Outdoor-FilmfestivalVöllig losgelöst
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 "Die Filme dienen als Ansporn, selbst etwas zu tun"

ZEIT: So wie die des Extremsports auch – wohin geht da die Entwicklung?

Hellinger: Der Abenteurer des 21. Jahrhunderts baut auf die Erfahrungen, die in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten gemacht wurden. Zusätzlich verfügt er über erstklassige Ausrüstung, ist dank moderner Kommunikationsmittel auch am Ende der Welt noch erreichbar. Heute kann er nachts in der Arktis auf einer sinkenden Eisscholle stehen und in letzter Sekunde noch irgendeinen roten Knopf drücken und gerettet werden. Das erzeugt neuerdings schon wieder den gegenteiligen Effekt: den Trend, bewusst auf Sicherheit zu verzichten, ohne Ausrüstung durchs Amazonasgebiet zu laufen, ohne Seil Steilwände hochzuklettern. 

ZEIT: Welche Sportarten liegen momentan besonders im Trend?

Hellinger: Slacklining, also das Balancieren auf einem Band, erlebt immer noch einen Boom. Wir haben dieses Jahr den Film Sketchy Andy im Programm – über Andy Lewis, einen Fanatiker, der ohne jede Sicherung über Canyons balanciert, auch mal nackt, und in dieser Höhe Rückwärtssalti macht. Auch Base-Jumping hat sich enorm weiterentwickelt. Früher sprang man einfach mit dem Fallschirm von irgendeinem Gebäude herunter. Heute stürzt man sich in einem Anzug mit Flügelflächen zwischen Armen und Beinen von den Klippen und versucht, so nahe wie möglich entlang der Felswand zu fliegen, wie im Film Birdmen. Das nennt sich Wingsuite Proximity Flying.

ZEIT: Gibt es etwas, das Sie als Filmemacher selbst nicht drehen würden, weil es Ihnen zu extrem ist?

Hellinger: Wir haben im vorletzten Jahr einen Film über einen berühmten amerikanischen Kletterer gezeigt, der »free solo«, also ohne Sicherung, im Yosemite-Park eine tausend Meter hohe senkrechte Wand hochkletterte. Es ist ein fantastischer Film – aber ich bin nicht sicher, ob wir diese waghalsige Aktion selbst gedreht hätten.

ZEIT: Mittlerweile besuchen jährlich ungefähr 130.000 Leute Ihr Festival. Wie erklären Sie sich das wachsende Interesse?

Hellinger: Je virtueller unsere Welt wird, desto größer ist die Sehnsucht nach wahren Geschichten und Helden, nach Authentizität und Abenteuer. Hinzu kommt, dass Outdoor-Erlebnisse in gewisser Weise nachvollziehbar sind: Jeder kann sein eigenes persönliches Abenteuer haben, wenn er will. Natürlich nicht unbedingt in dieser extremen Form. Aber die Filme dienen schon als Ansporn, selbst etwas zu tun. Wir bekommen sehr viel Feedback, zum Beispiel Postkarten, auf denen steht, dass die EOFT jemanden zu einer Weltreise inspiriert hat, zu einer Transalp mit dem Mountainbike oder einer Bergtour im Himalaya.

ZEIT: Und was war das letzte Abenteuer, das Sie selbst erlebt haben?

Hellinger: Das größte Abenteuer sind inzwischen meine fünf Kinder. Und meine Firma. Aber es gibt sie noch, die Sehnsucht.

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Leserkommentare
  1. was Mensch so leisten kann.

  2. Freue mich schon auf den Termin in Freiburg in zwei Wochen.

    "Aber die Filme dienen schon als Ansporn, selbst etwas zu tun. Wir bekommen sehr viel Feedback, zum Beispiel Postkarten, auf denen steht, dass die EOFT jemanden zu einer Weltreise inspiriert hat, zu einer Transalp mit dem Mountainbike oder einer Bergtour im Himalaya."

    Und ich hoffe, dass es so bleibt. Wenn ich vollkommen unrealistisches sehen möchte, schmeiße ich die DVDs der bekannten Filmeschmieden in den PC (z.B. Matchstick Productions oder eben RB Media House)

  3. "Aber die Filme dienen schon als Ansporn, selbst etwas zu tun."

    Mir gehen die Filme schon viel zu weit. Sie produzieren eine Sehnsucht, die nur noch durch viel Geld und eine seltsame Verquickung von Lebensfreude und Lebensverachtung zu erreichen ist.

    Es ist wie ein Homerun gegen den Tod, die Opfer interessieren kaum, und wenn, zeichnet sich auch da schon eine gewisse Sensatoinsgier ab (ich erinnere nur mal an das Krokodil vom letzten Jahr).

    Das alles ergibt eine ambivalente Stimmung zwischen Faszination und dekadenter Werteverachtung.
    Wobei der Großteil der Zuschauer perfekt den negativen Aspekt ausblendet. Das erschreckt am meisten.

    Moderne Spartakus-Kämpfe eben.
    Ich mag dann eher die leisen Dinge da draußen, die weitaus faszinierender sein können und nicht beim allerkleinsten Fehler zum Tod führen.

  4. Der eigentlich wichtigste Beitrag bei der EOFT 2011 war defintiv der Film über die Plastiktüte. Leider hatte ich den Eindruck, dass 90% der Anwesenden den Inhalt dieses Filmes nicht verstanden haben - die haben nämlich gelacht und applaudiert... traurig...

    Ansonsten bin ich auch auf die neuen Kurzfilme gespannt. Vielleicht is ja auch diesmal wieder so ein kritische Beitrag dabei.

    • wombatt
    • 14. November 2012 14:07 Uhr

    Eine gerne aufgestellte Behauptung, aber ich denke keiner der Protagonisten würde Ihnen da zustimmen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wombatt
    • 15. November 2012 9:33 Uhr

    Bezog sich auf Kommentar 4.

  5. Schreiben sie sich bei einem Volkstriathlon ein:
    500m Schwimmen, 10-25km Radfahren und 5km Laufen. Es genügt garantiert die alte Badehose, ein durchschnittliches Treckingrad oder MTB, das unvergessliche Erlebnis ist garantiert.

  6. Ich kann mich der Meinung vieler Vorredner nur anschließen, die Filme von EOTF wissen zu überzeugen. Sie glänzen mit Ehrlichkeit und Authentizität. Da ich selbst viel im Outdoor-Bereich unterwegs bin und gerne versuche meinen Körper an grenzen zu bringen, weiß ich nur zu gut, was die Leute in den Filmen eigentlich leisten bzw. ihren Körpern zumuten...Wahnsinn!

    Übrigens habe ich letzte Woche ein tolles Startup (und das soll keine versteckte Schleichwerbung sein!) im Outdoor-Bereich entdeckt, wo man weltweit geführte Touren, Kurse etc. buchen und auch bewerten kann: http://www.guiders.de

    • Felefon
    • 14. November 2012 23:43 Uhr

    Für viele ältere Mitbürger ist bereits der Gang zur Toilette Extremsport.

    Da dreht keiner Filme drüber.

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