Wiesn, Weißwurst, Weizenbier – es gibt viele Gründe, nach Bayern zu ziehen. Dort ist nicht nur das Leben schön. Dort wird man auch seltener vom Finanzamt belästigt. Nirgendwo sonst in der Bundesrepublik klopft der Steuerfahnder so selten an die Tür wie im Freistaat.

Dies zeigt die Statistik der Steuerfahndung 2011, die der ZEIT vorliegt. Es ist eine Statistik, welche die Finanzministerien der Länder und das Bundesfinanzministerium im Detail lieber unter Verschluss halten. Denn sie wirft viele Fragen auf, die für manche Bundesländer sehr unangenehm sein können. Zum Beispiel für Bayern.

So kommen dort gerade einmal 29 Fahndungsprüfungen auf 100.000 Steuerpflichtige. Das sind zwar 20 Prozent mehr als im Jahr davor, aber selbst damit ist Bayern das Schlusslicht der Statistik. Zum Vergleich: Spitzenreiter Rheinland-Pfalz kommt auf 157 Prüfungen je 100.000 Steuerpflichtige. Dort kontrolliert jeder Fahnder rechnerisch 21 Fälle, in Bayern sind es pro Kopf nur sechs.

Diese unterschiedlichen Zahlen zwischen den Bundesländern scheinen einen häufigen Vorwurf zu bestätigen: Steuerfahndung sei auch Standortpolitik. Länder mit lascher Prüfpolitik wollten Kapital anlocken. Denn je weniger kontrolliert werde, umso angenehmer sei es für Betriebe und Privatleute.

»Länder verzichten bewusst auf Einnahmen, um attraktiver zu werden. Dabei könnten sie das zusätzliche Geld gut gebrauchen«, sagt Barbara Höll, steuerpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken. Auch Michael Thöne, Finanzwissenschaftler an der Universität Köln, findet die Unterschiede erklärungsbedürftig. »Man ist erstaunt, wie solch massive Differenzen entstehen können. Und welchen Grund sollten sie sonst haben, wollte man damit nicht jemanden schützen.«

Bis zu einem bestimmten Grad aber gibt es Erklärungen. So hängt die Zahl der Fälle davon ab, wie viel Vermögen in dem Land liegt. Außergewöhnliche Effekte spielen eine Rolle, wie Käufe von CDs mit Steuerdaten, die den Fahndern viele Informationen verschaffen. Die hinterzogenen Steuern sind je nach Fall verschieden hoch, große Verfahren können mehrere Prüfer auf Jahre binden.

Steuerfahnder, so ein Argument des bayerischen Finanzministers in der Vergangenheit, seien zudem unterschiedlich effektiv. So hätten die Beamten Bayerns eben mehr Erfolg.

Tatsächlich kann nicht pauschal gesagt werden, dass beispielsweise rheinland-pfälzische Fahnder erfolgreicher sind. Sie prüfen zwar über dreimal so oft wie bayerische Beamte, haben pro Kopf aber weniger eingenommen. Ein Fahnder in der Pfalz hat durchschnittlich etwa eine Million Euro im Jahr 2011 eingetrieben, einer in Bayern 1,2 Millionen Euro.

Ist der Süden also wirklich effizienter? Bundestagsabgeordnete Höll erklärt sich die Differenz anders. »Der Grund ist die Verteilung des Vermögens. Wahrscheinlich könnte dort noch viel mehr Geld eingenommen werden, wenn es die Landesregierung wollte.«