PiratenprozessSo gut ging es ihnen noch nie

Über die Zukunft der verurteilten somalischen Piraten in Hamburg von 

Was wird aus den somalischen Piraten, die am Freitag vom Landgericht Hamburg zweieinhalb Jahre nach dem Überfall auf ein deutsches Containerschiff verurteilt worden sind?

Drei der zehn waren zur Tatzeit keine 21, sie bekamen zwei Jahre Jugendhaft, die sie in der U-Haft verbüßten. Seit Mai leben sie in einer Jugendwohnung und gehen zur Schule. Die Lehrer loben ihren Fleiß. Sie dürften kaum rückfällig werden, sagt der Anwalt Rainer Pohlen. »Piraterie ist kein Delikt, das gehäuft in Deutschland auftritt.« Es gehe den Jungen gut, sie hätten eine Perspektive.

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Die Erwachsenen bekamen sechs bis sieben Jahre. Der Anwalt Tim Burkert rechnet vor, wann sein Mandant das Gefängnis verlassen wird: 78 Monate Haft, zwei Drittel bei guter Führung minus U-Haft, Weihnachten 2014 wäre er draußen. »Aber gibt es für die Somalier nach der Haft überhaupt eine Chance, nach Hause zurückzukehren?«, fragt Burkert. Sein Mandant wolle zurück zu seiner Familie – oder sie nach Hamburg holen. Beides wird schwierig.

Für Somalia gilt ein Abschiebestopp. Selbst wenn die Somalier ausreisen wollten, ginge das nicht: Sie haben keine Papiere, Direktflüge nach Somalia gibt es nicht. Ohne Pass lässt sie kein Land einreisen.

Im deutschen Gefängnis geht es den Somaliern vielleicht so gut wie noch nie. Im Prozess berichteten sie von den Härten des Bürgerkrieges. Nun haben sie zwar ihre Freiheit verloren, müssen aber nicht mehr hungern und um ihr Leben fürchten. Im Gefängnis gibt es Strom und fließend Wasser. In Deutschland können sie Geld verdienen und nach Hause schicken. Burkerts Mandant arbeitet in der Gefängnisgärtnerei, andere im Innendienst.

Einige Verurteilte akzeptieren das Urteil nicht. Ihre Anwälte erwägen, Revision einzulegen. Bis zur Überprüfung durch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe blieben die Männer dann in Untersuchungshaft.

Wer keine Revision einlegt, zieht wohl in die Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel um. Dort werden bessere Arbeitsplätze angeboten als in der U-Haft, und es gibt längere Besuchszeiten. Die Organisation »Kein Mensch ist illegal« und linke Gruppen besuchen die Piraten und versuchen ihnen zu helfen. Gespräche sind schwierig, die Männer können kaum Englisch und kein Deutsch. »Gefängnis«, »Richter« und »Urteil« sind die Wörter, die sie kennen. Einige sind Analphabeten. Nun sollen sie lernen.

Die Hamburger Justiz will aus den 105 Verhandlungstagen auch lernen. Die Kosten allein für Pflichtverteidiger und Dolmetscher dürften bei 1,2 Millionen Euro liegen (ZEIT Nr. 25/12). So bald wird es in Deutschland kein Strafverfahren gegen Seeräuber mehr geben.

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