Sebastian Kurz"Es ist ein totaler Intrigen-Stadl"

Das jüngste Regierungsmitglied Österreichs, Sebastian Kurz, über Medienattacken und darüber, was er an der Politik auszusetzen hat von  und

Sebastian Kurz, mit 26 Jahren Staatssekretär für Integration, in seinem Büro vor einem Bild von New York

Sebastian Kurz, mit 26 Jahren Staatssekretär für Integration, in seinem Büro vor einem Bild von New York  |  © Gianmaria Gava für DIE ZEIT

DIE ZEIT: Als Sie vor eineinhalb Jahren überraschend als Regierungsmitglied präsentiert wurden, wurden Sie von den Medien noch vor der Angelobung verhöhnt – wir nehmen uns dabei gar nicht aus. »Schnösel« war noch ein nettes Wort. Wollten Sie nicht sofort wieder alles liegen und stehen lassen?

Sebastian Kurz: Die Reaktionen haben mich nicht sonderlich überrascht. Als mich Michael Spindelegger gefragt hat, ob ich in seinem Team den Integrationsstaatssekretär machen würde, habe ich gesagt, dass es mich zwar interessieren würde, aber die Medien es nicht zulassen werden, dass ein 24-Jähriger Staatssekretär wird. Die würden mich umbringen.

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ZEIT: Sie haben wirklich diese Worte verwendet?

Kurz: Ja. Und ich habe recht behalten, wir sind monatelang verdroschen worden. Erst ab September standen wir durch unsere gute Sacharbeit halbwegs solide da.

ZEIT: In einer Partei muss man normalerweise die Ochsentour absolvieren, bevor man eine Spitzenposition erreicht. Sie mussten das nicht. Wie wurde das in der ÖVP aufgenommen?

Kurz: Es war nicht leicht. Nur die Junge ÖVP trat für mich ein, und immer wieder bekam ich ein SMS von Kollegen, wenn sie mich wieder gegen jemanden verteidigt hatte.

Sebastian Kurz

Böser Spott empfing Sebastian Kurz, als er, das jüngste Regierungsmitglied in der Geschichte, im April 2011 das neu geschaffene Staatssekretariat für Integration übertragen bekam. Der Jus-Student sei »ein Schnösel aus Hietzing«, lautete der Tenor in den Medien. Der heute 26-jährige Nachwuchspolitiker wuchs jedoch in Wien-Meidling auf, wo er bis heute wohnt. 2003 trat er der Jungen ÖVP Wien bei, wurde 2007 Landes- und 2009 Bundesobmann. Größere Aufmerksamkeit erregte er erstmals, als er 2010 den Wiener Gemeinderatswahlkampf mit dem Motto »Schwarz macht geil« bestritt.

ZEIT: Bleiben nach so etwas Narben zurück?

Kurz: Ich sehe das inzwischen von zwei Seiten. Negativ war, dass es eine irrsinnig herausfordernde Zeit war und ich es wirklich niemandem wünsche, so von den Medien verprügelt zu werden. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine gute Schule, man lernt in jungen Jahren, dass einen nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringt. Am Anfang hat mich ein Freund angerufen und gemeint: »Mach dir nichts daraus, tu das, was du für richtig hältst, und was die Medien schreiben, ist nicht so wichtig.« Als es dann ein halbes Jahr später gut gelaufen ist, hat er mich wieder angerufen und gemeint: »Was ich damals gesagt habe, gilt auch noch heute.«

ZEIT: Das Lob in den Medien ist nicht wichtig?

Kurz: Genau. Politik ist kein Beliebtheitswettbewerb. Man muss das tun, was man für wichtig hält. Aber natürlich ist es wesentlich angenehmer, wenn es gerade gut ankommt, was man tut.

ZEIT: Warum traten Sie mit 17 der Jugendorganisation der ÖVP bei?

Kurz: Ich habe mich schon sehr früh politisch interessiert und auch das Bedürfnis entwickelt, politische mitreden zu wollen. Die JVP hat mir gefallen, und ich bin dort geblieben. Werte wie Eigenverantwortung waren mir damals schon sehr wichtig, ebenso wie Leistung und Freiheit – ich wusste also, dass die JVP am ehesten das widerspiegelt, was mich ideologisch ausmacht.

Leserkommentare
  1. zum Ersten hat Hr. Kurz mit seiner plakativen Aussage des Intrigantenstadels grundsätzlich recht aber - und das weiß er seit seiner Aktivitäten in der Jugendorganisation - trifft dies auch auf seine Partei zu und als Staatssekretär und Mitglied ist er Teil des Systems. Und ohne diesem Aspekt wäre er wohl nie zu diesem Posten gekommen.
    Zur Sache selbst gilt es aus m. Sicht zu diskutieren was ist den die Politik des Hrn. Kurz - abgestimmt mit der Innenministerin die als Hardlinerin gilt, stellen die beiden das klassische Paar "gut - böse" dar und versuchen so ein breites Spektrum der politischen Bevölkerung anzusprechen.
    Sachpolitik ist teilweise nicht vorhanden - populistische Treffen mit "integrierten" Einwanderern, die auch sonst von vielen Adabei-Seiten lachen oder sich in Klassen mit Migranten zu setzen. Beides ist ein zur Schau stellen aber keine Politik.
    Ich habe Hrn. Kurz noch nie in einem Ausländer dominierten Bezirk gesehen um sich mit den Frauen zu unterhalten und überhaupt einmal in Erfahrung zu bringen, warum deren Integration bis dato nicht funktionierte und sie nach wie vor nur in ihrem eigenen Umfeld sind. Ich habe ihn auch noch nie in einem Gespräch mit einem(r) Jugendlichen der 3ten/4ten Generation gesehen um zu erfahren warum diese(r)nicht wirklich arbeiten oder deutsch lernen will. Leider wird nicht nur in seinem Intrigantenstadel Integrationspolitik vom Schreibtisch aus gemacht, die wirkliche Arbeit machen immer noch die Vereine und Sozialgruppen vor Ort.

    Eine Leserempfehlung
  2. Als nicht unbedingt ÖVP- Wähler bin ich zu der Ansicht gekommen, dass sich viele der "Alten" von diesem Jungen was abschneiden könnten, was die Aussagen und das Engagement für die ihm anvertrauten Belange angeht. Vielleicht kommt das auch daher, dass er eben nicht die "Ochsentour" absolviert hat, sonst wäre er vielleicht gleich "angepasst" wie halt Politiker (aller Parteien!) so sind..ob er in der (europaweit) verfahrenen Situation der Integration sehr viel erreichen wird, wird von den Intriganten auf beiden Seiten (der Grenze im Kopf!) abhängen. Es wäre zu wünschen, im Sinne Aller ...

  3. Sebastian Kurz ist sicher der Staatssekretär mit der höchsten Medienpräsenz. Ich finde alles, was er sagt, richtig und vernünftig. Leider sind es fast immer irgendwelche Ankündigungen und Forderungen, konkretes Handeln sah ich nur selten, da wäre vielleicht mal eine Recherche angebracht, was Herr Kurz so alles geleistet hat bisher. Zumindest eine große Leistung ist es, daß in dieser Weise über das Thema integration diskutiert wird.

    Mir ist insgesamt eher unheimlich deswegen, wie präsent Herr Kurz in den Medien ist. Entschieden widersprechen muß ich der Aussage, daß er zu Anfang seiner Arbeit angefeindet wurde. Es herrschte in allen Blättern Optimismus und ist weiterhin der Sonny Boy der Regierung.

  4. Würde mir wünschen, dass 2013 nach den Wahlen der jetzige Weg fortgesetzt wird. Alles Gute dafür (und die entsprechende Einsicht und Weitsicht bei der eigenen Partei *g* )!

    Gruß
    Rappelkopf

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    Der nunmehrige Außenminister Sebastian Kurz blickt noch immer weit über den Tellerrand der ÖVP hinaus. Sogar ziemlich eindruckvoll, wie kürzlich bei der Rede vor der UNO zu bemerken war.
    Chapeau!
    Rappelkopf

  5. Der nunmehrige Außenminister Sebastian Kurz blickt noch immer weit über den Tellerrand der ÖVP hinaus. Sogar ziemlich eindruckvoll, wie kürzlich bei der Rede vor der UNO zu bemerken war.
    Chapeau!
    Rappelkopf

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