DIE ZEIT: Als Sie vor eineinhalb Jahren überraschend als Regierungsmitglied präsentiert wurden, wurden Sie von den Medien noch vor der Angelobung verhöhnt – wir nehmen uns dabei gar nicht aus. »Schnösel« war noch ein nettes Wort. Wollten Sie nicht sofort wieder alles liegen und stehen lassen?

Sebastian Kurz: Die Reaktionen haben mich nicht sonderlich überrascht. Als mich Michael Spindelegger gefragt hat, ob ich in seinem Team den Integrationsstaatssekretär machen würde, habe ich gesagt, dass es mich zwar interessieren würde, aber die Medien es nicht zulassen werden, dass ein 24-Jähriger Staatssekretär wird. Die würden mich umbringen.

ZEIT: Sie haben wirklich diese Worte verwendet?

Kurz: Ja. Und ich habe recht behalten, wir sind monatelang verdroschen worden. Erst ab September standen wir durch unsere gute Sacharbeit halbwegs solide da.

ZEIT: In einer Partei muss man normalerweise die Ochsentour absolvieren, bevor man eine Spitzenposition erreicht. Sie mussten das nicht. Wie wurde das in der ÖVP aufgenommen?

Kurz: Es war nicht leicht. Nur die Junge ÖVP trat für mich ein, und immer wieder bekam ich ein SMS von Kollegen, wenn sie mich wieder gegen jemanden verteidigt hatte.

ZEIT: Bleiben nach so etwas Narben zurück?

Kurz: Ich sehe das inzwischen von zwei Seiten. Negativ war, dass es eine irrsinnig herausfordernde Zeit war und ich es wirklich niemandem wünsche, so von den Medien verprügelt zu werden. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine gute Schule, man lernt in jungen Jahren, dass einen nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringt. Am Anfang hat mich ein Freund angerufen und gemeint: »Mach dir nichts daraus, tu das, was du für richtig hältst, und was die Medien schreiben, ist nicht so wichtig.« Als es dann ein halbes Jahr später gut gelaufen ist, hat er mich wieder angerufen und gemeint: »Was ich damals gesagt habe, gilt auch noch heute.«

ZEIT: Das Lob in den Medien ist nicht wichtig?

Kurz: Genau. Politik ist kein Beliebtheitswettbewerb. Man muss das tun, was man für wichtig hält. Aber natürlich ist es wesentlich angenehmer, wenn es gerade gut ankommt, was man tut.

ZEIT: Warum traten Sie mit 17 der Jugendorganisation der ÖVP bei?

Kurz: Ich habe mich schon sehr früh politisch interessiert und auch das Bedürfnis entwickelt, politische mitreden zu wollen. Die JVP hat mir gefallen, und ich bin dort geblieben. Werte wie Eigenverantwortung waren mir damals schon sehr wichtig, ebenso wie Leistung und Freiheit – ich wusste also, dass die JVP am ehesten das widerspiegelt, was mich ideologisch ausmacht.