Schon immer haben Frauen mit Röcken Botschaften ausgesendet. Der Rock lenkt die Aufmerksamkeit auf den Unterleib der Frau – und gleichzeitig verhüllt er ihn. Das war schon vor hundert Jahren so, es war ein Spiel mit der Erotik. Denn je mehr der Rock die Aufmerksamkeit auf die Frau lenkte, je größer er ausfiel, desto mehr wurden die Beine der Frau verhüllt. Die Anziehung war also gleichermaßen die Abweisung.

Heute muss sich die Frau nicht mehr verhüllen, um Begehrlichkeiten zu wecken. Im Gegenteil: Es geht um Enthüllung. Bei den vergangenen Schauen in Paris ließ Chanel-Designer Karl Lagerfeld die Models in langen durchsichtigen Röcken über den Laufsteg stöckeln. Unter solchen Stoffen sieht man die Beine und manchmal sogar den Slip. Transparente Röcke sind nicht nur bei Chanel populär. Auch Balenciaga, Michael Kors, Chloé, Dolce & Gabbana haben sie in der Kollektion. Ein Indiz für die totale Sexualisierung der Frau? Wird sie gewissermaßen öffentlich ausgezogen?

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Der Verdacht liegt nahe, aber wenn man den Gesamtzusammenhang betrachtet, wird schnell offenbar, dass es hier nicht allein um Erotik geht. Denn so unsexy war durchsichtig noch nie. Transparente Röcke werden auf den Laufstegen nie in Kombination mit offenherzigen Outfits getragen, sondern stets als Kontrast zu hochgeschlossenen, fast puritanischen Oberteilen. Oft liegen so viele dünne Schichten übereinander, dass kein Durchblick möglich ist. Die Designer suchen nach neuen Ausdrucksformen für Weiblichkeit. Das wurde bei den gerade vergangenen Schauen in Mailand und Paris deutlicher, dort wurde die Idee der Transparenz noch erweitert. Am auffallendsten akzentuiert war der transparente Rock bei der Dior-Schau von Raf Simons. Die Models trugen einen gerade geschnittenen Blazer, der in ein luftiges Röckchen aus in allen Regenbogenfarben changierendem Organza überging.

Die moderne Frau soll gleichzeitig hart und feenhaft sein. Berechnend und verträumt. Das ist schön, bedeutet aber auch, dass der Spagat, der den Männern abverlangt wird, dass sie gleichzeitig durchgreifender Macho und verständnisvoller Softie sein sollen, nun auch den Frauen aufgezwungen wird. Eine Form von Gleichberechtigung.