.

Die Geschichten, die sich über all diese jungen Talente erzählen lassen, erlauben es, zuversichtlich den Blick über die Malaise eines Gemeinwesens hinauszurichten, das scheinbar in Korruption und Parteigezänk versinkt. Solche Leute braucht das Land.

Joachim Riedl