PädophilieDer Getriebene

Kann ein Mensch seine Sexualität sein Leben lang unterdrücken? Wenn Jonas ein guter Mensch sein will, wird er es müssen – er ist pädophil. Wir haben ihn bei seiner Therapie begleitet. von 

Kann ein Mensch seine Sexualität sein Leben lang unterdrücken?

Kann ein Mensch seine Sexualität sein Leben lang unterdrücken?  |  © Photocase/Buntbarsch

Der Mann, der an diesem Tag im September 2011 in das Büro im Institut für Sexualmedizin kommt, sieht aus wie ein Mensch auf dem Weg zur Urteilsverkündung. Zwei Mitarbeiter begleiten ihn. Er hält den Kopf gesenkt, seine Augen fliehen in alle Richtungen. Seine Bewegungen sind eckig, sein Händedruck ist nass. Er scheint vor allem aus Scham zu bestehen. "Sie können mich Jonas nennen", sagt er, seinen echten Vornamen will er nicht preisgeben, zu groß ist die Angst, dass andere von seiner Neigung erfahren. Der Mann, der an diesem Nachmittag einem Konferenztisch Platz nimmt, um von seinem inneren Kampf zu berichten, scheint zu glauben, dass er nichts anderes als Ablehnung, wenn nicht gar Hass zu erwarten hat.

Muss er das? Muss man einen wie ihn verurteilen? Woran misst man einen Menschen überhaupt? An dem Verhältnis seiner guten und schlechten Seiten? Oder daran, wie sehr jemand versucht, die schlechten Seiten zu bekämpfen? Würde man die Abgründe zum Maßstab nehmen, wäre Jonas kein besonders guter Mensch: Er hat in seinem Leben Tausende von Kinderpornos gesehen – Gewaltdarstellungen an Kindern, wie es eigentlich heißen muss. Aber er übernimmt Verantwortung dafür: Er versucht, einen der stärksten Triebe des Menschen zu unterdrücken, mit allen Mitteln.

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Einmal in der Woche fährt er mit dem Zug nach Berlin . Dort nimmt er an einer Gruppentherapie teil, die die Charité seit einigen Jahren für Männer anbietet , deren Begehren teilweise oder ausschließlich auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet ist. Jonas ist pädophil, kernpädophil, die einzigen Menschen, die er sexuell anziehend findet, sind Jungen zwischen acht und zwölf. Als er das erste Mal nach Berlin kommt, ist er 27 Jahre alt und hat noch nie ein Kind missbraucht, und er ist sich sicher, auch in Zukunft niemals übergriffig zu werden. Der Missbrauch, den er beenden will, ist indirekter: Nachfrager zu sein für Filme, in denen Kindern großes Leid zugefügt wird. Szenen erregend zu finden, die die Kinder, die dazu gezwungen werden, womöglich für ihr ganzes Leben traumatisieren. Er will damit aufhören. Um das zu lernen, kommt er ein Jahr lang nach Berlin-Mitte. Es ist nicht sein erster Versuch, aber vielleicht sein letzter.

Während dieses Jahres treffen wir uns alle paar Wochen, zwischen Zugankunft und Therapiebeginn. Wir sitzen im Burger King oder bei Pizza Hut , an einem Tisch ohne Nachbarn. Kinderpornografie heißt "K.P." in diesen Gesprächen. So nennt es Jonas auch in seinem kleinen, schwarzen Notizbuch, in dem er seine Fortschritte verzeichnet. Keiner darf davon erfahren, keine sexuelle Abweichung ist gefürchteter als das Hingezogensein zu Kindern. Wer kann sich schon vorstellen, dass einer wie er dauerhaft schaffen kann, was die meisten nicht mal ein paar Wochen lang hinkriegen: seine Lust nicht auszuleben – weder real noch mithilfe von Bildern. Doch wenn er ein guter Mensch sein will, dann wird er das lernen müssen. Mehr verspricht er sich nicht von dem einjährigen Therapieprogramm. "Für mich wird es nie ein Happy End geben", sagt er mit ungerührter Miene, "mit Frau, Kindern, Haus."

"Bitte Helfen Sie mir", steht in der Betreffzeile der E-Mail, die er im Januar 2011 an die Charité schickt. Er beschreibt seine Sucht nach immer härteren Szenen und dass er keinen Weg findet, damit aufzuhören.

Bei einem Vorgespräch am Institut für Sexualmedizin leuchten die beiden Therapeuten des "Präventionsprojekts Dunkelfeld", Till Amelung, ein Arzt, und Gerold Scherner, ein Psychologe, jeden Winkel menschlicher Abgründe aus: Straftaten, Familiengeschichte, erste Selbstbefriedigung, Präferenzalter, Geschlecht, exhibitionistische, voyeuristische, sadistische, masochistische, fetischistische Fantasien: Es geht darum, herauszufinden, ob Jonas wirklich pädophil ist, also ob sein Interesse an Kindern sexuellen Ursprungs ist und nicht etwa eine Ausweichhandlung oder der Wunsch nach Machtausübung, was andere Störungen sind. Der Unterschied liegt in der Motivation: Pädophile verlieben sich in Kinder und suchen ihre Nähe. Manche setzen ihre sexuellen Fantasien auch in die Tat um und reden sich ein, dass die Kinder das so wollten – aber einem anderen Menschen Schaden zuzufügen ist nicht das eigentliche Ziel. Es gibt Studien, nach denen 40 bis 60 Prozent der Inhaftierten, die sich an Kindern vergangen haben, gar nicht pädophil sind. In einem Aufsatz heißt es über Kindesmissbrauch: "Sexualstraftäter haben häufig keine Pädophilie, umgekehrt sind Pädophile nicht gleichzusetzen mit Sexualstraftätern." In das Präventionsprojekt werden nur Männer aufgenommen, die die Kriterien einer Pädophilie erfüllen. Und sie müssen freiwillig kommen. Männer, gegen die ein Verfahren läuft, sind von dem Programm ausgeschlossen. Am Ende bekommt jeder Zweite, der zum Vorgespräch angereist ist, einen Therapieplatz angeboten.

Im Januar 2011 sitzt Jonas allein in seiner kleinen Wohnung in der neuen Stadt, in der er seine erste Arbeitsstelle nach dem Studium angetreten hat. Er liegt nächtelang wach, aus Angst, dass er den Therapieplatz nicht bekommt. "Ich wusste nicht, wer mir dann noch hätte helfen können", sagt er später.

In dieser Zeit ruft er einmal in der Mittagspause seine Schwester an. Er hat den Satz schon auf den Lippen. Stattdessen sagt er: Ich muss heute Abend mit dir sprechen. Abends denkt er: zu kurzfristig, zu unüberlegt. Als sie schließlich telefonieren, erzählt er, dass er in Berlin eine Therapie begonnen habe, wegen Depressionen. Immerhin die halbe Wahrheit, denkt er, oder ein kleiner Teil.

Die ganze Wahrheit ist, dass er schon fast sein halbes Leben lang weiß, dass er pädophil ist. Mit 12 bemerkte er, dass ihm kleinere Jungen gefallen. Als er 17 wurde, waren die Objekte seines Begehrens nicht mitgewachsen. Er begann zu begreifen: dass er festgelegt war. Auf eine Sexualität, mit der er andere schwer verletzen würde, wenn er sie ausleben würde. Schon damals war ihm klar, dass er seine Fantasien nie in die Tat umsetzten würde – Kinderpornografie erlaubte er sich als Ersatzhandlung. Meine Freunde gehen in die Disco, dachte er, ich habe meine Bilder. Bilder, auf denen Jungen von Erwachsenen zur Schau gestellt und zu sexuellen Handlungen gebracht werden. Er fand sie erregend, weil er pädophil ist, und abstoßend, weil er Empathie besitzt. Morgens wachte er oft um fünf auf und spähte durch die Jalousien; er hat gelesen, dass Hausdurchsuchungen immer am frühen Morgen stattfinden. Als er mit dem Studium begann, verließ er manchmal mitten in der Vorlesung die Uni, um nachzusehen, ob ein Einsatzkommando vor seiner Tür steht. Kein Mensch erfuhr von seinen Ängsten. Er wusste ja, wie die Welt über Männer wie ihn denkt. So wie er selbst über sich dachte: krank. pervers. Die Schlimmsten, die es gibt.

"Mein erster Mensch", sagt er, "war ein Uni-Psychologe." Damals war er 23 Jahre alt und hatte sechs Monate lang auf die Bilder verzichtet, sechs Monate, die ihn von dem Mann, der er nicht sein wollte, trennten. Nur mit diesem Abstand fühlte er sich in der Lage, darüber zu reden. Vor dem Termin bei der Beratungsstelle des Studentenwerks konnte er nächtelang nicht schlafen. Er stellte sich immer wieder vor, wie er mit einem anderen Menschen in einem Raum sitzt und das Schlimmste sagt, was man über sich sagen kann. Der Satz, der ihm noch nie über die Lippen kam. Aber er wusste auch: Es geht einfach nicht, ich werde das nicht mein ganzes Leben lang für mich behalten können. Es war, als würde er mit verbundenen Augen an einer Steilküste stehen, und die beste Möglichkeit weiterzumachen sei ein Schritt nach vorne.

Bevor er anfing zu reden, fragte er sein Gegenüber, ob dieser wirklich der Schweigepflicht unterliege. Der Therapeut bejahte. Jonas brauchte Minuten, ehe er es aussprechen konnte. Als er danach in seine Wohnung zurückkam, war er überrascht, dass alles noch an seinem Platz war. Der Mann hatte nicht geschrien, und er hatte auch nicht die Polizei gerufen. Er fragte ihn, ob er Kontakte zu Kindern habe, und gab ihm dann die Nummer eines Sexualtherapeuten in seiner Nähe.

Dieser bestätigte, was er schon ahnte: Pädophilie ist nach Stand der Wissenschaft nicht heilbar, es gibt kein kausale Erklärung dafür, wie die Störung entsteht. Die meisten Pädophilen wurden, im Gegensatz zum Klischee, nicht sexuell missbraucht. Auch Jonas sieht dafür keine Anzeichen in seiner Vergangenheit. Ist es seine Schüchternheit, die ihn in der Schule zu einem Außenseiter hat werden lassen? Jonas fand Halt in möglichen Erklärungen. Aber ein dauerhaftes Mittel gegen den Bilderkonsum fand er nicht.

Als er nach zwei Jahren seinem Therapeuten zum letzten Mal die Hand reichte, sagte er: Sie haben mir sehr geholfen. Dabei war er seiner Sucht längst wieder verfallen. Fünf, sechs Stunden am Tag jagte er im Netz nach neuen Bildern. Alle paar Wochen formatierte er seine Festplatte neu, blieb mal zwölf Stunden, mal drei Monate abstinent. "Als würden zwei Personen in mir wohnen. Die eine will es unbedingt, die andere ist das gute Gewissen und versucht ständig, es aufzuhalten." In ihm kämpfen Lust gegen Angst, Verlangen gegen Verantwortungsgefühl. "Die Jungs werden doch gequält, und ich find’s toll."

Damals plante er zum ersten Mal, seinem Leben ein Ende zu setzen. Selbstmord erschien ihm als die einzige Möglichkeit, den Kampf in seinem Inneren zu beenden.

2010 fand er in seiner Heimatstadt einen Psychologen; keinen Spezialisten, aber einen, der es schaffte, ihm das Gefühl zu geben, es könne sich lohnen weiterzuleben. Dieser arbeitete mit einem Psychiater zusammen, der ihm Androcur verschrieb, ein testosteronsenkendes Medikament. Aber das Verlangen flackerte immer wieder auf. Dann las Jonas in einer Zeitung von dem Charité-Projekt, das unter dem Slogan "Kein Täter werden" viel Presse bekam. "Ich dachte: Die werden wissen, was einer wie ich tun kann. Und: Wenn die mir nicht helfen können, kann es keiner."

Nach seinem ersten Termin in der Charité vergehen zwei Wochen. Keiner meldet sich. Irgendwann hält Jonas es nicht mehr aus und ruft in Berlin an. Er nennt die Codenummer, unter der seine Patientenakte registriert ist, und hört, dass er in die nächste Therapiegruppe einsteigen kann.

Wieder überlegt er, es seiner Schwester zu sagen, aber dann erfährt er, dass sie mit ihrem zweiten Kind schwanger ist.

Die Charité ist eine Stadt in der Stadt, efeuumrankte Backsteinvillen und pastellfarbene Gründerzeithäuser, die sich um die 20-stöckige Bettenburg gruppieren. Über allem leuchtet wie ein Versprechen der Schriftzug: Charité. Barmherzigkeit. Es wird Mai, ehe Jonas, einen Zettel in der Hand, nach seinem Gruppenraum sucht. Er ist 27 Jahre alt und hat noch nie jemanden getroffen, der so ist wie er. Pädophile kennt er nur unter anonymen Benutzernamen aus Internetforen wie boylover. Als er merkt, dass sich dort einige der Männer Annäherungen an Kinder schönreden, meldet er sich wieder ab. Er hat vom Odenwaldinternat gelesen, in dem ein charismatischer Schulleiter, geschützt von Ideologie und verblendeten Freunden, die ihm anvertrauten Jugendlichen missbrauchte. Er weißt vom Maskenmann aus Hamburg , der seine Opfer missbrauchte und umbrachte. Und er fragt sich mit jedem neuen Fall, der in der Zeitung steht: Was hast du mit dem gemeinsam?

Vor seiner ersten Stunde betritt er ein Wartezimmer. Dort sitzen fünf Männer. Es ist das erste Mal, dass er Menschen sieht, die dasselbe Problem haben wie er. Alle starren auf den Fußboden. "Die wissen, warum man da ist. Und man weiß, warum die anderen da sind." Als er nach der ersten Stunde wieder in der S-Bahn zum Hauptbahnhof sitzt, denkt er: Sie sahen nicht aus wie Monster. Und es können auch keine sein. Sie alle wollen sich helfen lassen.

Zwei Tage nach seiner ersten Therapiestunde, im Mai 2011, lässt Jonas, nicht zum ersten Mal in seinem Leben, ein Löschprogramm über seine Festplatte laufen.

Wer sich mit der Behandlung von Sexualpräferenzstörungen befasst, sagt Therapeut Till Amelung, stellt sich auch immer die Frage: Wie sehr kann ein Mensch sich ändern? Und auf welche Weise? Nach verschiedenen Studien sind etwa ein Prozent aller Männer pädophil, die meisten davon sind allerdings nicht ausschließlich auf Kinder fixiert. Schon seit Beginn des letzten Jahrhunderts gibt es tiefenpsychologische Ansätze in der Behandlung dieser Störung. In den sechziger Jahren kamen Aversionsmethoden auf, bei denen Betroffene mit Elektroschocks oder Brechreiz auslösenden Medikamenten umkonditioniert werden sollten. Das funktionierte auch, allerdings nicht langfristig.

Seit Ende der siebziger Jahre herrscht ein weniger optimistisches Bild von der Veränderbarkeit der sexuellen Präferenz. Zwar gibt es Hinweise, dass pädophile Männer, die auch Erwachsene sexuell anziehend finden, lernen können, sich diesen stärker zuzuwenden. Das Mittel der Wahl sind inzwischen Verhaltenstherapien, bei denen es um Kontrolle statt um Heilung geht. Zusätzlich werden seit den sechziger Jahren testosteronsenkende Medikamente eingesetzt, seit 1970 gibt es in Deutschland außerdem ein Gesetz, das die freiwillige chirurgische Entfernung der Hoden erlaubt.

Das Charité-Projekt arbeitet mit verhaltenstherapeutischen Techniken, eine Minderheit der Teilnehmer bekommt Medikamente. Im Grunde, sagt Amelung, basiere das Programm auf der Idee, dass man nur etwas beeinflussen könne, was man als Teil seines Selbst akzeptiert habe. Nur dann habe man Zugriff auf die Gefühle, könne Gefahrensituationen erkennen und sein Verhalten ändern. In der Therapie sollen die Männer in 45 Gruppensitzungen üben, ihre sexuelle Präferenz als Teil ihrer Person anzuerkennen. Sie sitzen im Kreis und sprechen über Situationen in ihrem Leben, in denen Kinder eine Rolle spielen. Sie diskutieren Momente, in denen sie ihre eigenen Wünsche einem Kind unterstellen. Sie schreiben Briefe aus der Perspektive eines potenziellen Opfers und verfassen einen Schutzplan mit persönlichen Warnsignalen, die zu einem Missbrauch führen könnten. Und sie üben in Rollenspielen, Menschen außerhalb der Therapie ins Vertrauen zu ziehen. Soziale Unterstützung gilt als wichtiger Schutz vor Rückfällen.

80 Männer haben die Therapie bislang abgeschlossen, weitere 30 sind in Berlin in Behandlung. Inzwischen sind in ganz Deutschland fünf weitere Standorte eröffnet worden, wo nach dem Charité-Modell gearbeitet wird.

Die erste Veränderung, die Jonas an sich bemerkt: "dass ich mich nicht mehr jeden Tag frage: Warum ich? Ich sehe, dass es Leute gibt, die damit auch umgehen können. Mit gewissen Einschränkungen halt."

Doch schon am Wochenende nach seiner zweiten Stunde verbringt er jeden Tag mehrere Stunden am Computer. In Berlin erzählt er in der Gruppe: Ich hab’s wieder gemacht, ich hatte einen Rückfall. Die anderen wollen wissen, wie es dazu kam. Aber er erkennt keinen besonderen Anlass, außer dass es ihm in der neuen Stadt noch immer nicht besonders gut geht. Am 18. Mai formatiert er ein weiteres Mal seine Festplatte neu.

Drei Monate hält er durch. Ende Juli fürchtet er, dass er wieder rückfällig werden könnte. In der Therapiestunde sagt er: Ich weiß nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, ob ich bis nächste Woche durchhalte. Die anderen erinnern ihn daran, was es bedeutet, wenn er es wieder tut. Dass es wieder Missbrauch ist. Dass er sich nur kurz gut und lange wieder schlecht fühlen wird. Sie fragen ihn, wie es ihm geht. Er erzählt, dass er keine Zukunft sieht. Immer, wenn er irgendwo einen Jungen bemerkt, der ihm gefällt, wird er daran erinnert, was ihm nie möglich sein wird. Als er wieder im Zug zurück nach Hause sitzt, ist das Verlangen weg. Stattdessen spürt er: "Rückhalt. Verstanden werden. Sich mitteilen können. Jemanden zum Reden haben." So steht es in seinem Tagebuch.

In der nächsten Stunde bietet ihm Amelung an, auf ein stärkeres Medikament umzusteigen, Salvacyl, das die Testosteronproduktion nach einigen Wochen fast auf null zurückfährt. Erst sinkt normalerweise die Orgasmusfähigkeit, dann die Erektionsfähigkeit, dann verschwindet die Lust. Mögliche Nebenwirkungen: Depressionen, Gewichtszunahme, Brechreiz, Brustwachstum, Osteoporose. Jonas erscheinen sie als das geringere Übel.

Sexualität ist nicht alles: Das ist einer der ersten Sätze, die man ihm in der Charité über Pädophilie gesagt hat. Sie ist nur ein Teil der Persönlichkeit. Man ist mehr als nur pädophil.

Jonas ist: ein Sohn, der mit seinem Vater gemeinsam Musik macht. Ein Bruder, der schon in der Schule unter dem Schutz der großen Schwester stand. Ein zuverlässiger Arbeitskollege. Ein ruhiger Mensch. Ein Tüftler. Ein Mann, der nie gelernt hat, sich für Frauen oder für Männer attraktiv zu machen. Ein Freund, dessen Freundschaften zum großen Teil noch aus der Schulzeit stammen, obwohl er selten derjenige ist, der sich meldet. Er hasst die ständigen Fragen nach einer Freundin. Er ist freundlich, intelligent, kann gut zuhören. Wenn er von seinem Leben erzählt, klingt es, als würden viele ihn mögen. Was er nicht weiß, ist, ob sie ihn mögen würden, "wenn sie wüssten, was mit mir los ist".

Wenn er am Wochenende schlecht gelaunt bei seinen Eltern herumhängt, sagt seine Mutter: Also, ich finde, du solltest dir jetzt mal eine Freundin suchen.

Seit Jahren sagt seine Schwester: Bring doch mal deine Freundin mit. Oder deinen Freund, wenn du willst.

Wenn er mit Kommilitonen weggeht, reden die über Frauen. Das Maximum, was er beiträgt: Die sieht nett aus. Lieber sagt er gar nichts. So wenig Lüge wie nötig, denkt er, so viel Wahrheit wie möglich.

Seine Familie ist liberal, gebildet. Seit er denken kann, ist es sein tiefster Wunsch, ihnen zu sagen, was mit ihm los ist. "Weil ich meine Familie mag und weil ich weiß, dass sie mich mag."

Während seines Studiums saß er irgendwann mit seiner Mutter im Wohnzimmer.

Ob er gehört habe, was mit einem Bekannten der Familie los sei, fragte die Mutter.

Keine Ahnung, sagte er.

Aber dann konnte sie es nicht aussprechen. Jonas dachte, dass der Mann verhaftet worden war. Später erzählte ihm seine Schwester, dass der Familienfreund sich als schwul geoutet hatte. Jonas wunderte sich über seine weltoffenene Mutter. Und er verlor allen Mut, ihr von seinem Problem zu erzählen. Als er sie kurz darauf noch einmal darauf ansprach, sagte sie, sie habe nichts gegen Homosexuelle, sie kenne den Mann einfach so lange, sie habe sich das von dem gar nicht vorstellen können.

Im November 2011 lebt er schon ein halbes Jahr ohne die Bilder. Es geht ihm besser, nur noch alle zwei, drei Wochen wacht er morgens auf, und alles erscheint ihm sinnlos. Das Medikament verursacht bei ihm keine Nebenwirkungen, er empfindet es als Befreiung. Er findet Jungen immer noch attraktiv, aber jeder Gedanke an Sex ist weg. Er fühlt sich sicher genug, seine Beichte, wie er es nennt, abzulegen. "Ich will", sagt er, "vor der Gruppe keine Geheimnisse haben. Ich will, dass alle auf demselben Stand sind. Ich will damit abschließen: So war es, und so wird es nie wieder sein." Es ist eine seiner schwierigsten Therapiestunden. Davor ist er aufgeregt, und in der Stunde braucht er lange, ehe er sagen kann, was er getan hat. Er erzählt alles. Er erzählt von den Unterwäschefotos in Katalogen, den Nacktbildern, von Videos, auf denen Kinder dazu gebracht werden, sich selbst oder Erwachsene zu befriedigen, bis hin zur Penetration.

Die Beichte dauert etwa eine halbe Stunde. Keiner greift ihn an.

In diesen Wochen schreibt er in sein Therapietagebuch: "K.P.: Je länger ohne, desto bewusster wird mir, was ich getan habe."

Im Januar ist Jonas seit sieben Monaten in Therapie. Er weiß von manchen aus dem Projekt, die es Angehörigen gesagt und damit gute Erfahrungen gemacht haben. Er sagt: "Ich kenne meine Schwester jetzt seit 28 Jahren; ich habe das Problem, seit ich 12 oder 13 bin. Das heißt, ich habe sie mein halbes Leben lang anlügen müssen. Notlügen. Und ich wollte es ihr schon immer sagen, weil ich es so einschätze, dass sie es verstehen könnte."

Er schiebt ein kariertes Blatt Papier über den Tisch. Darauf stehen die Dinge, die er ihr bald sagen will. Sie wisse ja, steht da, dass er jede Woche nach Berlin fahre, um sich "behandeln" zu lassen. Er sei allerdings nicht, wie er bisher behauptet habe, wegen seiner Depressionen in Therapie. "Es geht darum, dass ich mich nicht zu erwachsenen Frauen und auch nicht zu erwachsenen Männern hingezogen fühle, sondern zu Kindern, genauer gesagt zu Jungen", steht auf den Blatt. "Ich habe pädophile Neigungen."

Außerdem steht da, dass er noch nie jemandem etwas getan habe, dass seine sexuelle Präferenz ausschließlich und nicht zu ändern sei und dass er an der Charité lerne, damit umzugehen. Und dass er hoffe, dass sie den Kontakt zu ihm nicht abbreche.

"Ich kenne meine Schwester lang und gut", sagt er. "Die Gefahr ist halt, dass es unsere Beziehung komplett zerstört."

Es ist März, und Jonas kann seit Wochen nicht mehr schlafen. Es ist der letzte Abend seines alten Lebens, eines Lebens, in dem keiner ihm wirklich helfen konnte außer Fachleuten und anderen Betroffenen. Gerade hat seine Schwester am Telefon ihr gemeinsames Wochenende bestätigt. Sie haben sich für Freitagnachmittag zum Spazierengehen in einem Park verabredet. Am Telefon hat sie bereits Pläne für den Rest des Wochenendes gemacht, aber Jonas hat sie gebremst: Jetzt reden wir erst mal – und dann sehen wir weiter.

Wieso, willst du denn am Freitag gleich wieder fahren?

Nein, eigentlich nicht.

Jonas, wir schmeißen dich schon nicht raus!

Nach dem Telefonat ist er ganz ruhig. Seine Entscheidung ist gefallen, er weiß, dass es kein Zurück mehr gibt.

In seiner Gruppe ist er im Rollenspiel noch einmal durchgangen, wie er es sagen wird.

Er hat beschlossen, das Wort "Pädophilie" nicht zu verwenden – es wecke zu viele negative Assoziationen in der Welt da draußen, hat der Therapeut Amelung ihm eingeschärft. Gerade ist in Hamburg der Maskenmann wegen dreifachen Mordes und zwanzigfachen Kindesmissbrauchs verurteilt worden.

Jonas hat seine Erwartungen an sein Outing mit der Gruppe besprochen: sich nicht mehr verstellen müssen. Unterstützung, falls es ihm schlecht gehen sollte oder er die Gefahr eines Rückfalls sieht.

Er hat sich darauf vorbereitet, dass seine Schwester ihn wegschickt, und sich gesagt, dass es dann immer noch die Möglichkeit gibt, dass sie mit der Zeit lernt, damit umzugehen.

Sein Traum: "Wenn sie sagt, Jonas, ich glaube dir, dass du nie jemandem was getan hast. Dass sie einfach nett und freundlich reagiert und mich nicht abweist. Dass ich danach noch mit ihr reden kann."

Er weiß: Damit sie sich näherkommen können, muss er ihr erst einmal sehr fremd werden.

Am nächsten Tag, im Zug, ist die Angst wieder da. Es ist ein Morgen im März. Draußen wischt Deutschland in Grau und Grün vorbei. Drinnen geht das Leben seinen Gang. Laptops werden aufgeklappt, Rücklehnen in Entspannungsposition gebracht. Keiner hat etwas Entscheidendes vor sich. Jonas’ Hände zittern. Im ICE-Restaurant bestellt er Tee. Er kann nichts essen. Er rennt zweimal aufs Klo. Er läuft, als bewege er sich unter Wasser. Er beugt sich flüsternd über den Tisch und wägt immer wieder die möglichen Ausgänge ab:

"Sie ist meine große Schwester. Wir haben ein enges Verhältnis. Sie hat mich eigentlich immer in Schutz genommen."

"Sie ist total tolerant. Ich glaube, die lässt jeden so leben, wie er will, solange er niemandem schadet. Sie kennt ja auch viele, die homosexuell sind. Sie redet zum Beispiel auch ganz selten schlecht von jemandem."

"Sie macht sich ja schon länger Sorgen. Ich glaube, es ist ihr wichtiger, zu wissen, was mit mir los ist, als es nicht zu wissen."

"Vielleicht hat sie von mir erwartet, dass ich es ihr spätestens hätte sagen müssen, als sie ihr erstes Kind bekommen hat. Ich hoffe, sie versteht, dass das ein schwerer Schritt ist. Dass es einfach Zeit gebraucht hat."

"Ich hab ja noch einige Joker. Dass ich auf eigene Kosten nach Berlin fahre. Dass ich noch nie jemandem etwas getan habe. Dass ich sogar Medikamente nehme."

"Ich kenne sie als Schwester. Ich weiß nicht, wie sie als Mutter reagieren wird."

Er hat den Brief dabei, falls sie ihn bittet zu gehen.

Schon eine Stunde nachdem er aus dem Zug ausgestiegen ist, kommt eine SMS: "Alles ok." Gegen sieben ruft er noch einmal an, fröhliches Kindergeschrei im Hintergrund, die Kleinen werden zu Bett gebracht. "Es war noch besser als in meinen Träumen", sagt er. Am Abend werden sie es gemeinsam dem Lebensgefährten seiner Schwester sagen.

Am Freitag, den 9. März, konnte man in einem Park in einer Kleinstadt einen Mann und eine Frau beobachten, beide um die dreißig, die schweigend nebeneinanderher gehen. Irgendwann beginnt der Mann zu sprechen. Ein paar Minuten später nimmt die Frau ihn in den Arm. Sie fängt an zu weinen.

In seinem Tagebuch notiert Jonas später:

"Die Welt dreht sich weiter." Das ist der erste Satz, den seine Schwester zu ihm gesagt hat. Und dass sie weiß, dass er noch nie jemandem etwas getan hat, und dass sie um ihn weint, weil sie jetzt weiß, dass er nie ganz glücklich werden kann.

Im Mai 2012 lebt er seit über einem Jahr ohne die Bilder. "Ein Jahr ohne Selbsthass und ohne Angst", sagt Jonas. Er fühlt sich besser. Er sagt: "Ich kann mir jetzt ein Leben in dreißig Jahren vorstellen: Keine Frau, keine Kinder – das wird sich nicht anders machen lassen. Ich kann trotzdem gute Freunde haben. Ich kann trotzdem halbwegs glücklich werden. Das seh ich jetzt tatsächlich."

Wenn seine Schwester ihn anruft, fragt sie intensiver nach. Sie sagt: Du klingst heute nicht so gut, was ist denn los?

Dann erzählt er zum Beispiel, dass er einen Jungen in der Stadt gesehen habe oder im Fernsehen und dass es ihn manchmal immer noch in schwarze Löcher stürzt, zu wissen, dass er keinem je näherkommen könne.

Im Juni hat er seine letzte Therapiestunde. Er fragt sich, wie es ohne die Gruppe weitergeht. In Zukunft werden sie sich nur noch einmal im Monat treffen, privat, ohne Therapeuten. Er braucht weiterhin die Unterstützung der anderen. Seine Libido, sagt er, sei durch Salvacyl nicht völlig abgeschaltet, vielleicht fünf Prozent seien davon übrig. In Krisensituationen, bei einem Umzug zu Beispiel, müsse er immer noch aufpassen.

In der letzten Stunde bedankt er sich bei allen, vor allem bei den Therapeuten, die als Familienväter die Kraft aufbrächten, zu Leuten wie ihm so nett zu sein. Und er sagt, dass er seine wichtigsten Ziele erreicht habe. Sie verabschieden sich wie immer mit Handschlag. "Ich durfte", sagt Jonas nach der Stunde, "eine ganz andere Liga von Freundschaft kennenlernen."

Die Sommerferien verbringt er mit seinen Eltern und der Familie seiner Schwester am Meer. Keiner schaut hin, wenn er mit seinen Neffen Fußball spielt. Seine Familie vertraut ihm. Alle wissen auch, dass die Kinder noch nicht in dem Alter sind, in dem er sie mit anderen Augen betrachten könnte. Er ist überrascht, wie gut er ohne die Gruppe klarkommt. Nur einmal geht es ihm schlecht. Sie sitzen gemeinsam vor dem Fernseher. Es läuft ein Film über Kinderhandel. Jonas hat die Fernbedienung in der Hand, aber er schafft es nicht umzuschalten. Irgendwann werden Fotos gezeigt, von halb nackten Kindern. Sofort spürt er die Erinnerungen aufsteigen, an die Tausenden von Bildern, die er selbst gesehen hat, Bilder, die viel schlimmer waren als die gezeigten. Und er schämt sich, weil er weiß, dass seine Schwester es auch weiß. Er verlässt unvermittelt das Haus und geht am Strand spazieren, kommt erst zurück, als alle schon schlafen. Am nächsten Tag spricht ihn die Schwester darauf an. Sie sagt, dass sie den Moment auch schlimm gefunden habe und dass sie gut verstehen könne, dass es ihm schlecht ging.

Irgendwann in diesem Sommer beschließt er, es auch seinen Eltern zu sagen. Dieses Mal hat er keine schlaflosen Nächte. Er ist sich des Rückhalts seiner Schwester sicher. Seine größte Sorge ist, wie seine Eltern damit klarkommen und ob es ihre Beziehung belasten wird. An einem Donnerstag ruft er zu Hause an und sagt seinem Vater, dass er ihnen am Wochenende etwas Wichtiges sagen muss. Als er am Freitag im Zug sitzt, klingelt sein Handy. Seine Schwester ist dran und erzählt ihm von einem Anruf der Mutter. Die Mutter habe von ihr wissen wollen, ob Jonas eine unheilbare Krankheit habe, und die Schwester habe verneint. Jedenfalls nichts Körperliches. Später habe die Mutter noch einmal angerufen und ihr gesagt, dass sie nachgedacht habe. Und sie sei zu dem Schluss gekommen, dass er, egal, was er ihr sagen wolle, immer ihr Sohn bleibe.

Am selben Abend sitzt er bei seinen Eltern im Wohnzimmer. Er beginnt zu reden: dass er sich von kleinen Kindern angezogen fühle, sagt er, genauer gesagt von kleinen Jungen, und dass seine Eltern wissen müssten, dass er nie jemandem etwas getan habe.

Bevor wir weiterreden, habe sein Vater gesagt, dass er ihn erst mal in den Arm nehmen müsse. Dann sei der Vater aufgestanden und habe ihn in den Arm genommen.

"Ich habe", sagt Jonas, "mir die richtige Familie rausgesucht. Immerhin."

Als der Herbst kommt, geht es ihm wieder schlechter. "Ein Kollege hat mir erzählt, er hat eine Freundin, er wird Vater. Das zieht mich immer wieder total runter. Dann denke ich, toll, das wirst du nie erreichen." Aber das sind einzelne, schwarze Tage. Die Selbstmordgedanken sind weg. "Ich verurteile mich jetzt nicht mehr für die Neigung. Weil ich einfach weiß, dass ich nichts dafür kann. Wobei: Manchmal find ich’s selber total krass. Dann blitzt das so unvermittelt auf: Wie kannst du bloß – kleine Jungs als potenzielle Sexualpartner betrachten? Wie funktioniert so was? Wie kann es sein, dass es einen wie dich überhaupt gibt? Ich habe mich das schon immer gefragt, aber ich habe keine Antwort drauf gefunden. Ich bin kein Karrieretyp. Beziehungstechnisch erwarte ich natürlich auch null. Wer mir halt sehr wichtig ist, ist meine Familie."

Müsste er nicht andere Ziele entwickeln als ein Leben lang auf etwas zu verzichten?

"Das ist mehr eine Vorgabe als ein Ziel", sagt er. "Ich lebe ja nicht nur dafür, niemandem zu schaden."

Aber wofür dann?

"Ich versuche", sagt Jonas, "mich im Jetzt zu bewegen."

Er sieht an diesem Tag nicht besonders glücklich dabei aus.

Wenn es am Ende seines Lebens ein paar Menschen gibt, die unverletzt geblieben sind, weil er eine richtige Entscheidung getroffen hat, wird das keiner wissen. Bekannt werden immer nur die, die ihre Neigung ausleben, Männer wie der Schöpfer jener verkehrten Welt im Odenwald , in der die Opfer sich schämten und der Täter nach Frankfurt fuhr und sich von Honoratioren und Bundesverdienstkreuzträgern umschwärmen ließ.

Wenn ein Leben gelungen ist, weil Menschen ihr Potenzial ausgeschöpft haben, dann wird Jonas’ Leben gelungen sein, weil er das, was in ihm ist, mit allen Mitteln unterdrückt hat. Er wird kein Bundesverdienstkreuz dafür bekommen. Er kann noch nicht einmal ein Schulterklopfen erwarten. Keiner darf je von dem Kampf erfahren, den er führen muss, solange er lebt. Außer jene, von denen er weiß, dass sie ihn lieben.

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Leserkommentare
    • Trypsin
    • 25. Oktober 2012 13:15 Uhr

    ...diesen bewegenden Artikel.
    Irgendwie kann ich nicht viel dazu sagen. Es ist ein sehr schwieriges Thema, aber ich finde es gut, dass man darüber berichtet. Vor allem finde ich es gut, dass man mal einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt von jemanden, der davon betroffen ist, bekommt.
    Ich bewundere den jungen Mann, dass er die Therapie gemacht und es seiner Familie gesagt hat.

    9 Leserempfehlungen
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    denn bei aller achtung vor seinem bestreben, all dies in den griff zu kriegen, wollte ich einen solchen menschen nicht in der nähe meiner kleinen kinder wissen.

    Ich kann mich mit den Dank nur Anschliesen, bei so einen Tema braucht es sachlichkeit um zu Lösungen zu kommen und kein Horrorschalgzeilen. Die ZEIT beweist her das sie ihren hohen anspruch gerecht wird.

    • AceXare
    • 25. Oktober 2012 14:44 Uhr

    ... Übermittlung seiner Gedanken!
    Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und fand z.B. die Stelle als er in die Arme seines Vaters genommen wurde ziemlich bewegend!
    Vielen Dank für die Lebenseinblicke von anderen Menschen!

    7 Leserempfehlungen
    • an.bu.
    • 25. Oktober 2012 22:23 Uhr

    ... habe zwei Söhne und liebe Frauen.
    Ich glaube, ich würde vielleicht immer noch altbiblisch "Rache" nehmen, wenn den Beiden "was" passiert und ich die Möglichkeit dazu habe.
    Aber,
    dieser Artikel hat mich traurig gemacht - dieser arme Mensch!
    Ich konnte sein Leid total nachvollziehen und war sowohl über die Schwestern- als auch über die Vater-Geschichte froh. Ich hoffe, er kriegt das hin ... sein Leben.

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    Bitte beachten Sie, dass wir nicht auf diese Seite verlinken möchten. Danke, die Redaktion/mo.

    • s_axo
    • 26. Oktober 2012 14:51 Uhr

    Dieser Beitrag ist sehr einfühlsam und weckt viel Empathie für diesen Angehörigen einer kleinen Minderheit. Er hat einen guten Weg gefunden, sein Schicksal zu meistern.

    Warum aber berichtet niemand ebenso einfühlsam über Menschen, die frühe sexuelle Erlebnisse positiv empfunden haben. Ich hatte mit 8-9 Jahren einen großen Freund und bald mit ihm auch intime Kontakte, die mir noch Jahrzehnte später in guter Erinnerung sind. Mir haben meine frühen sexuelle Erfahrungen bei meinem späteren schwulen Coming Out geholfen. Im laufe der Zeit lernte ich weitere Betroffene kennen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Darüber gibt es sogar mind. ein Buch. Einvernehmlicher Sex, beidseitig gewünscht und genossen, kann meines Erachtens keinen Schaden verursachen, auch wenn sich unter-14-Jährige daran beteiligen. Erfahrungen damit gibt es. Auch über solche gelungenen pädophilen Beziehungen, gälte es einmal zu berichten.

    2 Leserempfehlungen
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    • Pyr
    • 26. Oktober 2012 19:22 Uhr

    ...haben Sie dabei. Das Problem ist dennoch das immense Machtgefälle, dass sich in derartigen Beziehungen *immer* automatisch ergibt. Denn Wissen über Sexualität - das ein Kind eben nicht hat und entsprechend das, was geschieht, gar nicht vernünftig beurteilen und einordnen kann - ist immer auch Macht.

    Dinge müssen verboten bleiben, auch wenn sie nicht allen schaden, sondern "nur" den meisten...

    Ich nehme Ihnen diese Geschichte nicht ab.
    In meinen Augen findet hier eine Art von Schönfärberei statt, die es Pädophilen ermöglicht, den Missbrauch von Kindern ohne schlechtes Gewissen zu erleben.
    Sie bieten quasi anderen Pädophlilen die gängige Entschuldigung - nämlich jene: "Es macht ihm/ihr doch auch Spaß !"

    1) Glaube ich Ihnen & Ihre Geschichte nicht,

    2) auch wenn sie von irgendeinem Wahrheitsinhalt begleitet wäre, würde dies nichts, wieder nichts und auch gar nichts verändern gegenüber all dem Leid, dass in dieser Form ausgenutzte Kinder tagtäglich für den Rest ihres Lebens mit sich schleppen müssen,

    3) gehören solche Menschen ganz einfach hinter Gitter und von dem Rest der Gesellschaft weggesperrt, und Punkt.

    Bei allem Respekt für den Postmodernismus und "was ist denn überhaupt Wahrheit" und all so was, aber der Spaß hört eindeutig bei den Kindern auf.

    Ich wünsche mir ein Umdenken hin zu mehr Kinderfreundlichkeit einerseits und einen konsequenteren Umgang mit solchen perversen Straftätern andererseits innerhalb unserer Gesellschaft!

    • Trypsin
    • 27. Oktober 2012 10:05 Uhr

    Einvernehmlicher Sex, beidseitig gewünscht und genossen, kann meines Erachtens keinen Schaden verursachen, auch wenn sich unter-14-Jährige daran beteiligen.
    @s_axo
    Um etwas einvernehmlich zu beschließen, müssen beide Seiten in der Entwicklung sowohl geistig als auch biologisch auf dem gleichen Stand sein . Ein Kind ist von Natur aus nicht fertig entwickelt, weder geistig noch biologisch. Und Kinder haben mit 8 Jahren kein Interesse an Sex. Natürlich mag jeder Mensch, auch Kinder, Streicheleinheiten, aber fürsorgliche (durch die Mutter) oder sexuelle Gründe sind ein gewaltiger Unterschied. Biologisch gesehen, macht es keinen Sinn, dass Kinder Interesse an Sex haben. Die Spielereien an sich selbst oder mit gleichaltrigen sind nur 'testen', aber mit bewusstem gewolltem Sex hat das überhaupt nichts zu tun. Ein Kind versteht doch gar nicht was mit ihm passiert, wenn ein erwachsener Mensch mit solchen Hintergedanken agiert. Kinder können von jedem Erwachsenenen manipuliert werden und das in dem Maß, dass sie glauben, es wäre okay. Es ist aber nicht nur in der Gesellschaft nicht gewollt, sondern es ist auch in der Natur nicht vorgesehen, dass nicht geschlechtsreife Menschen Sex haben! Ein Mensch ist erst mit der Vollendung des 25. Lebensjahres ein fertig vollentwickelter erwachsener Mensch. Ab dann kann man von 'einvernehmlich' reden. Davor ist es einfach nur manipulieren und ausnutzen und deshalb ein Verbrechen!

    Es gibt Menschen unter 14 Jahren, die sexuelle Kontakte mit älteren als positiv erleben. Diese sind aber erstens selten, und zweitens ist es für einen Erwachsenen viel zu schwierig, zu beurteilen, ob das Kind direkt vor ihm so eines ist. Da spielen viel zu viele eigene Wünsche des Erwachsenen hinein, und auch bei dem Kind weiß man einfach nicht, ob es wirklich Sex will, oder ob es nur Liebe will, ob es sich aus falschem Stolz, Unwissenheit, Bedürfnis nach Liebe nicht traut, zurückzurudern, weil es denkt, das gehört dazu, etc pp. Das Risiko ist bei Sex mit Kindern einfach zu hoch, als dass man es erlauben könnte. Kinder unter 14 sind weder in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen, wenn es nötig wird (oftmals kommen Scham etc erst NACH der Situation auf), noch, diese gegenüber einem (respektierten, geliebten) Erwachsenen klar zu kommunizieren. Deswegen sollte man sich als Erwachsener nicht an Kinder vergreifen, egal, wie sehr diese zustimmen, man kann einfach viel zu viel kaputt machen.

    Nein - es verhält sich natürlich so, dass Menschen, die 13 Jahre und 364 Tage alt sind, von Sexualität traumatisiert werden, während Menschen, die 2 Tage älter sind, Sex geniessen.

    Um den "Gehalt" dieses Argumentes noch etwas zu unterstreichen:

    Alle 30-jährigen Frauen geniessen Sex und finden ihn spitzenmässig, und werden wohl auch nicht durch solchen traumatisiert, wenn er erzwungen ist. Und natürlich gibt es da auch keine Machtgefälle, wo käme man denn da hin. Denn schliesslich sind sie ja volljährig und erwachsen. *lach*

    Seien Sie vorsichtig mit Ihren Äußerungen. Damit bieten Sie jedem Pädophilen eine Steilvorlage.

    Vergessen Sie nie die zahllosen Opfer, deren Wunden nie verheilen!

    • beka46
    • 29. Oktober 2013 12:57 Uhr

    @ s_axo: Das finde ich mal einen tollen Beitrag, ich hab beim Lesen des Artikels auch die ganze Zeit gedacht, dass er in jungen Jahren vielleicht einfach mal seine schwulen Neigungen hätte ausleben sollen und dass sich dann vielleicht alles ganz prima bei ihm entwickelt hätte! Ich weiß nicht, ob er das jetzt noch nachholen könnte, vielleicht mit einem volljährigen homosexuellen Mann, der jung und knabenhaft aussieht oder irgendsowas! Ich glaube, das Hauptproblem bei ihm ist, dass er nur Bilder konsumiert und keine sexuellen Erfahrungen mit richtigen Jungs / Männern macht! Wenn ich zum Beispiel längere Zeit nur Pornos gucke und keinen realen Sex hab, gleite ich auch oft in eine schräge Richtung ab bzw. verlier einfach den Bezug zur Realität!

    • Saturas
    • 26. Oktober 2012 19:02 Uhr

    ... lese ich die Zeit. Blicke über den Tellerrand, Blicke über die eigenen Vorurteile hinaus. Blicke auf die "andere Seite". Weg vom schwarz-weiß, hin zu den Grautönen dazwischen.

    Vielen Dank für diesen Artikel!

    2 Leserempfehlungen
  3. ...erst bezeichnen können, wenn in allen Ländern dieser Welt allen Menschen bewusst ist, dass die sexuelle Neigung nichts ist, dass man sich aussuchen kann und sie entsprechend handeln. Bis zu diesem Tag sollte sie auf Zugabe "sapiens sapiens" verzichten.
    Vielen Dank für diesen hervorragenden und bewegenden Artikel.

    4 Leserempfehlungen

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